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Schauer: Vom Bösewicht zum Serienstar

Der Schauspieler hatte seinen Durchbruch erst mit Mitte 40. Heute kennt ihn als Alfons Sonnbichler ein Millionenpublikum.
Von Antonia Küpferling

Sepp Schauer ist mit seiner Rolle, dem Hotelportier Alfons Sonnbichler, das Gesicht der Telenovela „Sturm der Liebe“. Foto: Sven Hoppe/dpa
Sepp Schauer ist mit seiner Rolle, dem Hotelportier Alfons Sonnbichler, das Gesicht der Telenovela „Sturm der Liebe“. Foto: Sven Hoppe/dpa

München.Um Punkt 15.10 Uhr ist Sepp Schauer jeden Tag in Millionen deutschen Wohnzimmern zu Gast. Er trägt ein faltenfreies, schwarzes Sakko mit glänzenden Ansteckern am Kragen und hat sein charmantes Lächeln auf den Lippen, wenn er in der Telenovela „Sturm der Liebe“ den Hotelportier Alfons Sonnbichler verkörpert.

Seit 13 Jahren schlüpft Schauer in diese Rolle. Er steht seit Folge eins an der Rezeption des Hotels Fürstenhof, immer korrekt, immer charmant, immer höflich-distanziert. „Am Anfang fand ich Alfons recht verklemmt“, erinnert sich Schauer. Wie Alfons werden wollte er nicht, sondern lieber ein bisschen von sich selbst in die Rolle legen. Mit Erfolg: „Alfons hat nicht auf mich abgefärbt, aber es ist viel Sepp Schauer in Alfons. Er sieht die Dinge heute geschmeidiger und flachst auch mal, wenn man ihn in privaten Szenen mit seiner Frau Hildegard sieht.“

100 Folgen geplant

Mit einem herzlichen Lachen bezeichnet sich Schauer heute als „Godfather of Fürstenhof“. Wohl zurecht. Er wurde von den Serien-Fans mehrfach zum beliebtesten Darsteller gekürt, wer die Serie kennt, der kennt auch ihn.

Diese Entwicklung war zum Start der Telenovela im Jahr 20005 kaum absehbar. Schauer bekam einen Vertrag über 100 Folgen, die Dreharbeiten begannen am 1. August, die erste Folge wurde am 26. September ausgestrahlt. Schauer war an der Rezeption des Fürstenhofs zu sehen, mehr war für seine Rolle nicht vorgesehen. Mehr erwartete er auch nicht, nachdem er Jahre zuvor schon gedacht hatte, er sei zu alt, um noch mal eine Serienrolle zu bekommen. Schon im Oktober wurde sein Vertrag verlängert und von da an immer wieder. Die Serie war beliebt, Alfons Sonnbichler und seine Serien-Ehefrau Hildegard waren beliebt, aus Nebenrollen wurden Figuren, die die Handlung mitbestimmen.

„Du glaubst am Anfang, du machst ein-, zweihundert Folgen und dann machst du wieder was anderes.“

Sepp Schauer über seine Rolle als Alfons Sonnbichler

„Du glaubst am Anfang, du machst ein-, zweihundert Folgen und dann machst du wieder was anderes. Dann wird es mehr und du merkst, dass du entscheiden musst, wie es weitergeht. Nach 1000 Folgen kann man nicht mehr so leicht aussteigen.“ Schauer entschied sich für den Vollzeit-Job. Fünf Tage verbringt er in einer normalen Woche am Set, inzwischen wurden über 3000 Folgen ausgestrahlt und die Serie wurde in 20 Länder verkauft.

