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Historie

Weiler mussten Übungsplatz weichen

Bis 1946 war Emhof eine eigenständige Gemeinde, zu der Richthof und Wölsdorf gehörten. Die Einöden mussten aufgegeben werden.
von Josef Popp

Blick auf Emhof im Jahr 1940 vom Lanzenrieder Berg aus Richtung jetziger Truppenübungsplatz Hohenfels Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis
Blick auf Emhof im Jahr 1940 vom Lanzenrieder Berg aus Richtung jetziger Truppenübungsplatz Hohenfels Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Das Schicksal der Gemeinde Emhof ist auch zu einem bestimmten Teil an die Entstehung des Truppenübungsplatzes Hohenfels geknüpft. Denn zur Gemeinde Emhof gehörten einst auch noch ein Weiler beziehungsweise eine Einöde, die nach der Errichtung des Truppenübungsplatzes im Jahr 1951 aufgelöst wurden. Ein historisches Foto aus dem Jahr 1940 vom Lanzenrieder Berg aus lässt den Blick in den jetzigen Truppenübungsplatz Hohenfels schweifen. Dieses Motiv ist eines der Monatsbilder im Heimatkalender 2019.

Wie der Markt Schmidmühlen grenzt Emhof an den Truppenübungsplatz Hohenfels. Der Auftrag zur Ablösung des für den Übungsplatz benötigten Geländes wurde am 8. März 1938 erteilt. Sicher der wichtigste Grund für die Wahl des jetzigen Areals war der dramatische Wassermangel bzw. die Wasserknappheit in dieser Gegend. Dies ist zumindest für einen ehemaligen Gemeindeteil von Emhof dokumentiert: für den Weiler Richthof.

Mit Ochsen Wasser geholt

Während es in den Dörfern des Truppenübungsplatzes kaum Wasser gab, kannte man in Emhof dieses Problem nicht.  Foto: Josef Popp
Während es in den Dörfern des Truppenübungsplatzes kaum Wasser gab, kannte man in Emhof dieses Problem nicht. Foto: Josef Popp

Der Weiler Richthof bestand aus zwei Höfen, dem „Richt Max“ und dem Richtbauern. Der Weiler lag etwa 1,5 Kilometer nordwestlich von Emhof, etwa 100 Meter hoch über dem Vilstal. Nach Schmidmühlen führte der Weg durch die Felder am Pfarrenberg und die Einöde Fischereis vorbei zur Schmidmühlener Straße. Rechts davon lagen die Felder „In der Leite“ und „Hinterm Kreuzberg“. Über den Weinberg führte ein Weg hinab nach Emhof.

In Trockenzeiten musste das Wasser für Mensch und Vieh mühsam mit Ochsengespannen vom Tal zu den Höfen gefahren werden. Die Wasserversorgungsverhältnisse waren auch in diesem Teil des jetzigen Truppenübungsplatzes gravierend schlecht.

Der Weiler Richthof gehörte ursprünglich zur Pfarrei Dietldorf, bevor er im Jahr 1886 nach Schmidmühlen umgepfarrt wurde. Das Standesamt hingegen hatte weiterhin seinen Sitz in Dietldorf. Richthof gehörte bis zur Ablösung politisch zu Emhof, danach zum Gutsbezirk Nainhof-Hohenfels. 1916 wird Richthof beschrieben als ein Weiler mit zwei Höfen und acht Bewohnern. Bei der Errichtung des Truppenübungsplatzes lag Richthof in der Ablösezone II.

Blick auf Emhof heute  Foto: Josef Popp
Blick auf Emhof heute Foto: Josef Popp

Das Hirteis-Anwesen wurde am 22. April 1940 übergeben, das Mülleranwesen am 1. August 1940. Beide Familien wurden umgesiedelt: Die Familie Müller zog nach Regensburg, Familie Hirteis in den Landkreis Kelheim. Nach dem Krieg wurde der Weiler nochmals besiedelt, musste aber 1951 endgültig geräumt werden.

Die Einöde Wölsdorf lag auf der Jurahochfläche etwa einen Kilometer westlich von Emhof auf halber Strecke nach Kirchenödenhart. Auch dieser Weiler gehörte politisch zu Emhof, pfarreilich zu Dietldorf. Bis zum Jahr 1904 gingen die Kinder einen sehr beschwerlichen Weg zur Schule nach Dietldorf. In jenem Jahr erhielt dann Emhof eine eigene Schule – fortan gingen die Kinder nach Emhof zum Unterricht.

