mz_logo

MZ-Kantine
Sonntag, 27. Mai 2018 29° 2

Serie

Der Junge mit der Ziehharmonika

Florian Silbereisen spielte als Bub Akkordeon im Musikantenstadl. Heute ist er der große Showmaster im Schlagerbusiness.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Mit seinen Schlagerfest-Tourneen lockt Florian Silbereisen jedes Jahr zigtausende Fans. Am 24. April 2018 gastiert er wieder in Regensburg. Foto: Andreas Reiter

Passau.„Der Gottschalk des Mitklatsch-Kosmos“, so hat der „Spiegel“ den niederbayerischen Showmaster und Sänger Florian Silbereisen einmal genannt. 2008 war das. Die Volksmusik hatten damals viele als aussterbende Art abgeschrieben – und den Schlager gleich mit. Silbereisen galt den Rundfunkanstalten der ARD als letzter Heilsbringer, als Messias mit der Harmonika. Doch auch seine Feste der Volksmusik lockten zunächst lediglich das Publikum jenseits des Renteneintrittsalters vor die Fernsehgeräte. Heute ist das alles anders. Die Stimmung hat sich gedreht. Auch junge Menschen schunkeln und klatschen wieder – und finden das kein bisschen peinlich. Ja selbst die Fußballnationalmannschaft grölte nach gewonnener Weltmeisterschaft am Brandenburger Tor „Atemlos durch die Nacht“ – gemeinsam mit Silbereisens Langzeit-Lebensgefährtin Helene Fischer. Wer mag da glauben, was der Sänger und Showmaster eben erst in einem Interview verriet: Nur wenige Menschen haben auf seinen Erfolg gesetzt. „Aber zum Glück haben all diese Nörgler die Rechnung ohne die Zuschauer gemacht.“

Alleinunterhalter für die Familie

Im niederbayerischen Tiefenbach bei Passau ist Silbereisen mit zwei Geschwistern aufgewachsen. Schon im Kindergartenalter begann er mit Akkordeon-Unterricht. Für seine Familie spielte er gerne den Alleinunterhalter mit der Ziehharmonika. 1990, Florian war gerade neun Jahre alt, unterschrieb er seinen ersten Plattenvertrag. Der pausbackige Junge mit der Kniebundhose bekam seinen ersten Auftritt im „Musikantenstadl“, wo Moderator Karl Moik sogleich vor dem jungen Talent auf die Knie fiel. Vielleicht noch ein bisschen schüchtern, aber durchaus mit Showqualitäten ausgestattet, tingelte der Blondschopf von nun an durch die volkstümlichen Programme. Es war die Zeit der Kindertalente. Marijke Amado präsentierte die Mini Play Show. Die zwölfjährige Stefanie Hertel aus dem Vogtland gewann 1992 den Grand Prix der Volksmusik und der junge Trompeter Stefan Mross wurde mit 13 Jahren auf einer Hochzeit entdeckt und ebenfalls von Karl Moik gefördert.

Zwölf Jahre nach Silbereisens erstem Fernsehauftritt folgte der Sprung ins Samstagabendprogramm. Bei der ARD hatte man gerade die Quotengarantin Carmen Nebel ans ZDF verloren. Ein bisschen Peter Frankenfeld, ein bisschen Peter Alexander und ein Schuss Rudi Carrell – das war die Mischung, die für den freigewordenen Sendeplatz gesucht wurde. Ein Showmaster, der nicht nur durchs Programm führte, sondern selbst Teil der Show wurde. Keine leichte Aufgabe, noch dazu, wo ein noch so junges Talent in diese großen Schuhe schlüpfen sollte. Es sei schon eine große Herausforderung gewesen, sagt Silbereisen im Rückblick. Viele hätten nicht daran geglaubt, dass er sie meistern könnte. Aufmerksamkeit erregte er anfangs auch mehr wegen seiner Bühnenoutfits. Zur blond gefärbten langen Mähne trug er glitzernde Anzüge, später wechselte er darunter zu Schiesser-Feinripp statt glattgebügelter Hemden, und irgendwann tanzte er gar mit nacktem Oberkörper auf der Bühne, weshalb die „Bild“ titelte: „Vom Trachten-Heini zum heißen Eisen.“ Da war der Silbereisen schon das geworden, was allein Rudi Carrell in sehr frühen Jahren in ihm gesehen hatte. „Eigentlich hatte ich schon geglaubt, mein Beruf ist ausgestorben, aber der Florian macht wieder Mut“, hatte der Altmeister orakelt.

Der erste Auftritt von Helene

Heute holt der 36-Jährige in seine Show Gäste wie Nina Hagen, Hape Kerkeling oder Prinzessin Märtha Louise von Norwegen. Er brachte Gäste wie Veronika Ferres und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis zum Singen. Auch eine gewisse Helene Fischer hatte hier ihren ersten großen Auftritt, das war im Jahr 2005. Drei Jahre später wurden sie und Silbereisen ein Liebespaar. Angeblich haben sich die beiden gerade ein Haus am Starnberger See gekauft, weiß „Gala“ zu berichten. Fragen zu seiner Lebensgefährtin lässt Silbereisen in Interviews verbieten. Umso mehr schießen deshalb die Spekulationen ins Kraut. Verlobung, Hochzeit und ein paar Schwangerschaften wurden dem Paar schon angedichtet. Lästerstimmen behaupten, dass die Beziehung nichts weiter als eine PR-Maßnahme sei, um die Karrieren der beiden Schlagerstars weiter zu befeuern. Man mag es kaum glauben, aber ein Marktforschungsunternehmen hat gar eine Umfrage dazu durchgeführt. Und jeder vierte Deutsche glaubt tatsächlich an eine Fake-Liebe.

Silbereisen ist klug genug, dazu zu schweigen und sich auf das zu konzentrieren, was er am besten kann: die große Show. Deshalb hat ihn wohl auch die Regensburger Fürstin so sehr ins Herz geschlossen, dass sie Silbereisens Schlagergruppe „Klubbb 3“ erlaubte, das Video zur Single „Märchenprinzen“ im Schloss St. Emmeram zu drehen – und adelte das Werk obendrein mit ihrem Gesang.

Wer heute zu den Großen zählen will im deutschen Schlager, der muss zu Silbereisen in die Show, schrieb „Die Welt“. Der Bub mit der Quetschn hat seine Mission erfüllt.

Lesen Sie hier weitere Porträts über bayerische Künstler in unserer MZ-Kulturkantine.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht