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Kultur

Fade Ferien weckten Fantasie

Franziska Wanninger wuchs auf einem einsamen Hof in Simbach auf. Nun erobert sie als Kabarettistin die Bühnen.
Von Alois C. Braun

Derzeit steht die Kabarettistin Franziska Wanninger mit ihrem neuen Programm „furchtlos glücklich“ auf der Bühne. Foto: Armin Weigel/dpa
Derzeit steht die Kabarettistin Franziska Wanninger mit ihrem neuen Programm „furchtlos glücklich“ auf der Bühne. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Mit ihrem Programm „furchtlos glücklich“ füllt sie aktuell die Kabarettbühnen. Die Rede ist von Franziska Wanninger. Ihre ureigene Art, mit Komik und Humor tragische Gestalten darzustellen, findet immer mehr Fans. Sie schöpft bei ihren Programmen aber auch aus einem reichen Fundus an Lebenserfahrung.

Geboren wurde die Kabarettistin 1982 in Simbach und wuchs mit zwei älteren Geschwistern im Landkreis Altötting auf. „Wir lebten auf einem relativ einsamen Hof mit vielen Obstbäumen“, blickt sie zurück. „Bis zum nächsten Anwesen waren es gut und gerne 600 bis 700 Meter.“ Noch weiter war die Strecke bis ins Dorf. „Einfach mal so zum Bäcker gehen oder Milch holen, das ging nicht. Man brauchte dafür ein Auto“, sagt sie.

Dauerlangeweile auf dem Hof

In dieser Abgeschiedenheit liegen aber wohl zumindest zum Teil die Wurzeln ihrer Kreativität. Sie lacht: „Es war dauerlangweilig da oben auf dem Hof, die Freundinnen waren weit weg. Und genau das hat wahrscheinlich meine Fantasie angeregt. Ich habe besonders in den faden Sommerferien viel gelesen und mir dann auch eigene Geschichten zusammengesponnen.“

Studium in Regensburg

Die künstlerische Ader ist Teil ihrer Familie. „Einige meiner Vorfahren waren schon immer in dieser Richtung unterwegs“, sagt sie. Ein Bruder ihres Vaters hat in den 1970ern mit Rainer Werner Fassbinder Theater gemacht und ihr Opa väterlicherseits trat in den 1920er Jahren im Münchner Residenztheater auf. Aus einem Angebot, als Schauspieler nach Berlin zu gehen, wurde nichts.

„Er war damals noch nicht volljährig und sein Vater hat ihm den Ortswechsel nicht erlaubt. So bin ich wahrscheinlich die Erste in der Familie, die die Kunst zum Hauptberuf gemacht hat“, sagt Franziska Wanninger. Dabei sah zunächst alles nach einem bürgerlichen Berufsleben aus. Nach der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin studierte sie an der Universität in Regensburg Deutsch und Englisch für Gymnasiallehramt, machte das 1. Staatsexamen. „Es ist mir wirklich sehr schwergefallen, Regensburg nach dem Studium zu verlassen. Ich erinnere mich vor allem sehr gerne an das englische Studententheater an der Uni.“

Ein Gespür für Sprachen

Ihre Leidenschaft für das Theater ist wahrscheinlich sogar dafür verantwortlich, dass sie ihr Studium überhaupt abschloss. Sie lacht: „Ich hatte oft keinen Bock auf die Uni. Aber da ich zum Theaterspielen sowieso am Campus war, bin ich dann auch in die Vorlesung gegangen.“ Die Interessen der gebürtigen Niederbayerin mit oberbayerischen Eltern sind breitgefächert. Vor allem Kultur und Sprachen haben es ihr angetan.

Es kann schon mal passieren, dass sie wissbegierig drei Stunden vor dem Computer sitzt und sich durch alle möglichen Artikel zu einem bestimmten Thema klickt. Franziska Wanninger spricht perfekt Englisch, gut Französisch und hat gute Grundkenntnisse in Spanisch und Italienisch. „Ich glaube schon, dass ich eine gewisse Begabung und das Gespür für Sprachen habe. Dafür bin ich halt eher schlecht in naturwissenschaftlichen Fächern“, schmunzelt sie. Wer ihre Bühnen-Programme kennt, weiß, dass sie immer wieder unterschiedliche Dialekte nutzt. „Ich mag Mundart und es fällt mir relativ leicht, sie zumindest für einige Sätze zu nutzen“, sagt sie.

