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Justiz

18 Monate Haft für Cannabis-Plantage

Ein Chamerauer hatte eine Cannabisplantage auf seinem Grundstück. Ans Licht kam der Fall durch den Pflegedienst der Oma.

Aus den elf Kilo Hanfpflanzen hätten knapp zwei Kilo Marihuana gewonnen werden können Foto: dpa
Aus den elf Kilo Hanfpflanzen hätten knapp zwei Kilo Marihuana gewonnen werden können Foto: dpa

Chamerau.Gemeinsam mit einem Mitangeklagten musste sich nun ein 25-Jähriger aus Chamerau vor dem Amtsgericht Cham verantworten. Vorgeworfen wurde ihm und seinem 19-jährigen Mitstreiter der unerlaubte Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Dem Vorwurf lag der Anbau einer Cannabisplantage in einem Gewächshaus auf dem eigenen Grundstück zugrunde.

Der Ältere der beiden Angeklagten sah sich zudem mit Verstößen gegen seine Bewährungsauflagen konfrontiert. Er hatte gerade eine Jugendstrafe von drei Jahren verbüßt und war vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Wie die Anklageschrift verlauten ließ, hätte er mindestens einmal wöchentlich die ihm zugeteilte Bewährungshelferin aufsuchen müssen. Dieser Pflicht sei er von September bis November 2017 nicht nachgekommen, so dass der Zweck der Maßregel gefährdet war. Der Verteidiger des Hauptangeklagten verlas, dass die Vorwürfe im Hinblick auf den Betäubungsmittelbesitz zutreffend seien. Verstöße gegen die Weisungspflicht bestreite sein Mandant jedoch ausdrücklich. Der Anbau der Pflanzen habe lediglich dem Eigenbedarf gedient. Er habe zu dieser Zeit etwa zwei bis drei Gramm Marihuana am Tag konsumiert. Ferner hätte er nicht damit gerechnet, dass die Pflanzen so gut gedeihen.

Mehrere wussten Bescheid

Diese Version bestätigte der jüngere Angeklagte in seiner Aussage. Es habe sich um das Anwesen des Mitangeklagten gehandelt, dort habe er ihn öfters am Wochenende angetroffen.

In den Zeugenstand trat nun der Bruder des 19-Jährigen. Er schilderte, dass er ihn nie in der Nähe des Gewächshauses gesehen habe. Er selbst wollte mit der ganzen Sache nichts zu tun haben, da es ja verboten sei. Aufgefallen sei ihm der Anbau, weil er regelmäßig auf dem Grundstück den Rasen mähte. Weiter erzählte der Zeuge auf Nachfrage, dass das Verhältnis zum Hauptangeklagten nicht das Beste gewesen sei.

Der nächste Zeuge war ein Untermieter des Anwesens. Er habe das Gewächshaus von seiner Wohnung aus gesehen, im Inneren sei er nie gewesen. Er vermutete zwar was dort vor sich ging, habe aber keine Meldung an offizielle Seite gemacht. Konfrontiert mit der Angelegenheit hatte er dennoch beide. Sie hätten ihm gegenüber den Pflanzenanbau eingeräumt, er habe sich jedoch dann nicht weiter darum gekümmert.

Zwischen Verbot und Arzneimittel

  • Strafbar

    Ohne Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind Anbau, Herstellung, Handel, Erwerb und Besitz von allen Pflanzenteilen des Cannabis nach § 29 des Betäubungsmittelgesetzes strafbar.

  • Legal

    In Deutschland ist Cannabis seit dem 10. März 2017 ein verkehrs- und verschreibungsfähiges Arzneimittel, das theoretisch von jedem Arzt verschrieben werden kann, wenn dieser den Einsatz beim Patienten als sinnvoll erachtet.

Der mit dem Fall betraute Polizist sagte aus, dass der Pflegedienst der behandlungsbedürftigen Großmutter des älteren Angeklagten die Polizei informiert habe. Ein Gutachten deklarierte das Gesamtgewicht der Pflanzen auf über elf Kilogramm. 1,668 kg Marihuana hätten gewonnen werden können. Allerdings sei die Qualität überdurchschnittlich schlecht gewesen. Die Masse übertraf schließlich dennoch die gesetzliche Vorgabe hinsichtlich der Schwelle zur „nicht geringen Menge“ um ein Vielfaches.

Zum Abschluss der Beweisaufnahme schilderte die Jugendgerichtshilfe die Kindheit und die Situation des jüngeren Angeklagten. Es lägen keine schädlichen Neigungen vor, Jugendstrafrecht könne angewendet werden. Die Empfehlung in Bezug auf ein mögliches Strafmaß lautete Geldstrafe.

Verteidigung lenkt ein

Anders gestaltete sich die Situation beim Hauptangeklagten. Den zahlreichen Vorstrafen läge auch noch eine hohe Rückfallgeschwindigkeit zugrunde, so die Staatsanwaltschaft. Zur Zeit ohne Arbeit und auch sonst keine besonderen Umstände, würden eine Bewährungsstrafe unmöglich machen: Ein Jahr und sechs Monate Haft, so der Antrag.

Der Mitangeklagte sei hingegen wegen Beihilfe zum unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln zu verurteilen und ihm eine saftige Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro zu geben.

Der Verteidiger des 25-Jährigen sah ein, dass eine Strafe mit Bewährung nicht mehr in Frage käme – das wisse auch sein Mandant. Ein Jahr Haft sei jedoch absolut ausreichend. Das Gericht zog sich mit zwei Schöffen zur Beratung zurück, ehe die Urteile verkündet wurden: Der Hauptangeklagte erhielt ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Der zweite Angeklagte muss für zwei Freizeitarreste, jeweils an Wochenenden ins Gefängnis. Hinzu kommen 40 Stunden gemeinnützige Arbeit. (cya)

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