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MZ-Kantine
Sonntag, 19. August 2018 32° 2

Kultur

„50 Shades of Servus“ in der MZ-Kantine

Harry G. frotzelt vor handverlesenem Publikum im Regensburger Verlagshaus über Isarpreißn, Landhausmode und andere Plagen.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Harry G. machte aus der MZ-Kantine eine Kabarettbühne. Foto: altrofoto.de
Harry G. machte aus der MZ-Kantine eine Kabarettbühne. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Was meint ein Bayer wenn er Servus sagt? Griaß di oder schleich di? Nur wer genau hinhört, wird es verstehen. „Denn es gibt in Bayern 50 Shades of Servus“, sagt der Kabarettist Harry G. Am Mittwoch haben 60 treue MZ-Leser in der Kantine des Mittelbayerischen Verlages einen ganz besonderen Abend mit dem gebürtigen Regensburger erlebt. Man kam sich ganz nah bei den Betrachtungen über die Bayern, die Preißn und alles was sich so dazwischen bewegt. Da gab es einiges zu Bereden und zu Lachen.

Die Lederhosen aus China

Für manche Zuhörer im Publikum war es die allererste Begegnung mit dem Kabarettisten, der vor gut zwei Jahren seinen Durchbruch im Internet hatte. Als grantelnder Bayer regte er sich in seinem ersten YouTube-Video über die Gesellschaft auf dem Münchner Oktoberfest auf – bis heute wurde das Stück fast eine Million Mal geklickt. Mit dem Programm „Leben mit dem Isarpreiß“ stand er fast 250 Mal auf den Bühnen – inzwischen auch außerhalb Bayerns in Hamburg, Köln oder Berlin.

Sehen Sie hier ein Video des Auftritts:

Harry G frotzelt in der MZ-Kulturkantine

Von dort hat Harry G. für die MZ-Leser gleich ein paar neue Geschichten mitgebracht. „Da stehst auf dem Berliner Alexanderplatz und was siehst? Einen Kaufhof, einen Mediamarkt und den Angermaier.“ Der Angermaier, ein Spezialist für Trachtenmode, zieht sich wie ein roter Faden durch das kabarettistische Programm. Denn die Isarpreißn, also die zuagroasten Münchner, landen immer beim Angermaier, wenn sie in München Fuß fassen und sich zur besseren Integration ihre erste Lederhose oder das erste Dirndl kaufen, da ist sich Harry G. sicher,. „Wisst ihr, was diese erste Lederhose kostet? 60 Euro. Und so schaut die auch aus! Und bei dene 60 Euro sind des Hemd und die Schuh a no dabei“, frotzelt er. Und, der Bildung halber, merkt Harry G. gleich noch an, dass diese Lederhosen aus China kommen. 1,6 Millionen werden jährlich in dem Land hergestellt. „Das muss man sich mal vorstellen: China ist der größte Lederhosenproduzent weltweit. Des ist doch ein Wahnsinn!“

Auf den täglichen Wahnsinn scheint der Regensburger in München auch bei seinen Spaziergängen an der Isar zu treffen. Hunde die Celina und Finn heißen. „Ja, des könnt’s mir glauben, so nennen die Isarpreißn ihre Hunde. In Bayern heißt so ein Viech Zefix, aber doch net Finn.“

Der Tiroler im Kartoffelsack

Eine Plage sind für ihn auch die Tiroler mit ihrem Hang zur Landhausmode. „Die Landhausmode, das ist der Voldemort – also das dunkelste Wesen – der Tracht.“ Wer in diese „bedruckten Kartoffelsäcke mit Eisenschellen vorne drauf“ schlüpfe, der gehöre höchstens noch auf einen Mittelaltermarkt aber nicht auf ein Volksfest. Beim Volksfest ist Harry G. auch gleich wieder bei seinem geliebten Oktoberfest, wo er auf die Angermaier-Dirndl trifft, „die ausschauen, als wenn sie von Gardinen aus Hartz IV-Wohnungen“ geschneidert worden wären. Deshalb stellt er in Regensburg auch ein für allemal klar, dass „ein Dirndl nie am Oberschenkel endet, nicht neongrün oder neongelb ist und niemals nicht mit weißen Lackstiefeln getragen wird – außer die Dame arbeitet im Münchner Bahnhofsviertel und das Dirndl ist die Berufskleidung“.

Das begeisterte Publikum. Foto: altrofoto.de
Das begeisterte Publikum. Foto: altrofoto.de

Im Publikum sitzt an diesem Abend auch die Mutter des Kabarettisten. „Ja, schön war’s“, sagt sie nach der Vorstellung knapp. „Ich hab ihn ja schon öfter auf der Bühne gesehen.“ Karin Hahn aus Regensburg kennt den 36-Jährigen noch aus Zeiten, in denen er in Regensburg aufs Gymnasium ging. „Der Markus, wie der Harry ja richtig heißt, ist ein alter Schulfreund meiner Tochter“, erzählt sie. Umso mehr habe sie sich gefreut, das sie die Karten für die Veranstaltung gewonnen habe. „Ich bin total begeistert von seiner Show. Das macht er ganz, ganz toll!“ Ganz begeistert sind auch Carola Rohrwild aus Maxhütte-Haidhof und Margit Bannert aus Bad Abbach. Sie kannten Harry G. weder von seinen regelmäßigen Fernsehauftritten bei Günter Grünwalds Freitagscomedy noch von seinen You-Tube-Videos. „Wir haben in der MZ über ihn gelesen und waren neugierig“, erzählen sie. Den Abend haben sie sehr genossen. „Es gab sehr viel zu lachen.“

Auch der Kabarettist hatte sichtlich Spaß daran, wieder einmal in seiner alten Heimat zu performen. Im Herbst kommt das neue Programm „#Harry die Ehre“. In der MZ-Kantine stünde die Bühne bereits bereit...

Harry G. in der MZ-Kulturkantine

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