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Kultur

Vom Tafelwischer zum Bühnenstar

Einst besuchte Sebastian Zawrel die Wirtschaftsschule in Amberg. Als Willy Nachdenklich kehrte er zurück und erntete Beifall.
Von Peter Geiger

Willy Nachdenklich im Kreis von Elftklässlern der Wirtschaftsschule Foto: Peter Geiger
Willy Nachdenklich im Kreis von Elftklässlern der Wirtschaftsschule Foto: Peter Geiger

Amberg.Schule funktioniert eigentlich denkbar einfach: Wer sich an Regeln hält, wird mit guten Noten belohnt. Und wer dagegen verstößt, bekommt einen Fünfer oder einen Sechser. Wie gut, dass das Leben schlauer ist! Denn Sebastian Zawrel – vor rund 20 Jahren hat er seine Mittlere Reife an der Städtischen Wirtschaftsschule in Amberg erworben – hat aus dem Normverstoß sein höchst erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt.

Weshalb er nun, bei seinem Gastspiel vor den beiden 11. Klassen der Wirtschaftsschule, nicht nur als Autor seine höchst eigenwilligen Geschichten vorlesen, sondern auch stolz davon berichten kann, dass er unter dem Pseudonym „Willy Nachdenklich“ zunächst zum respektierten Internetstar mit rund 350 000 Facebook-Followern avancierte. Es ist ihm mittlerweile gelungen, seinen Erfolg zu verstetigen, indem er als Comedian im gesamten deutschsprachigen Bereich unterwegs ist. Hauptberuflich arbeitet er als Redakteur bei „Puls“, dem jungen Programm des Bayerischen Rundfunks.

Karriere

  • Facebook:

    Auf seiner Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ macht sich Willy Nachdenklich alias Sebastian Zawrel in absichtlich fehlerhaftem Deutsch über die im Netz verbreiteten kitschigen Bilder mit pseudo-tiefgründigen Weisheiten lustig.

  • Bücher:

    Erschienen sind bisher „1 gutes Buch vong Humor her“ (2017) und „Shakespeare oder Willy, das ist hier 1 Frage“ (2018).

Sofort ist zu spüren, dass der Funke der Begeisterung auf die rund 50 Elftklässler überspringt. Weil das doch viel mehr ist für sie, als eine bloße Lesung irgendeines Schriftstellers, der Geschichten erfindet, die vielleicht irgendjemanden da draußen interessieren – aber definitiv nicht sie. So meldet sich Noah zu Wort und will wissen: „Glauben Sie, dass Sie auch so erfolgreich wären, wenn es keine Sozialen Netzwerke gäbe?“ Der Angesprochene blickt auf von seinem Lesemanuskript, räuspert sich – und antwortet ganz knapp: „Nein, natürlich nicht!“

Nach dem Web-Hype, der im Titel „Jugendwort des Jahres“ für „I bims“ 2017 gipfelte, unternahm Zawrel den nächsten Karriereschritt. Er begann, längere Texte zu schreiben und avancierte auch im analogen Bühnen zum Publikumsliebling. Als Autor von zwei Büchern gastiert er mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum. Besonders stolz war er, als bei seinem Auftritt in Duisburg sein langjähriges Idol Helge Schneider im Publikum saß. „Für mich der intelligenteste und lustigste Mensch auf der ganzen Welt!“

Willy Nachdenklich mit Schulleiterin Brigitte Conchedda und seinem ehemaligen Deutschlehrer Günter Götz Foto: Geiger
Willy Nachdenklich mit Schulleiterin Brigitte Conchedda und seinem ehemaligen Deutschlehrer Günter Götz Foto: Geiger

Die zwei Schulstunden an der Städtischen Wirtschaftsschule vergehen wie im Flug: Der Autor fühlt sich überaus wohl unter lauter jungen Menschen. Sebastian Zawrel lobt seine eigene Schulzeit („Ohne die Schule hette ich nie gelernt wie man 1 Tafel wischt“) und nutzt die Gelegenheit, sein Publikum aufzufordern, sich gegen die EU-Pläne, mittels Upload-Filtern „die Freiheit im Internet zu beschränken“ zu engagieren.

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