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MZ-Kantine
Montag, 23. April 2018 27° 2

Auftritt

Märchenstunde in der Kantine

Die Schauspieler Stefan Murr und Heinz Josef Braun begeistern die kleinen Zuschauer mit dem bayerischen Schneewittchen.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Geben alles auf der Bühne: Die Schauspieler Stefan Murr (l.) und Heinz Josef Braun erwecken Märchenfiguren zum Leben.Fotos: Stöcker-Gietl

Regensburg.Aus dem Konferenzraum dringt schallend das Küchen-ABC. A wie Apfel, B wie Bratwurst, C wie Cordon Bleu. Dort sitzen Polizisten, Cowboys, Prinzessinen und ein Schneewittchen in Begleitung eines roten Apfels. Zum ersten Mal hat die MZ-Kulturkantine Kinder ins Verlagsgebäude eingeladen. Die beiden Schauspieler Stefan Murr und Heinz Josef Braun erzählen das Märchen Schneewittchen auf Bayerisch – und die Kinder sind ebenso begeistert wie ihre erwachsenen Begleiter. „Ich hätte nicht gedacht, dass es auch für uns Große so unterhaltsam wird“, sagt eine Besucherin.

Weißwurst-WM in Regensburg

Es ist der erste Auftritt der beiden kreativen Märchenerzähler in Regensburg. Bislang hatten sie die Stadt nur in ihrer Geschichte vom Schneewittchen verewigt. Dort nimmt nämlich König fescher Max I. an der Weißwurstwettessen-Weltmeisterschaft teil. Ausgerechnet in Regensburg, wo man ja eigentlich die Bratwürstl aus der Historischen Wurstkuchl isst oder die Knacker mit allem. Aber doch keine Weißwürscht! Aber es sind genau diese vielen kleinen Gags, die lustigen Erzählstränge und insbesondere die bis ins kleinste Detail herausgearbeiteten Figuren, die die Erzählungen von Murr und Braun so besonders machen. Das zeigt sich auch in der MZ-Kantine. Als die beiden Paparazzi-Ratten das angeschossene Schneewittchen finden, muss ein Junge so lauthals lachen, dass auch Stefan Murr kurz unterbrechen muss. Und die Paparazzi-Ratzen passen ja sowieso sehr gut in ein Medienhaus, witzelt der 41-Jährige.

Ein paar Zuschauer zeigten sich textsicher bei den Liedern.

Murr war es, dem die Idee kam, Märchen auf Bayerisch zu erzählen. Als sein zehnjähriger Sohn Jonathan noch klein war, fand er die historischen Geschichten viel zu martialisch erzählt. Er wollte, dass Märchen lustig sind und den Kindern auf keinen Fall den Schlaf rauben. In Heinz Josef Braun fand er einen ebenso kreativen wie auch noch musikalischen Mitstreiter. Die beiden Oberbayern verlegten die Märchen in heimatliche Gefilde an die Isar, machten die Hauptfiguren zu unverwechselbaren Charakteren, die mal Platt schnacken oder schwäbeln und gaben ihnen neue Begleiter an die Seite – eben jene Ratten, die in verschiedenen Märchen, mal als Paparattis und mal als Showratzen auftauchen. So nahmen sie den Märchen den Schrecken und bringen stattdessen ihr Publikum zum Lachen und Singen.

Apropos Singen: Als Opernzwerg schmettert Heinz Josef Braun am Freitagnachmittag in der Kulturkantine Arien, als stünde er gerade auf der großen Bühne im Stadttheater. „Blas mir an Schuah auf, i leg mi etz hi.“ Der Opernzwerg, der hat es dem Publikum sichtlich angetan, immer wieder gibt es Zwischenapplaus. Von ganz ungefähr kommt Brauns Talent übrigens nicht. Bevor er sich endgültig der Schauspielerei widmete, war er viele Jahre als Bassist mit der Band Haindling auf den Bühnen unterwegs. Auch mit seiner Frau Johanna Bittenbinder hat er ein gemeinsames Musikprojekt, das sich „Um a Fünferl a Durchanand“ nennt.

Stefan Murr ist das Stimmentalent. Vom MC Ghetto Zwerg, der rappend den Zwergenhaushalt aufmischt, fällt er sogleich in den Dialekt des schmutzempfindlichen Schwaben-Zwergs. Er verleiht Königin Jütte-Merle ihren norddeutschen Slang und dem Spiegel britisches Understatement. Es ist allerhöchste Schauspielkunst, bei den schnellen Wechseln zwischen den Figuren nicht ins Stottern zu geraten!

Der König ohne Socken

Ja, auch bei Murr und Braun gibt es im Märchen den vergifteten Apfel, einen ehrlichen Spiegel und den Jäger namens Ballermann. Der hat kein Mitleid mit dem Schneewittchen und will es wirklich tot schießen. Zuvor musste natürlich noch Schneewittchens Mutter verschwinden – sie wird kurzerhand in eine Trauerweide verhext, damit die böse Hexi ihr Spiel treiben kann. König fescher Max I. hatte Hexi allerdings nur deshalb geheiratet, weil er nach sieben Jahren, in denen er seine Königin gesucht hatte, keine Socken ohne Löcher mehr besaß. Es musste also eine neue Frau her. Und diese Hexi ist wirklich zum Fürchten. „Da singt’s ihr etz alle ein ganz greisliches ‚huhu’“, fordert Braun das Publikum auf.

Zum ersten Mal waren auch Kinder in die MZ-Kulturkantine geladen.

Am Ende wird natürlich alles gut. Der Xaver aus der Küche, der Schneewittchen sein Schwammerlkochbuch mit in den Wald gegeben hatte, rettet sie damit vor dem tödlichen Schluss und seine Tränen erwecken sie nach der Giftattacke. Was dann noch kommt? Natürlich eine Hochzeit. Und die böse Hexi muss für den Rest ihres Lebens in der Kitzelmaschine bleiben und sich totlachen. Und weil es gar so schön war, singen die Kinder mit den beiden Künstlern am Ende noch einmal das Küchen-ABC. A wie Apfel...

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