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Natur

Waldbauern suchen den „richtigen Wald“

Wie sieht der Wald der Zukunft aus? Gehört sie der Buche? Um diese und andere Fragen ging es bei einer Waldbauern-Infofahrt.
Von Petra Schoplocher

Den Wald vor lauter Bäumen sehr wohl gesehen haben die 31 Teilnehmer, die sich mit der Arbeitsgemeinschaft der WBV im Landkreis auf Exkursion nach Mecklenburg begeben haben. Dafür, dass sie den Wald sahen und viel erfuhren, sorgten Führer wie Mathias Regenstein (links). Fotos: Schoplocher
Den Wald vor lauter Bäumen sehr wohl gesehen haben die 31 Teilnehmer, die sich mit der Arbeitsgemeinschaft der WBV im Landkreis auf Exkursion nach Mecklenburg begeben haben. Dafür, dass sie den Wald sahen und viel erfuhren, sorgten Führer wie Mathias Regenstein (links). Fotos: Schoplocher

Waldmünchen. Landkreis/Güstrow. Wenn sich 31 Männer und Frauen für drei Tage ins ferne Mecklenburg aufmachen, muss sie schon etwas Besonderes antreiben. Für diejenigen Waldbesitzer und Funktionäre, die das geballte Informationsprogramm rund um Güstrow in Anspruch nahmen, war das nichts Geringeres, als „den Wald der Zukunft“ zu suchen.

Hightech: Im Marchower Sägewerk Pollmeier, Marktführer in Deutschland in der Buchenholzfertigung, bekamen die Bayern einen beeindruckenden Einblick in die Herstellung. Und sie staunten, dass selbst aus Baumstämmen wie diesem hochwertige Produkte entstehen können.
Hightech: Im Marchower Sägewerk Pollmeier, Marktführer in Deutschland in der Buchenholzfertigung, bekamen die Bayern einen beeindruckenden Einblick in die Herstellung. Und sie staunten, dass selbst aus Baumstämmen wie diesem hochwertige Produkte entstehen können.

Und in diesem könnte im Landkreis Cham – vor dem Hintergrund des Klimawandels – gerade auch die Buche stehen. Deswegen war das nordöstlichste Bundesland für die Arbeitsgemeinschaft der Waldbauernvereinigungen (WBV) im Landkreis der ideale „Forschungsort“. Dort gibt es nicht nur jahrzehntelange Erfahrung in der Buchenbewirtschaftung, sondern auch das drittgrößte Laubsägewerk Europas, das ausschließlich Buche verarbeitet.

Vorwiegend aber stand „Waldbilder schauen“ auf der Agenda der Gruppe um Arge-Vorsitzenden Wolfgang Koller. Zunächst bei Forstamtsleiter Mathias Regenstein, der Waldgebiete mit Naturverjüngung zeigte oder aufgeforstete Flächen mit 8000 Jungbäumen. Die verschiedenen Konzepte im Wald umgesetzt zu erleben und zu erfahren beeindruckte. Wie viele der Zusatzinfos, mit denen Regenstein die Gäste versorgte. So erfuhren diese, dass in „Meck-Pomm“ alle 23 deutschen Wirtschaftsbaumarten vertreten sind.

Ähnliche Philosophien

Naturschutz: Mit Ralf Neuß ging es in ein rund 30 Hektar großes, dreifach geschütztes Gebiet. Der Leiter des Forstamtes Güstrow beschrieb die spannende Herausforderung, dies zu bewirtschaften. „Es wird auf alle Fälle nicht langweilig“, meinte er schmunzelnd.
Naturschutz: Mit Ralf Neuß ging es in ein rund 30 Hektar großes, dreifach geschütztes Gebiet. Der Leiter des Forstamtes Güstrow beschrieb die spannende Herausforderung, dies zu bewirtschaften. „Es wird auf alle Fälle nicht langweilig“, meinte er schmunzelnd.

Und dass auch sie experimentieren mit Baumarten – wie der Hemlocktanne. „Vermutlich mit den gleichen Glaubenskämpfen wie bei Euch.“ Auch die Philosophie, mit einer möglichst breiten Auswahl an Bäumen das Risiko zu minimieren und Mono- zu Multikulturen umzubauen, dürfte dem ein oder anderen Landkreiswaldbesitzer bekannt vorgekommen sein. Das Wild „gestalte die Wälder intensiv mit“, formulierte er seinen Hinweis auf die Bedeutung der Jagd, was nicht bedeute, dass er die Tiere aus dem Wald haben wolle. Auch, was „sein“ Revier mit Langnese zu tun hat, verriet er: Der Stiel für das gleichnamige Eis nämlich stammt aus den Wäldern um Schlemmin, die zudem die größte Buchenernte in Mecklenburg stellen würden. Diese werde – auch dank dem „Geldbringer“ Eiche – mit einer „schönen schwarzen Null“ betrieben.“

Waldbilder ganz anderer Art konnten die Gäste im Naturschutzgebiet Upahl-Lenzener-See bestaunen. In diesem leben Seeadler und Kraniche, bei der eingeschränkten Bewirtschaftung seien weit mehr Zwänge einzuhalten, erläuterte Ralf Neuß, Leiter des Forstamtes Güstrow.