Schauer fährt noch immer gern in die Bavaria Filmstudios. „Sie sind für mich eine zweite Heimat geworden.“ Von der er noch lange nicht genug hat: „Viele Leute glauben, dass es langweilig wird, wenn man die ganze Zeit die gleiche Rolle spielt. Dabei ‚spiele‘ ich schon seit 69 Jahren Sepp Schauer und mir ist immer noch nicht langweilig geworden.“

Früher spielte Sepp Schauer (r.) mit Schnauzer - so wie hier im Film „Solange es die Liebe gibt“ aus dem Jahr 1996. Foto: SAT.1/Hauri
Früher spielte Sepp Schauer (r.) mit Schnauzer - so wie hier im Film „Solange es die Liebe gibt“ aus dem Jahr 1996. Foto: SAT.1/Hauri

Bis zu diesem Erfolg war es ein weiter Weg. Schauer wuchs in einer Familie auf, in der außer dem Großvater, „ein toller Zeichner“, niemand etwas mit der Kunst zu tun hatte. Er sollte Kaufmann werden, absolvierte die Ausbildung und eröffnete danach mit seinem Vater ein Lokal. Als Schauer Anfang 30 war, holte ihn Regisseur Georg Maier 1981 zum Theater auf die Iberlbühne in München. Daneben kam er zufällig an eine kleine Rolle in der Kultserie „Monaco Franze“. Weitere Rollen folgten, der Durchbruch gelang ihm 1993 mit der Rolle des Dr. Günther Hofer in der Bergwacht-Serie „Wildbach“, da war Schauer Mitte 40.

„Ich hatte einen Schnurrbart und einen Ohrring. Ein Regisseur hat da mal zu mir gesagt: ‚Wenn man so aussieht, ist man entweder der Kommissar oder der Verbrecher.‘“

Sepp Schauer über seine früheren Rollen

Schauer behielt in all der Zeit das Lokal als zweites Standbein. „Ich habe teilweise sehr viel gearbeitet, tagsüber gedreht, nachts war ich im Lokal.“ Hinter dem Tresen war er freundlich, vor der Kamera der Böse. „Ich hatte einen Schnurrbart und einen Ohrring. Ein Regisseur hat da mal zu mir gesagt: ‚Wenn man so aussieht, ist man entweder der Kommissar oder der Verbrecher.‘“ Schauer war der Verbrecher.

Soloprogramm „Sturmwarnung“

Für weitere Rollen neben der des Alfons Sonnbichler hat Schauer mittlerweile nur noch selten Zeit. Wenn er nicht vor der Kamera steht, ist er aber noch immer gern auf Bühnen unterwegs. Mit seiner Frau Corinna Binzer und dem Kollegen Johann Schuler bringt er immer mal wieder die Einakter „Da Heiratsantrag“ und „Da Saubär“ von Anton Tschechow in einer bayerischen Version auf die Bühne. Seit 15 Jahren machen die drei das schon und sind ein eingespieltes Team. „Wir müssen nicht viel proben, weil jeder weiß, was passiert und was kommt.“

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Außerdem präsentiert Schauer seit 2002 sein Bühnenprogramm „Sturmwarnung“. Er erzählt dabei alltagsnahe Geschichten aus dem Leben des fiktiven pensionierten Münchner Straßenbahnfahrers Sepp Sturm und dessen Frau Anni. Musikalisch wird er von Kollege Heinz-Josef Braun begleitet.

Sepp Schauer und seine Frau Corinna Binzer bei der Premiere seines Soloprogramms „Sturmwarnung - die Achte“. Foto: Frank Föhlinger
Sepp Schauer und seine Frau Corinna Binzer bei der Premiere seines Soloprogramms „Sturmwarnung - die Achte“. Foto: Frank Föhlinger

Im aktuellen Programm geht es um die Tücken des digitalen Alltags mit Alexa und Co. und um das Beziehungsverhältnis zwischen Mann und Frau in der Vorweihnachtszeit. Verfasst werden die Geschichten von Schauers Frau Corinna Binzer. „Sie sagt, dass es ihr leicht fällt, für mich zu schreiben. Denn sie stellt sich schon beim Schreiben genau vor, wie ich die Geschichten auf der Bühne präsentieren werde.“

Schauer wird im Sommer 70, aufhören will er noch lange nicht. Als Schauspieler denke man nicht mit 65: Jetzt höre ich auf. „Da arbeitest du, solange du dir den Text merken kannst und du halbwegs beweglich bist.“ Der Beruf ist für Schauer zur Berufung geworden: „Auf der Bühne zu stehen und den Leuten eine Freude zu machen, das beflügelt mich sehr!“

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