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Geschichte

Von der Lateinschule zur Volksschule

1566 wird erstmals eine Schule in Schmidmühlen genannt. Hundert Jahre wurden die Kinder direkt neben der Kirche unterrichtet.
Von Josef Popp

Direkt vor der Pfarrkirche St. Ägidius befand sich einst die Schule, bis 1960 der Neubau an der Dr.-Pfab-Straße bezogen wurde. Das alte Schulgebäude wurde 1965 abgebrochen.
Direkt vor der Pfarrkirche St. Ägidius befand sich einst die Schule, bis 1960 der Neubau an der Dr.-Pfab-Straße bezogen wurde. Das alte Schulgebäude wurde 1965 abgebrochen. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.In den 1960er und 70er Jahren veränderte sich das Ortsbild von Schmidmühlen wesentlich. Bis zu dieser Zeit prägten das alte Schulhaus sowie weitere Wohnhäuser an der Hauptstraße das Ortszentrum. Erst mit dem von Pfarrer Otto Gillitzer ins Auge gefassten Kirchenerweiterungsbau, der schließlich auch umgesetzt wurde, mussten diese Gebäude weichen, und es entstand ein begrünter Vorplatz der Pfarrkirche. Das letzte Kalenderbild des Jahres 2015 zeigt das ehemalige alte Schulhaus mit der Pfarrkirche St. Ägidius dahinter.

Seit wann in Schmidmühlen eine Schule existiert, kann nach derzeitigem Wissensstand nicht genau datiert werden. Doch gab es bereits im Mittelalter in der Oberpfalz und wohl auch in Schmidmühlen Schulen – allerdings nicht annähernd vergleichbar mit der Organisation und den Inhalten des heutigen Bildungswesens. Was es jedoch schon früher gab, war eine gewisse Schulaufsicht, die teilweise auch die Kirche übernommen hat.

Nur Lesen und Schreiben gelehrt

Erstmals erscheint die Schule Schmidmühlen im Jahr 1566 in einem Visitationsbericht. In diesem wird bemängelt, dass der Lehrer nicht wie vorgeschrieben auch Lateinisch, sondern nur Lesen und Schreiben lehre. Eine Schulpflicht bestand zur damaligen Zeit nicht, so wechselte auch die Zahl der Schüler beständig. Im Jahr 1575 verzeichnete man 15 Knaben und acht Mädchen, 1610 hingegen waren es 60 Knaben und 20 Mädchen. Wie damals üblich, gab es keine Jahrgangsklassen, sondern es wurde in einer einzigen Klasse unterrichtet. Bereits damals war die Schule zu klein und es wurde über eine Vergrößerung nachgedacht.

Nach bisherigem Erkenntnisstand war das Schulhaus auch schon in dieser Zeit neben der Kirche. Im Mittelalter bildeten in aller Regel Kirche, Schulhaus und Friedhof eine Einheit. Und: Dass es in früheren Zeiten an der Kirche einen Friedhof gab, hat sich beim Erweiterungsbau der Pfarrkirche gezeigt, als zahlreiche Skelette zum Vorschein kamen.

In alten Aufzeichnungen wird die Schule in Schmidmühlen als „gut ausgestattet“ beschrieben. Schmidmühlen war zu dieser Zeit bereits ein stattlicher Ort mit 130 Wohnhäusern. Hinzu kam sicher auch, dass mit dem Hammerwerk, dem blühenden Hopfenanbau, mit Mühlen und Handwerksbetrieben der Marktflecken durchaus als „wohlhabend“ eingestuft werden kann. Allerdings wird die Schule im Jahr 1654 als zwischenzeitlich relativ „heruntergekommen“ beschrieben. Zudem wurde der Schulbesuch der Kinder als äußerst mangelhaft bezeichnet. Hinzu kam, dass die Lehrer in kurzen Abständen wechselten, weil das Schulgeld niedrig und demnach die Besoldung gering war.

Um 1700 kam es vermutlich zu einem Neubau, kombiniert mit dem Rathaus. Im neuen Gebäude an der damaligen „Langen Gasse“ war die Schule im ersten Stock untergebracht. Im Erdgeschoss waren der gemeindliche Brotladen und die Wohnung des Brothüters. Angebaut war das Rathaus.

Die Geburtsjahrgänge 1933/34 an der Schmidmühlener Schule
Die Geburtsjahrgänge 1933/34 an der Schmidmühlener Schule Foto: Archiv Markt Schmidmühlen

Im Lauf der Zeit wurden auch in Bayern die Schulpflicht und die Feiertagsschule eingeführt. Dies hatte zur Folge, dass die Schülerzahlen stiegen und eine Vergrößerung des Schulgebäudes angedacht wurde. In der vom damaligen Bürgermeister Silbereis geführten Chronik kann man nachlesen, dass „nach längerem Streiten und Planen“ eine Lösung gefunden wurde: Die Lehrerwohnung wurde aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss verlegt. An dieser Stelle entstand ein zweites Klassenzimmer. Und der Brotladen wurde ins benachbarte Rathaus verlegt. Bis ins Jahr 1850 diente das Gebäude als Schulhaus, es wurde aber im Lauf der Jahrzehnte ziemlich heruntergewirtschaftet.

