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Verbrechen

10.000 Euro für Hinweise auf Hundekiller

Rasierklingen-Köder im Garten töten die zwei Hündinnen Wendy und Chuona des Hundetrainers Fred Kerscher aus Willmering.
Von Tanja Fenzl

Hundefreunde haben vor Fred Kerschers Haus am Ortsrand von Willmering Kerzen und Blumen abgestellt. Auf Fotos sind Wendy und Chuona zu sehen, ganz links ein Zettel in einer Klarsichthülle: „Warum?“ Fotos: tf
Hundefreunde haben vor Fred Kerschers Haus am Ortsrand von Willmering Kerzen und Blumen abgestellt. Auf Fotos sind Wendy und Chuona zu sehen, ganz links ein Zettel in einer Klarsichthülle: „Warum?“ Fotos: tf

Willmering.Die Nachricht hat sich am Wochenende wie ein Lauffeuer unter Hundefreunden verbreitet: Beide Hündinnen des Hundetrainers Fred Kerscher aus Willmering sind durch einen Köderanschlag getötet worden. Unbekannte warfen in Leberwurst eingerollte Rasierklingen über den Gartenzaun seines Grundstücks am Rand der Groitlfeld-Siedlung in Willmering. Die Polizei ermittelt und hat etliche Klingen gesichert. „Die werden jetzt genau untersucht“, so ein Polizeisprecher. Möglicherweise könne man DNA-Spuren an den Klingen sichern. Den Wert der Hunde gibt die Polizei im Pressebericht mit rund 2 000 Euro an.

Darauf kommt es dem Hundetrainer natürlich nicht an. Er hat seine treuesten Begleiter verloren. Kerscher gilt als der Hundepapst schlechthin in der näheren und weiteren Umgebung, selbst aus angrenzenden Landkreisen pilgern Herrchen und Frauchen zu dem Experten, der vor Jahren sein Hobby zum Beruf machte. In seiner Hundeschule Dog-Talk gibt der 59-Jährige Hundebesitzern in Gruppen- und Einzelstunden Tipps für den richtigen Umgang mit ihren Vierbeinern. Selber hat er seit Jahren zwei Hunde.

Seit Wendy und Chuona Welpen waren, lebten sie bei Fred Kerscher. Foto: Kerscher
Seit Wendy und Chuona Welpen waren, lebten sie bei Fred Kerscher. Foto: Kerscher

Am Donnerstag übergaben sich Wendy und Chuona plötzlich. Zunächst denkt Kerscher an eine Magenverstimmung. Am Freitag brachte er beide Tiere zum Tierarzt. „Dort hieß es, wenn es nicht aufhört, soll ich sie in die Klinik bringen. Kurz danach hat Wendy eine Klinge ausgespuckt.“ Er rast mit beiden Border-Collies in die Tierklinik in Haslbach bei Regensburg. Doch selbst Not-OP‘s können die Hündinnen nicht mehr retten. In der Nacht zum Samstag sterben Wendy und Chuona. Wendy ist elf, Chuona begleitet Kerscher seit vier Jahren. Beide hat er als Welpen bekommen und groß gezogen. Als er am Sonntagvormittag am Hundeplatz vor den Toren Willmerings von den Ereignissen erzählt, steigen ihm immer wieder die Tränen in die Augen. Die Besucher seines Welpen-Erziehungskurses sind empört und versuchen ihn zu trösten.

Solche verrosteten Klingen fanden Fred Kerscher und Polizeibeamte auf seinem Grundstück entlang des ganzen Zauns. Viele waren tief in Wurststückchen versteckt. Die Köder waren unter der Schneeauflage am Mittwoch nicht zu sehen. Fotos: tf
Solche verrosteten Klingen fanden Fred Kerscher und Polizeibeamte auf seinem Grundstück entlang des ganzen Zauns. Viele waren tief in Wurststückchen versteckt. Die Köder waren unter der Schneeauflage am Mittwoch nicht zu sehen. Fotos: tf

