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Fränkischer Humor im Zebrakleid

Schon als Schüler standen Volker Heißmann und Martin Rassau auf der Bühne. Heute unterhalten sie ein Millionenpublikum.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Die Paraderolle „Waltraut und Mariechen“ brachte den kommerziellen Durchbruch für Martin Rassau (l.) und Volker Heißmann. Foto: David Ebener/dpa
Die Paraderolle „Waltraut und Mariechen“ brachte den kommerziellen Durchbruch für Martin Rassau (l.) und Volker Heißmann. Foto: David Ebener/dpa

Fürth.Die riesigen Stoffblüten an den Ohren sind geschmacklos. Der geblümte Hut mit dem passenden Kleid – einfach nur hässlich. Und dann noch gepunktete Strümpfe und Hausschlappen – das kann eigentlich nur das Mariechen sein, weil Waltraut trägt ja immer Zebra – an Kopf und Körper. Männer in Frauenkleidern – dieser Gag funktioniert. Immer. Charlys Tante, ein Käfig voller Narren – das Publikum mag die vertauschten Rollen. Auch die beiden Fürther Komiker Volker Heißmann (Mariechen) und Martin Rassau (Waltraut) wurden in Frauenklamotten einem Millionenpublikum bekannt. Seit 1997 verkörpern sie die Figuren der Ratschkathln im Rentenalter. Was auf der Bühne wie eine spontane Blödelei wirkt, haben sich die beiden Künstler zielstrebig über Jahrzehnte hinweg erarbeitet. In einem Interview mit der Sächsischen Zeitung sagte Heißmann einmal: „Leichte Unterhaltungskost ist Schwerstarbeit.“

„Verfeindete“ Theatergruppen

Der berufliche Weg der Franken war schon in Kindertagen vorgezeichnet. Beide engagierten sich im Schülertheater, noch dazu auf der gleichen Schule. Doch zunächst rivalisierten Heißmann und der zwei Jahre ältere Rassau. „Wir waren verfeindet, denn er hatte eine eigene Gruppe, ein Amateurtheater, und ich ebenso. Wir haben uns gegenseitig nachts die Ankündigungsplakate in der Stadt heruntergerissen“, erzählte Heißmann in einem Interview mit dem Fernsehsender BR Alpha. Auf Geheiß der Eltern erlernten sie zunächst einen Beruf – Rassau wurde Pharmaziekaufmann, Heißmann absolvierte eine Lehre zum Hotelfachmann und kam in dieser Zeit Showgrößen wie Harald Juhnke ganz nah. Den durfte er nachts zu seinem Zimmer führen. Denn nach ein paar Drinks an der Bar fand der Entertainer den Weg nicht mehr, erinnerte sich Heißmann in dem BR-Alpha-Gespräch.

Wie Juhnke wollte der heute 49-jährige Heißmann auch damals schon auf die große Bühne. 1991, da war er gerade mal Anfang 20, kam die Chance. Rassau hatte erfahren, dass im sogenannten Mautkeller in Nürnberg Nebenräume für Theatervorstellungen zu vermieten wären. Da erinnerte er sich an Heißmann. Er rief ihn an und fragte, ob sie gemeinsam Theater machen wollten. Heißmann wollte und so gründeten sie die Kleine Comödie. Jeder nahm 5000 Mark von seinem Sparbuch und damit kauften sie die Theaterausstattung. Einen schwarzen Vorhang mit Bleiband und zwei 500 Watt Baustrahler aus dem Baumarkt als Beleuchtung. „Und dann spielten wir Premiere. Am Anfang kamen 20, 30, manchmal sogar 40 Leute, das Wenigste waren einmal sieben Leute“, erinnerte sich Heißmann bei BR Alpha. „Wir hatten den lustigsten Abend, den wir jemals im Mautkeller hatten. Seitdem habe ich keine Angst mehr, auch vor wenig Publikum zu spielen.“

Das Kabarettisten-Duo Volker Heißmann (l) und Martin Rassau liebt die Verwandlung. Foto: David Ebener/dpa
Das Kabarettisten-Duo Volker Heißmann (l) und Martin Rassau liebt die Verwandlung. Foto: David Ebener/dpa

Nach zweieinhalb Jahren zogen sie um in ein Theater am Nürnberger Stadtpark, dort gab es dann schon Samt und Plüsch und einen Sternenhimmel aus 4500 Lichtern. Als die ersten Erfolge im Fernsehen folgten und ein immer größeres Publikum auf die beiden Komödianten aus Fürth aufmerksam wurden, wagten sie gemeinsam mit zwei Freunden eine Millioneninvestition. Sie sanierten das Berolzheimerianum aus eigener Tasche und machten daraus die „Comödie Fürth“. Dort stehen sie nun seit fast 20 Jahren nahezu jeden Abend auf der Bühne. Auch an jenem Abend, als der Vater von Volker Heißmann einen tödlichen Herzinfarkt erlitt, spielte der Sohn. „Ich habe gespürt, dass er von oben zuschaut“, sagte er in einem Porträt für die Reihe „Lebenslinien“. Ansonsten sprechen die Künstler in der Öffentlichkeit sehr wenig über ihr Privatleben. Heißmann, der sich im Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinde St. Paul in Fürth engagiert, ist Single. Die Familiengründung habe er auf später verschoben, sagt er. Der 51-jährige Rassau hat einen Lebenspartner an seiner Seite.

Erfolg aus eigener Kraft

Stolz sind die beiden Künstler, die aus Handwerkerfamilien stammen, dass sie sich ihren Erfolg ganz alleine erarbeitet haben. „Unser Theater wird nicht vom Steuerzahler subventioniert“, betonte Rassau. Die Comödie sei das erfolgreichste Privattheater Süddeutschlands mit über 120 000 Besuchern pro Jahr. Heißmann verriet in den „Lebenslinien“, dass auch die Gagen aus den Fernsehauftritten in das Theater fließen, um daraus die Gehälter der rund 40 Mitarbeiter zu bezahlen. Die Künstler selbst sehen sich als Teil des Ganzen und beziehen deshalb ebenfalls ein Gehalt.

Inzwischen sind aus den Komödianten längst Entertainer geworden. Sie moderieren, singen, schauspielern. Heißmann kann auch große Show, wie einst Peter Alexander. Im November sind die Komiker mit ihrem Programm „Wenn der Vorhang zweimal fällt“ auf Tour und schlüpfen dabei wieder in die unterschiedlichsten Rollen, in denen sie oft Alltagssituationen parodieren. Am 9. November machen sie Station in Amberg, am 19. November in Cham. Auf der Bühne sind die Aufgaben der Künstler angesichts der 30-jährigen Zusammenarbeit längst klar geregelt. Es gibt einen Gescheiten und einen Dummen. Und weil Volker Heißmann die besseren Grimassen schneiden kann, darf er den Dummen spielen. Auf der Bühne zu stehen sei ein Gottesgeschenk, sagt er. „Entweder man hat Talent oder hat es nicht.“

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