1863 begann der Schulhausbau

Bereits im Jahr 1847 hat sich der Magistrat von Schmidmühlen mit einem Neubau beschäftigt, die Beratungen zogen sich aber ewig hin. Schließlich musste 1854 das Schulhaus wegen Baufälligkeit innerhalb von 48 Stunden geräumt werden. Die beiden Klassenzimmer wurden im Hammerschloss untergebracht. Aber die benachbarte Hammermühle, Papier- und Schleifmühle, arbeitete so laut, dass das Unterrichten sehr schwierig war.

Im Jahr 1861 war das Schulhaus mittlerweile so baufällig, dass es abgestützt werden musste. Man kam um einen Neubau nicht herum, den aber der damalige Bürgermeister Natter mit aller Macht verhindern wollte. Er wurde schließlich zum Rücktritt gezwungen. Im Mai 1863 konnten die Bauarbeiten endlich beginnen. Im Vorfeld gab es allerdings Streit mit der Kirche, denn die Toiletten sollten direkt an die Kirchenmauer gebaut werden. Der Pfarrer legte Einspruch ein – aber ohne Erfolg, nachdem es keinen anderen Platz für diese Anlagen gab. Bauträger der Schule waren je zur Hälfte die Kirchenverwaltung und die Gemeinde.

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 10 000 Gulden. Da jedoch die Kirchenstiftung quasi zahlungsunfähig war, zahlte das Bischöfliche Ordinariat Regensburg 500 Gulden. Den Rest mussten die Gemeinden des Schulsprengels (Schmidmühlen, Höchensee, Bergheim, Heidensbuch und Eglsee) aufbringen. Obwohl die Kirchenstiftung über das Bischöfliche Ordinariat nur 500 Gulden zahlte, gehörte ihr die Hälfte des Gebäudes – so waren damals die Gesetze. Das sorgte für Ärger.

Lehrer anno dazumal

  • Herkunft

    Die Lehrer stammten um das Jahr 1600 nur zum Teil aus der Oberpfalz. Sie kamen auch aus dem benachbarten Franken, aus Sachsen und sogar aus Kärnten. Im Jahr 1593 war ein gewisser Schramm als Lehrer in Schmidmühlen tätig. Er stammte aus Beratzhausen und hatte, wie alle anderen auch, Theologie studiert.

  • Vorteile

    Schmidmühlen war zu dieser Zeit ein begehrter Lehrerposten. Es bedurfte eines hochrangigen und guten Fürsprechers, um diese Stelle zu bekommen. Die in Schmidmühlen tätigen Lehrer bekamen außer dem Gehalt das Schulgeld der Kinder, 16 Klafter Holz sowie gewisse Mengen Getreide und anderes mehr.

  • Weitere Aufgaben

    Der Lehrer war noch Markt- und teilweise Gerichtsschreiber. Zudem musste er sich um die damals schon vorhandene gemeindliche Turmuhr kümmern. Zur damaligen Zeit war es auch üblich, dass der Lehrer nebenbei außerdem Mesner, Organist und Chorregent war und ein kleines landwirtschaftliches Anwesen betrieb. (ajp)

1883 musste die Gemeindeverwaltung aus dem Schulhaus ausziehen, da eine dritte Klasse installiert wurde; 1914 kam eine vierte Klasse dazu. Bereits zur Jahrhundertwende wurde über ein neues Schulhaus nachgedacht. Doch erst das Ende des Zweiten Weltkriegs und das Wirtschaftswunder, das großen Wohlstand und einen starken Anstieg der Kinderzahlen nach sich zog, rückten einen Neubau wieder in den Fokus des Marktrates. 1948 waren sogar acht Lehrer notwendig, um die Unterrichtsversorgung zu gewährleisten, einige Schulklassen wurden schließlich im Oberen Schloss untergebracht.

1960 begann ein neues Kapitel

Letztlich konnte das Schulhaus nicht mehr gehalten werden. Am 17. September 1960 wurde ein neues Kapitel der Schulgeschichte in Schmidmühlen begonnen. Das Schulhaus an der Dr.-Pfab-Straße wurde offiziell mit Domkapitular Rosner eingeweiht. 1973, 1980 und 1987/88 erfolgten Erweiterungen, und vor wenigen Jahren begann der Markt mit einer umfassenden, vor allem energetischen Sanierung der heutigen Grundschule, die den Namen des großen Sohns Schmidmühlens, Erasmus Grasser, trägt.

Das alte Schulgebäude an der Hauptstraße ist Geschichte: Pfarrer Otto Gillitzer hat es 1965 gekauft und ließ es abreißen. Damit ging eine Ära zu Ende. Aber die älteren Schmidmühlener dürften sich – mehr oder weniger erfreut – noch daran erinnern.

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