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MZ-Serie

Aus der Kasse auf die Kabarettbühne

In der Liederbühne Robinson lernte Helmut A. Binser das Künstlerleben kennen. Dann wagte der Oberpfälzer das Experiment.
Von Alois C. Braun, MZ

Er greift gerne Alltagsthemen auf: Der Oberpfälzer Musikkabarettist Helmut A. Binser tritt am 8. November in der MZ-Kantine auf. Foto: Braun

Runding.„Genau hier war ich früher oft, das war fast meine Heimat“, sagt der Binser mit Blick auf das Areal, als er im Kneitinger-Biergarten am Galgenberg zum MZ-Gespräch kommt. Früher, das war seine Zeit bei der Bundeswehr und als Industriekaufmann in Neutraubling. Fast zehn Jahre wohnte er damals in Neuprüll und hat anfangs oft die „Nacht zum Tag gemacht“.

Kontakt zu Musikern und Künstlern bekam er schon lange bevor er 2009 erstmals mit eigenem Programm auf der Bühne stand. Schönberger war Kassierer in der Liederbühne Robinson in Runding. Jener Bühne, in der so manche Kleinkunstkarriere ihren Anfang nahm. Die von Helmut Schleich und Christian Springer zum Beispiel. „Was mich damals immer wieder begeistert hat, waren die Stars, die zu allen Leuten vor Ort freundlich waren und auch dem Personal ihre Wertschätzung gezeigt haben. Das hat mein eigenes Verhalten sehr geprägt. Ein Kulturbetrieb kann ohne diese ehrenamtlichen, sich oft aufopfernden Mitarbeiter gar nicht funktionieren.“ Im typischen Binser-Humor fügt er hinzu: „Natürlich habe ich mich damals aber mit der Bedienung immer besonders gut gestellt – aus reinem Eigeninteresse.“

Künstlername aus Kultserie

Aufgewachsen ist der Binser als Martin Schönberger mit einer vier Jahre älteren Schwester in Runding bei Cham. Schon immer trieb ihn die Kreativität. Das, was er gemacht habe, seien aber „Nischenprojekte und gspinnerte Sachern“ gewesen, sagt er. Etwa das Bauen und erfolgreiche Verkaufen von Snaredrums. „Gearbeitet habe ich immer für Essen, Trinken, ein Dach über dem Kopf und, um das zu finanzieren, was mir Spaß macht“, erklärt er seine Lebenseinstellung.

Runding ist jedoch nicht der Mittelpunkt der Welt, deshalb zog es ihn mit 18 Jahren weg. „Mir fehlten die künstlerischen Möglichkeiten, ich fühlte mich damals gelähmt in dem Ort.“ Eine Einstellung, die sich gewandelt hat: „Inzwischen denke ich, dass man Zuhause, im Kleinen, mehr Möglichkeiten hat. Die Leute auf dem Land haben mehr Lust und Antrieb etwas zu machen. Es entstehen ganz andere Freundschaften.“ Die bayerische Kultserie „Irgendwie und sowieso“ hatte genau dies zum Inhalt. Deshalb wurde der Unternehmer Binser, gespielt von Toni Berger, auch Namenspatron für Schönbergers Künstlernamen.

Zwei Instrumente begleiten den Binser auf der Bühne: die Diatonische und die Gitarre, genannt Heinzi und Lumpi. „Ein Klavier wäre einfach zu schwer, um es von Auftritt zu Auftritt zu schleppen“, grinst der Kabarettist. Deshalb war er froh, als ihm sein Onkel Scholli eine alte „Ziach“ schenkte. Und erklärt: „Ein Instrument für Leute, die keine Noten lesen können.“ Auch den Zugang zur Gitarre fand er ohne Musikunterricht. „Ich habe mir das Meiste autodidaktisch beigebracht“, blickt er zurück. Im Lehrbuch „Meine erste Gitarre“ kam er zwar nur bis Seite zehn. Aber bis heute ist er lern- und wissbegierig. „Wenn ich Könner auf ihren Instrumenten treffe, dann lass ich mir oft Tricks und Kniffe zeigen, um weiter zu kommen. Selbst bewegt man sich doch meistens in den gleichen Zupfmustern und Akkorden. Aber mit 36 Jahren bin ich eh zu alt für einen Gitarrengott.“ Und das Publikum hört sowieso viel mehr auf die Texte. Etwa wenn der Binser singt. „Wenns Tagwerk stimmt und Mitgift passt, dann werden wir vermählt. Wir san die greislichen Menschen dieser Welt.“

Heute packt der Binser auf der Bühne Alltagsthemen wie Thermomixpartys und Arztbesuche im Internet an. Doch angefangen hat alles mit der Politrockgruppe „Senna Hoy“. Die Truppe stand musikalisch und mit ihren klaren Aussagen Bands wie „Ton Steine Scherben“ in nichts nach, spielte bundesweit erfolgreiche Gigs. „Die Scherben höre ich privat immer noch gern“, sagt der Musiker, „ebenso wie Bernd Begemann, Lou Reed oder die Stones. Populäres und die aktuellen Charts finde ich eher uninteressant“. Aber die Lebenseinstellung sei mit 36 Jahren eine andere geworden. „Revolution müssen 20-Jährige machen“, lacht Binser. Andererseits wirke es aber auch eher lachhaft, wenn ein Jungspund politisches Kabarett mache. Er selbst bricht die großen, auch politischen Themen herunter auf das Lokale, das Zwischenmenschliche. Mit Worten geht er subtiler und damit auch treffender um als jede Politrockband, in deren Texten die reine Anklage im Mittelpunkt steht.

„Der schönste Beruf der Welt“

Das „Herumklimpern“ beim Soundcheck nutzt er oft, um neue Sachen zu schreiben. Etwa ein Jahr dauert es dann, bis ein neues Programm fertig ist. Derzeit tourt er mit „Wie im Himmel“ durch Bayern, die angrenzenden Bundesländer und Österreich. Und mit jedem Programm sucht er neue Herausforderungen, arbeitet derzeit an einem Zwiefachen und hat dafür Flöte gelernt.

Martin Schönberger lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken. Zu facettenreich sind Persönlichkeit, Interessen und Erfahrungen. Es scheint nur logisch, dass er nun die Zeit genutzt hat, um ein Buch zu schreiben. „Wieder Dahoam“ wird es heißen und Ende November im Eigenverlag erscheinen. Keine reine Biografie ist es geworden, aber „autobiografisch gefärbt“. Mehr will er zum Inhalt aber noch nicht verraten. Am 8. November wird er in der MZ-Kantine erstmals daraus lesen (Um Karten können sich MZ-Leser unter gewinnspiel@mittelbayerische.de bewerben). Aber natürlich auch seine Lieder spielen. „Im Büro kriegst du halt keinen Applaus für deine Arbeit“, hat der Binser mal auf die Frage geantwortet, warum er Kabarettist geworden ist. Das Regensburger Publikum wird sich hoffentlich nicht lumpen lassen.

Lesen Sie weitere Teile unserer Serie MZ-Kulturkantine.

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