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MZ-Kantine
Sonntag, 27. Mai 2018 29° 2

MZ-Serie

Inspiration sitzt in der S-Bahn

Der bayerische Songwriter Michael Dietmayr findet seine Ideen im Alltag. Mit etwas Übertreibung entsteht sein typischer Stil.
Von Alois C. Braun

Seit zehn Jahren lebt Michael Dietmayr mit seiner Familie in Feldmoching. Er genießt das Landleben, aber auch die Nähe zu München. Foto: Archiv

Feldmoching.Michael Dietmayr begeistert sein immer noch wachsendes Publikum mit urbayerischer Kraft in seinen Liedern und Texten. Dabei überzeugt er solo auf Kleinkunstbühnen, im Fernsehen bei NightWash und Ottis Schlachthof und auch als Teil des Trios „3 Männer nur mit Gitarre“.

„Ohne meine drei Mädels zuhause, würde mein Bühnenprogramm sicher ganz anders ausschauen“, sagt Dietmayr. „Vor allem meine beiden Töchter, 10 und 14 Jahre alt, sind ein Quell der Inspiration.“ Dass der weltoffene 42-Jährige von der Jugendsprache beeinflusst ist, zeigt sich nicht nur in den Texten über Jugendthemen. Dabei findet er es nicht immer gut, in welche Richtung sich Sprache verändert. Und nicht nur die. „Früher lachte ich darüber, wenn meine Eltern meinten, ich solle warten, bis ich älter bin, dann würde ich vieles anders sehen. Heute weiß ich, dass sie Recht hatten!“

Geboren wurde der Sänger in München, aufgewachsen ist er in Oberschleißheim. Von Erfolgen geprägt war Dietmayrs Schulzeit, wenn auch auf Umwegen. „Zunächst habe ich aber lediglich alle Schulen erfolgreich abgebrochen, aber dann halt genauso erfolgreich nachgeholt.“ Vom Gymnasium ging es zunächst in die Realschule. „Abgeschlossen habe ich aber nur den Quali.“ Die Ausbildung zum Automechaniker war nicht sein Ding, trotzdem beendete er die Lehre erfolgreich und begann den Wiederaufstieg: „Ich holte alle Schulen Schritt für Schritt nach – bis zum Diplom“, erzählt er. Danach arbeitete er als Sozialpädagoge beim Kreisjugendring München-Land.

Seinen Hang zur Kunst und Kreativität entdeckte er schon früh, sang als kleines Kind immer und überall. Auch im Familienurlaub, wo er am Strand mit einem Kescher in der Hand die Gitarre imitierte. „Ich habe mit etwa neun Jahren angefangen, Lieder zu schreiben. Damals waren es halt noch Kindertexte.“

Mädels am Lagerfeuer gewinnen

Gitarre lernte er auch schnell, denn er wusste, wie man die Damenwelt beeindruckt. „Ich spielte viel am Lagerfeuer, auch Coversongs, damit die Mädels sich hersetzen“, sagt er schmunzelnd. Doch nicht nur die weiblichen Zuhörer waren beeindruckt. „Ich habe natürlich gemerkt, dass die Leute zuhören und es ihnen gefällt. Meine Selbsteinschätzung wäre realistisch genug gewesen, um zu merken, wenn es keinen interessiert.“

1992 gab er sein erstes Solokonzert. Zuvor waren nur seine Kumpels Zuhörer bei seinen eigenen Songs gewesen. Dabei schreibt der Urbayer nicht nur im Dialekt. „Es ist entscheidend, welche Idee ich im Kopf hab. Ich spreche gerne bayerisch, aber ich mache nicht krampfhaft Texte in Mundart.“

Die Inspiration für seine tiefgründigen Lieder findet er überall. „Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und schreibe am liebsten vom alltäglichen Leben.“ Vor allem in der S-Bahn findet er viele Themen, dort kann er das Verhalten der Menschen genau beobachten und Körpersprache, Gesichtsausdrücke, Emotionen studieren. „In jeder S-Bahn sitzen 300 Lieder“, sagt Dietmayr. Für seine Texte nutzt er oft das Stilmittel Übertreibung, um das Kernthema anschaulicher zu machen. Deutlich wird das zum Beispiel beim „Liebeslied in Ost-Dur“. „Ich wurde damals von einer hübschen Frau auf sächsisch angesprochen und hab das für das Lied aufgebauscht. So wurde die Geschichte prägnanter und eindrucksvoller.“

Auch als Schauspieler ist Dietmayr zu sehen. Nach seinen Angaben war er in 20 Serien zu sehen. „Aber die Angebote müssen schon passen, ich will mich nicht irgendwann für das Niveau der Filme schämen. Außerdem bin ich mit der Musik viel unterwegs und zeitlich nicht immer verfügbar.“

Großes Ziel längst übertroffen

Seit zehn Jahren wohnt er mit seiner Familie in Feldmoching. „Ich brauche das Land und die Einsamkeit, aber auch das Partymachen in der Stadt. Beides ist von hier schnell zu erreichen“, erzählt er. Zur Entspannung macht er Spaziergänge und Radtouren, im Winter fährt er gerne und viel Ski. „Aber ich bin kein exzessiver Sportler“, sagt der selbsterklärte „E-Zigaretten-Dampfer“. Einen hohen Stellwert hat der jährliche Urlaub. Fünf Wochen Griechenland mit dem VW-Bus sind Pflicht: „Das ist wichtig zum Entspannen.“ Aber auch das Familienleben hilft. „Die beiden Mädels sind sehr actionreich, das bringt mich schnell auf andere Gedanken. Außerdem ist es so, dass ich zum Runterkommen auch mal gar nichts mache.“

In die Zukunft blickt Michael Dietmayr ohne Erwartungen. „Ich lasse mich davon überraschen.“ Das einstige Ziel, eine einzige CD aufzunehmen, ist längst übertroffen. „Inzwischen sind es 13 oder 14 Alben geworden. Deshalb bin ich dankbar für das, was ich schon geschafft habe.“ Auch sei er nicht enttäuscht, wenn manches nicht perfekt läuft. „Ich habe immer noch die gleiche Freude an der Musik, wie vor 25 Jahren und darf den Traum eines Musikers leben.“ Das sagt er mit der gleichen Überzeugung, wie er seinen Dank an sein Publikum ausspricht. „Sie erst machen mein Leben mit ihrem Interesse an meiner Musik möglich.“ Am 16. März ist Michael Dietmayr mit seinem Solo-Programm im VAZ in Burglengenfeld zu erleben.

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