Franziska Wanninger tritt am 12. September um 19 Uhr in der MZ-KulturKantine auf. Foto: Armin Weigel/dpa
Franziska Wanninger tritt am 12. September um 19 Uhr in der MZ-KulturKantine auf. Foto: Armin Weigel/dpa

Über das Parlamentarische Patenschaftsprogramm kam Franziska Wanninger 2002 zu einem Stipendium in den USA. „Ich war zunächst bei einer Mormonen-Familie in Salt Lake City, da war schon sehr vieles ganz anders als bei uns“, erinnert sie sich. Nach einem halben Jahr auf dem Community College ist sie dann mit dem Auto weiter nach Washington D.C. Dort absolvierte sie ein Praktikum im amerikanischen Kongress.

2009 und 2010 war sie nochmals für eineinhalb Jahre in den USA, unterrichtete Deutsch an der Uni in Eugene/Oregon und studierte Schauspiel in Los Angeles. Über die aktuelle Lage in den USA sagt sie: „Ich denke, das was dort passiert, ist eine Auswirkung der Politik der vergangenen Jahrzehnte. Es wurde und wird an der Bildung gespart und die Leute werden bewusst dumm gehalten.“

Andererseits herrsche dort aber auch eine ganz andere Mentalität. „Wirklich alles ist auf das eigene Land fokussiert. Wenn jemand sagt ,Deutschland? Nie gehört?‘, dann stört das die meisten Leute genauso wenig, wie Präsident Trumps Wissenslücken über das Ausland. Für mich ist der amerikanische Traum die größte Lüge.“

Allein und im Duo unterwegs

Das aktuelle Programm von Franziska Wanninger heißt „furchtlos glücklich“ und sie schlüpft darin in verschiedene Charaktere. „Dabei macht es mir sehr viel Spaß, einen Mann zu spielen, in dieser Rolle habe ich ganz andere Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten.“ Die Ideen für ihre Stücke sammelt sie auf unterschiedliche Weise. „Auslöser kann ein aufgeschnappter Satz sein oder eine krasse Person, die ich kennenlerne“, erklärt sie. „Ich spinne dann rum und überlege, was diese Person wohl in der ein oder anderen Situation sagen würde.“

Die MZ-KulturKantine

  • Verlosung:

    Franziska Wanninger tritt am 12. September um 19 Uhr im Verlagsgebäude des Mittelbayerischen Medienhauses auf. Wer die Kabarettistin live erleben möchte, registriert sich bis 12. August unter www.mittelbayerische.de/gewinnspiel/kulturkantine oder ruft am Donnerstag 8. August, unter 0 13 79-88 58 17 (0,50 Euro/Festnetzanruf; Mobilfunk ggf. abweichend) an. 35 Teilnehmer (plus Begleitperson) werden ausgelost.

  • Aktion:

    Die MZ-Kantine ist ein Dankeschön an treue Leser, die im Besitz einer MZ-Clubcard sind.

Die Kabarettistin ist nicht nur solo unterwegs, sondern auch im Duo mit Martin Frank und dem Programm „Wia d’Semmel so da Knödel“. „Wir haben das Programm gemeinsam erarbeitet. Das war interessant, denn wir hatten vorher nur für uns selbst geschrieben“, erzählt sie.

„Es ist schon eine Herausforderung, auf der Bühne nicht nur für sich alleine, sondern mit jemanden zusammen zu agieren. Deshalb bin ich froh, dass Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer die Regie geführt haben.“ Die beiden hat Franziska Wanninger schon als Kind gerne gesehen.

Ihre positive Lebenseinstellung hört man im Gespräch immer wieder heraus. Aber was wäre, wenn es mit der Karriere einmal nicht mehr läuft? Sieht sie Studium und Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin als eine Art berufliches Backup? „Diese Abschlüsse geben mir hauptsächlich ein gutes Gefühl. Aber ich denke, das ist letztendlich abgehakt“, sagt Franziska Wanninger überzeugt. „Und auch wenn als Künstlerin einmal nichts mehr gehen sollte, dann werde ich irgendwie durchkommen. Da fällt mir dann schon etwas ein."

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