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Zurück in der alten Heimat

Hunderte Menschen besuchten die Dörfer, die heute im Übungsplatz liegen. Viele Gebäude werden von der Army gesichert.
Von Paul Böhm

Gut 400 Menschen waren zum Heimattreffen nach Lutzmannstein in ihre angestammte Heimat gekommen. Sie feierten gemeinsam den Gottesdienst und sahen sich im Dorf mit dem Schloss (im Hintergrund) um.  Foto: Paul Böhm
Gut 400 Menschen waren zum Heimattreffen nach Lutzmannstein in ihre angestammte Heimat gekommen. Sie feierten gemeinsam den Gottesdienst und sahen sich im Dorf mit dem Schloss (im Hintergrund) um. Foto: Paul Böhm

Schmidmühlen.Daheim in der angestammten Heimat: Die Umsiedler von 1951 trafen sich in ihren Heimatorten Pielenhofen und Lutzmannstein im Truppenübungsplatz Hohenfels. „So, jetzt san ma wieder dahoam“, freuten sich viele. Zum Pielenhofener und Lutzmannsteiner Heimattreffen waren Menschen teilweise aus ganz Bayern angereist.

Vieles ist anders geworden im Dorf, aber die Erzählungen von Zeitzeugen holten für ein paar Stunden die Zeit zurück, wie es damals von Juli bis November 1951 gewesen ist. Im Kramerladen von Maria Eichenseer, der „Schloud-Marie“, haben heute Fledermäuse ihr Sommerquartier. Der Backofen droben im Pfarrhof ist wieder funktionsfähig und viele der tief in den Schlossberg gegrabenen Keller trotzen noch immer Wasser und Frost.

Natur erobert die alten Dörfer

Sogar der alte Weinstock an der Südwestseite des Lutzmannsteiner Schulhauses trägt heuer wieder reichlich Früchte. Die Zisternen rund um das Schloss sind gut mit Regenwasser gefüllt und das Backofengewölbe der ehemaligen Schlossherren ist saniert worden. In diesen Wochen ist man dabei, ein neues Kirchendach aufzusetzen, um das dominante Gebäude zu erhalten. Selbst das geflügelte Wort von „Kirche und Wirtshaus“ gilt heute noch, auch wenn keine Menschen mehr da sind, sondern nur ihre erhalten gebliebenen Erinnerungen.

Blick zurück

  • Aussiedlung:

    Im Herbst 1951 mussten 3200 Menschen für die Errichtung des Truppenübungsplatzes Hohenfels ihre Heimat verlassen. Zusätzlich zum alten Wehrmachtsübungsplatz von 1938 wurde das militärische Gelände auf 16 250 Hektar vergrößert. Maßgeblich getroffen hat die Westerweiterung die ehemaligen Gemeinden Geroldsee, Lutzmannstein, Pielenhofen und Griffenwang.

  • Treffen:

    Zum 70. Jahrestag der Aussiedlung, also im Jahr 2021, wollen die Menschen zum nächsten Umsiedlertreffen in der „alten Heimat“ im Truppenübungsplatz Hohenfels zusammenkommen. Und dazu wird es auch wieder, so wie es bei Festen und kirchlichen Anlässen in früheren Jahren in Lutzmannstein und Pielenhofen üblich war, Spitzel und Knackwürste als Brotzeit geben.

Etwa 300 Teilnehmer zählte man beim Heimattreffen der Pielenhofener, gut 400 waren es beim Treffen der ehemaligen Lutzmannsteiner, die für einen halben Tag in ihre angestammte Heimat zurückgekommen waren. Dort, wo einst ihre Heimatdörfer waren, hat sich die Natur wieder breitgemacht. Vielfach sind nur noch Ruinen zu sehen, die von den einst stolzen Dörfer im Oberpfälzer Jura erzählen. Die Obstbäume erinnern daran, dass hier einmal Menschen gelebt haben.

Dass die abgelösten Dörfer und Weiler nicht ganz verschwinden, dafür sorgt seit einigen Jahren die US Army. So ist in Pielenhofen die Dorfkapelle wieder aufgebaut und der Dorfbrunnen gesichert worden. Viel Arbeit macht sich die Army mit der Sicherung von Kellern und Bauernhäusern.

Die Kirchen in Bergheim bei Schmidmühlen und Kirchenödenhart bei Emhof wurden vor dem Verfall gerettet. Dazu kam das Kirchlein St. Bartholomäus von Schmidheim und derzeit ist man dabei, die ehemalige Pfarrkirche St. Maria und St. Lucia in Lutzmannstein mit einem neuen Dachstuhl zukunftsfähig zu machen.

Das von den Freiherrn von Gise erbaute Lutzmannsteiner Schloss ist gesichert, beim ehemaligen Kramerladen im Dorf, der „Schloud Marie“, ist die Sanierung so gut wie abgeschlossen. Das Torhaus am Aufgang zur Lutzmannsteiner Burg ist hergerichtet worden und auch sonst laufen noch verschiedene Arbeiten, um den alten dörflichen Charakter zu sichern.

Die regelmäßigen Heimattreffen der 1951 abgelösten Umsiedler sind unverrückbarer Bestandteil dieser Region und das soll auch so bleiben, sagte der Velburger Bürgermeister Bernhard Graf, der diese Heimattreffen großzügig unterstützt. Ludwig Wegele macht dies für den Bereich von Pielenhofen.

Die Fledermaus macht in Hohenfels vieles möglich. Fledermausexperte Georg Knipfer hatte ein Exemplar mitgebracht: „Von über 30 bekannten Fledermausarten leben 25 im Truppenübungsplatz Hohenfels“, weiß er.  Foto: Böhm
Die Fledermaus macht in Hohenfels vieles möglich. Fledermausexperte Georg Knipfer hatte ein Exemplar mitgebracht: „Von über 30 bekannten Fledermausarten leben 25 im Truppenübungsplatz Hohenfels“, weiß er. Foto: Böhm

Im Mittelpunkt der beiden Umsiedlertreffen standen die Gedenkgottesdienste, wobei man besonders der Verstorbenen gedachte, die auch nach der Ablösung im Herbst 1951 in den Friedhöfen von Pielenhofen, Griffenwang und Lutzmannstein geblieben sind. Die Grabsteine wurden schon vor Jahren nach Velburg gebracht und in einem eigenen Bereich mitsamt einem dominanten Wegekreuz aus Lutzmannstein aufgestellt.

Kulturgüter werden erhalten

Der Glaube ist das verbindende Element und dieser hat auch jetzt, fast 70 Jahren nach der Aussiedlung, wieder viele Ehemalige zusammengeführt. Diese Leitgedanken der Heimatverbundenheit stellten die beiden Geistlichen, Prälat Alois Möstl aus Regensburg und der Eichstätter Domvikar und Jugendseelsorger Clemens Mennicken, in den Mittelpunkt ihrer Predigten.

Dr. Albert Böhm, verantwortlicher Leiter der Umweltabteilung bei der Army, erzählte den Umsiedlern und ihren Angehörigen von damals und von den vielen umfangreichen Sicherungsmaßnahmen, mit denen versucht wird, ehemaliges Kulturgut zu erhalten und zu sichern.

Damit ihre Heimatdörfer nicht vergessen werden – dafür stehen auch die in Pielenhofen und Lutzmannstein angebrachten Informationstafeln ehemaliger Gehöfte. Sie stehen im Zusammenhang mit dem Artenschutz von Fledermäusen und dienen zudem als Ausgleichsmaßnahmen von bereits abgegangenen Kulturgütern im Gebiet des Truppenübungsplatzes. (abp)

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