„Die beiden haben nie jemandem auch nur ein Haar gekrümmt, keiner hatte Probleme mit ihnen, sie haben nicht gebellt oder sonst was gemacht“, betont Kerscher, der schon vor einigen Jahren bei einem Hundespaziergang bei Geigant (Stadt Waldmünchen) mit Ködern konfrontiert worden war. Damals fanden Teilnehmer des Übungswalks neben den geparkten Autos am Roßhof mit Glassplittern gespickte Wienerwürstchen. „Da hatten wir die Köder noch rechtzeitig bemerkt“, erinnert sich Kerscher. Diesmal glaubt er, habe der Unbekannte das Wetter bewusst abgewartet „Am Mittwochabend hat es geschneit, und die Köder wurden vom Schnee verdeckt. Ich glaube, dass man darauf gewartet hat.“

Klingen im ganzen Garten

Vor seinem Haus haben Hundefreunde Kerzen und Hundespielzeug abgelegt. Fotos zeigen Wendy und Chuona, auf einem Blatt Papier ist nur das eine Wort „Warum?“ zu lesen. Darauf hat Kescher auch keine Antwort: „Das muss jetzt schon gezielt gegen mich gerichtet gewesen sein. Das ist ja nicht so, als wenn man den Köder irgendwo in die Prärie geworfen hat, damit es irgendeinen Hund zufällig trifft. Als ich abgesucht habe, fanden wir noch mehrere Klingen die ganze Grundstücksgrenze am Zaun entlang“, beschreibt der Hundetrainer den Vorfall. Auf einem Foto, das bereits in den sozialen Medien geteilt wird, sind einige der Klingen zu sehen. Ein wenig verrostet stecken sie tief in hellen Wurststückchen.

Fred Kerscher von der Hundeschule Dog-Talk ist untröstlich über den Verlust seiner Border-Collie-Hündinnen. „Die waren absolut brav und sehr gut erzogen. Wir hatten nie mit jemandem Probleme, weder in unserer Siedlung noch sonst irgendwo.“ Wendy war elf, Chuona vier Jahre alt. Fotos: tf
Fred Kerscher von der Hundeschule Dog-Talk ist untröstlich über den Verlust seiner Border-Collie-Hündinnen. „Die waren absolut brav und sehr gut erzogen. Wir hatten nie mit jemandem Probleme, weder in unserer Siedlung noch sonst irgendwo.“ Wendy war elf, Chuona vier Jahre alt. Fotos: tf

„Ich trainiere seit 25 Jahren Hunde, das ist mein Leben“, setzt Kerscher an, zu erklären, wie er sich fühlt. Wendy und Chuona wohnen seit dem Welpenalter mit ihm und seiner Frau im Haus. Wie beschreibt man, dass man gerade in seiner Mitte, in seiner ganzen Existenz getroffen wurde? Kerscher fehlen die Worte. Doch auf sich beruhen lassen will er das nicht. Zu oft sei in den vergangenen Jahren Ähnliches im Landkreis passiert. „Ich zahle 10 000 Euro, wenn mir jemand einen Hinweis gibt, wer das war“, sagt er. „Der soll gefunden werden!“ In den sozialen Netzwerken erfährt Fred kerscher eine Welle der Solidarität. Viele User legen Geld auf Kerschers Belohnung drauf – pro person teilweise bis zu 1000 Euro.

Viele ähnliche Fälle

Kerscher geht davon aus, dass der, der seine Hunde auf dem Gewissen hat, auch schon in der Vergangenheit Köder gelegt hat. Frappierend die Ähnlichkeit zu einem Fall vor drei Jahren, als Hund „Deejay“ bei Neumühlen ebenfalls Rasierklingen-Köder erwischte und verendete. Sein Frauchen Claudia H. war nun auch eine der ersten, die andere Hundebesitzer über den erneuten Köder-Anschlag informierte und warnte. Nachbarn von Kerscher mit eigenen Hunden haben Angst um ihre Tiere. Erst vor wenigen Wochen starb Mischlingshündin „Luna“ aus Eschlkam, nachdem sie vermutlich einen Giftköder am Drachensee bei Furth im Wald gefressen hatte (wir berichteten). Auch Lunas Besitzerin Doris M. war oft mit Fred Kerscher bei Hundespaziergängen unterwegs.

Hinweise auf den Täter nimmt die Polizei Cham unter der 09971 85450 entgegen.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham finden Sie hier.

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