Z-Baum: Z wie Zukunft. Forstamtsleiter Mathias Regenstein zeigte ein Areal mit „freigestellten“ Z-Bäumen – das Waldbild ist ein völlig anderes. Das Konzept: Die Gesamtzuwachsleistung der Bäume auf wenige konzentrieren. Zwischen ihnen sind zwischen acht und zwölf Meter Abstand.
Z-Baum: Z wie Zukunft. Forstamtsleiter Mathias Regenstein zeigte ein Areal mit „freigestellten“ Z-Bäumen – das Waldbild ist ein völlig anderes. Das Konzept: Die Gesamtzuwachsleistung der Bäume auf wenige konzentrieren. Zwischen ihnen sind zwischen acht und zwölf Meter Abstand.

„Wir versuchen eine Gebietsentwicklung, mit der beide Seiten leben können“, nannte er als Vorgabe. Ein „Green washing“-Projekt stieß auf großes Interesse. Dies sind Vorhaben – im konkreten Fall die Wasserzufuhr an ein Moor – , die große Unternehmen bezahlen würden, um sich ein grünes Image zuzulegen oder negative Seiten auszugleichen.

Seine Erläuterungen und die seines Revierleiters Frank Keil zum Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen des Naturschutzes und denen der Bewirtschaftung zog unter den Arge-Mitfahrern reges Debattieren nach sich. Ein laut Koller durchaus gewünschter Effekt. Schließlich sei gerade auch der Austausch untereinander ein Hauptziel des jährlichen Ausflugs. Für diesen hatten sich schon auf der Fahrt Themen ergeben: vom Borkenkäfer befallene Fichten oder Brandschäden in den brandenburgischen Wäldern am Straßenrand.

Staunen am Förderband

Mächtig: Vier gestandene Männer waren nötig, um diese 200 Jahre alte Buche zu umarmen. Momente wie diese nahmen die 31 Teilnehmer ebenso aus Mecklenburg-Vorpommern mit wie die Erkenntnis, dass die Buche auch für Waldbesitzer im Landkreis Cham attraktiv ist.
Mächtig: Vier gestandene Männer waren nötig, um diese 200 Jahre alte Buche zu umarmen. Momente wie diese nahmen die 31 Teilnehmer ebenso aus Mecklenburg-Vorpommern mit wie die Erkenntnis, dass die Buche auch für Waldbesitzer im Landkreis Cham attraktiv ist.

Vom Baum zum Brett, lautete die Spurensuche im Sägewerk der Firma Pollmeier in Marchow, wo sich selbst weniger Technikbegeisterte von den Dimensionen beeindrucken ließen. 130 000 Festmeter pro Jahr würden am Standort verarbeitet, bis zu 100 000 könnten gelagert werden – unter Beregnung in einem ressourcenschonenden Dauerwasserkreislauf, wie Produktionsleiter Ralf Perske erläuterte. Die Stärke des Unternehmens mit 80 dauerhaft Beschäftigten in Malchow – 700 weltweit – und drei weiteren Standorten sei es, aus relativ schwacher Baumqualität hochwertige Produkte herzustellen. Da staunte folglich mancher Waldbesitzer nicht schlecht, als im Sägewerk Stämme auf dem Förderband landeten, die „bei uns bestenfalls Brennholz wäre“.

Natürlich könnten die Konzepte aus Mecklenburg nicht „eins zu eins“ übernommen werden, bilanzierte Wolfgang Koller. Er aber fand, dass „wir mit klaren Erkenntnissen und vielen positiven Hinweisen heimfahren“. Denn dass Klimawandel, Borkenkäfer, Nachhaltig- und Wirtschaftlichkeit, jedes für sich und erst recht im Zusammenspiel, große Herausforderungen für die Waldbauern darstellten, sei unbestritten. Noch deutlicher wurde Forstdirektor Dr. Arthur Bauer. „Wir brauchen die Buche im Bayerischen Wald“, machte er seinen Standpunkt deutlich. Wie Wolfgang Koller zeigte er sich beeindruckt, mit welcher Aufmerksamkeit die Mitfahrer bei der Sache waren. Denn eines ist auch klar: Ohne das Engagement der Waldbesitzer wird es den Wald der Zukunft nicht geben.

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