Schon frühgeschichtlich war die Gegend um Wölsdorf besiedelt. Dies konnte durch vier Grabhügel südöstlich von Wölsdorf am Ostrand der Albhochfläche nachgewiesen werden. Aus ihnen stammen auch bronzezeitliche Funde, die im Museum für Völkerkunde und Frühgeschichte in Berlin aufbewahrt werden.

MZ-Spezial zum Heimatkalender Schmidmühlen: Spannende Geschichten, neue Entdeckungen und viel Interessantes über die Menschen und das Leben im Markt Schmidmühlen in früheren Jahren erzählen historische Fotos.

1916 wird Wölsdorf als eine Einöde bezeichnet, zu der „ein Haus mit neun Seelen gehört“. Bei der Errichtung des Truppenübungsplatzes Hohenfels lag Wölsdorf in der Ablösezone II und musste 1940 geräumt werden. Die Familie des Wölsdorfbauern wurde mit insgesamt sechs Personen „ausgesiedelt“, sie zog in den Landkreis Kelheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf dem weitgehend unbeschädigten Hof zwei Flüchtlingsfamilien angesiedelt. Diese setzten den Hof wieder instand und bewirtschafteten die 20 Hektar. Mit der Wiederaufnahme militärischer Übungstätigkeiten mussten 1951 beide Familien den Weiler wieder verlassen. Insgesamt wurden zwölf Personen umgesiedelt. Damit endet auch die Geschichte der Einöde Wölsdorf.

Der Heimatkalender

  • Entwicklung:

    Zum allerersten Mal ist in Schmidmühlen 2012 ein Heimatkalender erschienen. 2012 und 2013 wurde er als bebilderter Rückblick auf das vergangene Jahr gestaltet. 2014 gab es erstmals historische Motive aus dem Archiv des Heimatkundlichen Arbeitskreises.

  • Verkauf:

    Den Heimatkalender 2019 – noch in kleineren Restbeständen – kann man bei Wohnambiente Philbert, bei der Apotheke Alte Post und im Rathaus Schmidmühlen für sieben Euro erwerben. Mit dem Erlös wird die Jugendarbeit von Vereinen im Markt unterstützt.

Überliefert ist noch eine Sage aus der Einöde: Der Wölsdorf-Bauer ging nach Emhof ins Wirtshaus und erst spät nachts wieder nach Hause. Einmal, als er ziemlich viel getrunken hatte, nahm ihn ein feuriger Mann auf den Rücken und trug ihn bis zu seinem Hof. Als der Bauer „Danke schön“ sagte, bekam er eine schallende Ohrfeige. Er hätte Vergelt’s Gott sagen sollen, denn der feurige Mann war eine arme Seele, die damit wohl erlöst worden wäre.

Das Aus für kleine Gemeinden

Das Ende der Selbstständigkeit für die Gemeinde Emhof kam am 7. Januar 1946. Die Regierung der Oberpfalz erließ eine Bekanntmachung wegen der Zusammenlegung der Gemeinden im Landkreis Burglengenfeld. Diese trat rückwirkend zum 1. Januar 1946 um 0.01 Uhr in Kraft. In dieser Bekanntmachung hieß es unter anderem: „Es wurde beschlossen, zur Vereinfachung der Verwaltung und Hebung der Leistungsfähigkeit der Gemeinden, Kleingemeinden innerhalb des Landkreises Burglengenfeld mit anderen Gemeinden des Landkreises zusammenzulegen. Die Gemeinden Pilsheim, Höchensee und Emhof werden aufgelöst und in die Gemeinde Schmidmühlen eingegliedert.“

Dagegen protestierten die Emhofer lange. Sie führten unter anderem an, dass mit der Wiederbesiedelung von Wölsdorf und Richthof das Gemeindegebiet und die Einwohnerzahlen wieder ansteigen würden. Dieses Argument ließ die Regierung allerdings nicht gelten. Sie argumentierte: „Auch wenn Richthof und Wölsdorf wieder zu Emhof dazukämen, würde die Gemeinde Emhof nicht genügend Einwohner und Wirtschaftskraft haben, um weiter als eigenständige Gemeinde existieren zu können.“ (ajp)

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