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Bruno Jonas und der Bildungsauftrag

Mit „Scheibenwischer“ ist der Niederbayer bekannt geworden. Sein Schauspieltalent legte er leider früh auf Eis.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Der Kabarettist Bruno Jonas tourt ab September wieder mit seinem Programm „Nur mal angenommen“.Foto: dpa
Der Kabarettist Bruno Jonas tourt ab September wieder mit seinem Programm „Nur mal angenommen“.Foto: dpa

München.Hin und wieder sieht man Bruno Jonas durch die Regensburger Altstadt spazieren. Ist er es oder ist er es doch nicht? Er schaut seinem neun Jahre jüngeren Bruder Walter Jonas, der seit vier Jahren stellvertretender Regierungspräsident der Oberpfalz ist, einfach zu ähnlich. Der scharfzüngige Satiriker und der aktenfressende Jurist – eine interessante Mischung, die da in einer Passauer Metzgersfamilie hineingeboren wurde. So unterschiedlich die Lebensläufe sind, so ähnlich sind sich die Brüder aber dann doch. Denn auch Walter Jonas ist dafür bekannt, bei nüchternen Amtsterminen für eine humorvolle Note zu sorgen. Nur die Bühne ist nicht das seine. Die überlässt er Bruno.

„Jetzt preisselt er wieder“

Zweisprachig sind sie aufgewachsen, hat Jonas über sein Elternhaus erzählt. Geboren wurde der Kabarettist 1952 in Passau. Der Vater, aus Schlesien vertrieben, sprach mit den Kindern Hochdeutsch, die Mutter reinstes Niederbayerisch. „Jetzt preisselt er wieder“, sagten die Mitschüler zu Bruno, wenn er Fortis-Laute benutzte. Der schlaue Bub wurde aufs Gymnasium geschickt. In den Ferien half er gelegentlich in der Metzgerei im Verkauf, aber auch im Schlachtraum und beim Wursten. Nach Abitur und Zivildienst zog es den Niederbayern nach München. An der Ludwig-Maximilian-Universität studierte er bis 1982 Germanistik, Politologie, Philosophie und später Theaterwissenschaften. Die Abende gehörten da schon lange dem Kabarett. In Passau gründete er 1975 mit Sigi Zimmerschied „die Verhonepeapler“. Schon das erste Stück „Himmelskonferenz“ machte Schlagzeilen und brachte Jonas und Zimmerschied eine Anzeige wegen Gotteslästerung ein. In dem Stück geht es darum, wie Jesus, der Heilige Geist und der gichtkranke Großvater nach Erklärungen für eine zweite Schwangerschaft von Maria suchen. Das Strafverfahren wurde eingestellt. „Das ging alles rechtsstaatlich zu, es wurden keine Fahnen verbrannt, es gab keine Tumulte, man kriegte eine Vorladung, konnte die Aussage verweigern und anschließend nach Hause gehen. Man wurde vielleicht von ein paar Mitbürgern beschimpft, aber Gefahr für Leib und Leben bestand nicht“, schilderte Jonas viele Jahre später der Wochenzeitung „Die Zeit“, als wegen der Mohammed-Karikaturen ein Aufschrei durch die islamische Welt ging.

Jonas zog persönliche Lehren daraus. Über den Islam und islamistischen Terror werde er sich nicht lustig machen, sagte er. Überhaupt würden sich Witze über Religion nicht lohnen. „Was bringt es, einem Gläubigen seinen Glauben vorzuhalten? Ich werde ihn niemals mit einer Pointe vom Gegenteil überzeugen können.“ Politik, soziale Missstände, gesellschaftliche Veränderungen, das ist das Metier des Kabarettisten – auf der Bühne wie in seinen Büchern. 1979 schrieb Jonas sein erstes Soloprogramm, 1981 holte ihn die Münchner Lach- und Schießgesellschaft ins Ensemble. Bundesweit bekannt wurde er mit seinen Auftritten in der Fernsehsendung „Scheibenwischer“ an der Seite von Dieter Hildebrandt und später mit Mathias Richling und Georg Schramm. Im Streit wurde die Sendung 2009 aus dem Programm genommen. Jonas wollte sich ein fernsehfreies Jahr gönnen und Richling hatte sich dafür ausgesprochen, auch Comedians einzuladen, weshalb Dieter Hildebrandt, der sich die Namensrechte gesichert hatte, untersagte, die Sendung weiterhin „Scheibenwischer“ zu nennen.

Mit leichter Kost hatte Jonas nie etwas am Hut. „Ich arbeite schon mit einem gewissen Wissenszusammenhang, den die Leute mitbringen müssen. Ein bisschen was wissen sollte man schon, sonst macht’s keinen Spaß“, sagt er. 2004 schlüpfte der damals 52-Jährige beim traditionellen Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg in die Kutte von Bruder Barnabas. „Wissen Sie, wie wir einen wie den Söder in Niederbayern nennen? Du Maustodschmatzer, du!“, lästerte er von der Kanzel herunter. Er war ein Barnabas, den das Publikum und die Politiker schätzten. Doch nach drei Jahren zog Jonas schon wieder den Schlussstrich. „Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist“, begründete er seine Entscheidung. Den Nockherberg habe er als großes Gesellschaftsspiel aufgefasst. „Ich mache mir da keine Illusionen. Ich glaube nicht, dass Satire etwas an den Überzeugungen von Politikern ändern kann“, sagte er in einem Interview.

Der Postbote Tango ist Kult

Jonas begann verstärkt als Autor zu arbeiten. Von der „Gebrauchsanweisung für Bayern“ über den „Vollhorst“ bis zu seinem aktuellen Werk „Totalschaden“ hat er sich mal mehr, mal weniger mit politischen Themen befasst. Zuletzt widmete er sich der Lust des Scheiterns. Das Schreiben mache ihm am meisten Spaß und im Kern sei er Kabarettist, betont er.

Doch da gibt es auch noch den Schauspieler, dem Jonas bislang leider nur wenig Raum gab. 1983 spielte er in dem Gerhard-Polt-Film „Kehraus“ mit und drei Jahre später in der Serie „Irgendwie und sowieso“. Regisseur Franz Xaver Bogner machte aus Jonas den Postboten und Hobbymusiker Tango, der am Ende bei einer Mutprobe sein Leben verliert. Film und Serie sind heute Kult. Dialoge wie dieser zwischen Sepp (gespielt von Elmar Wepper) und Tango können die Fans im Schlaf zitieren: „Beste Zeit? Unsere! Beste Gegend? Unsere! Bestes Auto? Caddy ’59! Beste Musik? Unsere! Bester Song? Jambalaya!“ 

„Man kann sich allen Dingen im Leben auf die traurige oder auf die humorvolle Art nähern, und ich habe festgestellt, dass letztere Variante mehr Sinn macht“, sagt Jonas. Ab September tourt er wieder mit seinem Programm „Nur mal angenommen“. Vielleicht sieht man ihn dann auch wieder in den Gassen von Regensburg. Wenn nicht ihn, dann auf jeden Fall seinen Bruder Walter.

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