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Region Cham
Freitag, 21. September 2018 26° 2

Forst

15 Lkw-Ladungen Käferholz täglich

Trotz dieser schwierigen Situation sind die Waldbesitzer mit der Vermarktung zufrieden. 70000 Euro Verlust wurde vermieden.
Von Tatjana Robl

  • Jede Menge Käferholz musste im vergangenen Jahr verarbeitet werden.Foto: Dachs-Archiv
  • Vorsitzender Josef Ziegler dankt Dr. Arthur Bauer.Foto: Cat

Roding.Am Donnerstagabend war die Rodinger Stadthalle gut besucht. Die Mitglieder des Waldbesitzerverbands WBV Cham-Roding w.V. waren zur Jahreshauptversammlung zahlreich erschienen. Vorsitzender Josef Ziegler freute sich auch über Besucher der Nachbarvereinigungen Nabburg, Bad Kötzting und Waldmünchen.

Zu Beginn wurde das Totengedenken abgehalten, bei dem zwei Verstorbene hervorgehoben wurden. Zum einen Ehrenvorsitzender Alfons Schwarzfischer, bekannt als „Kapplbauer“, der lange Jahre als Vorsitzender der WBV Vorderer Bayerischer Wald tätig war und überregional bekannt als Interessenvertreter der Waldbesitzer und zum anderen Josef Wutz, der sich als Waldwart für den Kirchenwald in Grafenkirchen engagierte.

Viel Käferholz fiel an

Ziegler startete mit einem Rückblick auf das Geschäftsjahr von Oktober 2016 bis September 2017. Da zu Beginn des Geschäftsjahres eine Borkenkäfersaison zu Ende gegangen war, bestand die Hauptaufgabe der ersten Monate darin, das Käferholz einzuschlagen und zu vermarkten. Allein in den Monaten Februar und März standen 14000 Festmeter zur Vermarktung an. Im März und April konnte die Holzabfuhr auf rund 15 LKW-Ladungen täglich ausgeweitet und somit verdreifacht werden. Ab Juni zeigte sich der Borkenkäfer mit neuen Schäden und die Mitglieder waren gezwungen, 13000 Festmeter Käferholz einzuschlagen.

Einige Waldbesitzervereinigungen hatten durch diese Käferholzflut Probleme mit dem Holzabfluss, nicht jedoch Cham-Roding. Durch diese schnelle Reaktion mit Verkaufs- und Abfuhrbeschleunigung konnte ein hochgerechneter Wertverlust von ca. 70000 Euro vermieden werden.

Des Weiteren ging Ziegler auf den Orkan „Kolle“ ein, der in der Region Passau eine Krise verursachte. Er machte darauf aufmerksam, dass sich der bayerische Kleinprivatwald in einer riskanten Situation befindet, da es in Folge des Klimawandels öfter zu Wetterextremen kommt, die auf immer ältere, instabilere und vorratsreiche Nadelholz-Reinbestände treffen. Abschließend zeigte er eine Statistik auf, aus der hervorging, dass nirgends auf der Welt der Wald so dicht ist wie in Bayern „Wir sind Meister im Stehenlassen“, erklärte er.

Thomas Hötzl stellte im Geschäftsbericht vor, dass es einen Zuwachs der Mitglieder gab. Aktuellsind es 2333. Es wurden rund 10000 Festmeter mehr Holz vermarktet als im Vorjahr, was auch auf den Borkenkäferbefall zurückzuführen ist. Die WBV beschaffte rund 80000 Pflanzen, von denen fast 50 Prozent Tannen und Douglasien waren, welche die Mitglieder bestellten. Verschiedene Infoveranstaltungen wurden abgehalten, unter anderem zum Thema Wiederaufforstung oder auch zur Entstehung eines Holzhauses. Staatliche Projektfördermittel in Höhe von rund 70000 Euro kamen den Mitgliedern zu Gute.

Steuerberater Eduard Knipfer stellte den Bilanzbericht vor, die Kassenprüfern Karl Stelzl und Ewald Dietl bestätigten und Knipfer wurde einstimmig entlastet. Auch eine Satzungsänderung stand auf dem Programm, Bernhard Seigner meinte: „Eine Satzung ist wie ein Dom, wenn man nimma baut, bricht’s zam“. Die Änderungen haben keine Auswirkung auf das Tagesgeschäft und wurden per Handzeichen beschlossen.

Waldumbau ist nötig

Abschließend hielt Dr. Arthur Bauer, Bereichsleiter Forst vom AELF Cham, einen Vortrag „Aktuelles aus dem Bereich Forsten“. Zu Beginn stellte er seinen neuen Stellvertreter Luitpold Titzler vor, dieser freut sich auf die Aufgaben, die auf ihn zukommen werden, und hofft auf eine gute Zusammenarbeit. Bauer zeigte auf, dass im Landkreis Cham 64000 Hektar Wald sind, von denen sich 78 Prozent also ca. 50000 Hektar in Privatbesitz befinden. Mit Klimarisikokarten wies er darauf hin, dass die aktuelle Bepflanzung für das Jahr 2000 passt, jedoch nicht mehr für das Jahr 2100. Waldumbau bedeutet: „Umwandlung instabiler Reinbestände in stabile, artenreiche und klimatolerante Mischbestände.“ Das erfordert unter anderem aktives Handeln der Waldbesitzer, Vorratsabsenkung in mittelalten Beständen und eine rechtzeitige Einleitung der Verjüngung. Er ging verstärkt auf den Klimawandel ein, durch den die Insektengefährdung zunimmt. Besorgniserregend sieht er die Entwicklung des Borkenkäfers. Er zeigte den Schwärmverlauf von 2015 bis 2017 auf und prognostizierte eine Gefährdung für 2018. Borkenkäfernester aufspüren sei eine Aufgabe von allen Waldbesitzern, befallenes Holz müsse zügig abgeschlagen werden.

Zum Schluss machte er auf die Verjüngungsinventur 2018 aufmerksam. Diese wird am 16. Februar durch Forstminister Helmut Brunner gestartet. Die Auftaktveranstaltung des Landkreises Cham ist am 9. März. Die Berechnung der Ergebnisse ist für Juli und August geplant und im Winter 2018/2019 sollen die Abschusspläne vorgestellt werden. Er erklärte detailliert den Ablauf der Inventur und rief Jagdgenossen sowie Jagdpächter zur Beteiligung auf, welche nach Anmeldung möglich ist.

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