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1800 Gäste beim Lauerer-Stück

„Hollywood in Hollerbach“ schlug ein. Viele Zuschauer empfanden es als bisher bestes Theaterstück des Further Kabarettisten.

„Ohne Licht ist der ganze Film im Oasch“ – Sepp Dimpfl (Karlheinz Sölch) rückte die „Schauspieler“ Kraut (Christian Huber) und Rosi (Bianca Weiß) ins rechte Licht beim Wiltinger Theater „Hollywood in Hollerbach“. Fotos: csb

Traitsching.Die Theatersaison in Wilting ist zu Ende. Knapp 1800 begeisterte Theaterbesucher erlebten in neun ausverkauften Vorstellungen ein Ensemble, das die einzelnen Rollen auf der Bühne glänzend darstellte. Dazu ein kurzweiliges Theaterstück mit einer spannenden Handlung, vielen unerwarteten Schenkelklopfern und ganz viel Situationskomik.

Das, was Toni Lauerer mit seinem „Hollywood in Hollerbach“ da zu Papier gebracht hat, empfanden viele Besucher als sein bisher bestes Theaterstück. Und der Autor selbst war von der Vorstellung der Wiltinger Laienspieler mehr als begeistert, als er Ehrengast einer Vorstellung war: „Besser kann man es nicht umsetzen. Ich weiß, dass die Wiltinger gut sind, aber das, was sie aus dieser Vorlage gemacht haben, ist schon fast professionell.“

Was dem Toni da eingefallen ist

Gruppenbild mit Autor – Toni Lauerer (hinten Mitte) mit den Akteuren der Theatergruppe Wilting Fotos: csb

„Erstaunlich, was dem Toni da wieder eingefallen ist. Wir fragen uns nur, wo er diese schrillen Ideen immer wieder hernimmt“, so Martin Hausladen bei der Premiere. Tatort dieser schrillen Idee ist das kleine Dörfchen Hollerbach – irgendwo in Bayern. 30 Häuser – 15 Misthaufen und kein Wirtshaus! Und aus diesem beschaulichen Hollerbach macht sich Sepp Dimpfl jun. (Martin Huber) auf, um auf der Filmhochschule in München den Beruf des Regisseurs zu erlernen. Mama Liesl (Claudia Müller) ist davon begeistert und absolut stolz auf ihren Josef. Es muss ein Künstlername her und da bietet sich Josef von Hollerbach geradezu an. Den beiden Nachbarinnen Moni (Karin Krause) und Vroni (Carolin Gschwendtner) kommt dieser Hochmut gerade recht. Sie lassen kein gutes Haar an „Josef“ und seiner Mama Liesl, die zu deren Spott künftig auch als Elisabeth angesprochen werden möchte.

Einzig und allein Sepp Dimpfl sen. (Karlheinz Sölch) ist von der Berufswahl seines Juniors ganz und gar nicht begeistert. Er hätte ihn lieber im Landratsamt oder in einer Bank, „zur Not auch noch bei der BayWa“ gesehen. Aber – wie im richtigen Leben oftmals auch – geht es nicht nach dem Willen des Vaters. Neid und Missgunst verflüchtigen sich aber ganz schnell, als die beiden Dorfratschen erfahren, dass Jung-Regisseur Josef für eine vermeintliche Zwischenprüfung einen Film mit Laiendarstellern drehen muss. Plötzlich sind sie seine größten Fans und reißen sich um die Hauptrolle.

Das Casting war der Brüller

Eine Glanzrolle für Tina Kagermeier als steirische Kamerafrau Franzi. Fotos: csb

Als Josef dann endlich auftaucht, beginnt auch gleich das Casting – wie in echtem Film und echtem Fernsehen. Josef hat auch gleich die Studienkollegin Franzi (Tina Kagermeier) mitgebracht, die den Beruf der Kamerafrau erlernt und im Prinzip die treibende Kraft für all das ist, was jetzt kommt oder besser kommen soll. Franzi ist nicht nur optisch, sondern auch sprachlich der „Burner“, denn sie kommt aus Arnold Schwarzeneggers Heimat Steiermark. Schon beim „Vor-Casting“ folgen Brüller auf Brüller. Während die Vroni die Reihenfolge ihres Lebenslaufes etwas durcheinanderbringt („Heirat – schwanger – dann aus und vorbei“ oder richtig: Erst schwanger, dann Heirat, dann aus und vorbei) übernimmt die Moni gleich den erotischen Part. Sie sei zu allem bereit und öffnet dafür gerne ihre Bluse.

Das Postgeheimnis wird vom Postboten Kare (Erhard Bachmaier) nicht so ernst genommen. Fotos: csb

Eher zufällig schlittert Nachbar Rudi (Hermann Hausladen) in die Filmaufnahmen. Es zeigt sich aber schnell sein schauspielerisches Talent. Ähnlich geht es dem Postboten Karl (Erhard Bachmaier), der es mit dem Postgeheimnis nicht so eng nimmt und die Briefe und Karten schon mal vorsichtet und bewertet. Da bleibt dann noch der schrullige Dorf-Single „Kraut“ (Christian Huber), ausgestattet mit Vokuhila, viel Durst und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Auch er wird zum Filmhelden, wie auch Rudis Ehefrau Rosi (Bianca Weiß), die im weiteren Verlauf noch eine entscheidende Rolle einnehmen sollte. Einzig und alleine Vater Sepp bleibt (zunächst) ohne Aufgabe.

Nur Rosi und Rudis Tochter Lisa (Susanne Hausladen) sind eingeweiht, dass es sich bei den Dreharbeiten um eine Racheaktion von Josef und Franzi handelt und Josef den Hollerbachern eins auswischen will.

Nach dem Casting folgen die Filmaufnahmen: Rudi spielt im Filmgeschehen den Rudi, wie auch alle anderen im Prinzip nur sich selber darstellen. Rudi ist demnach auch im Filmgeschehen zu seinem Unverständnis mit Rosi verheiratet und soll ein Verhältnis mit Lisa (in Wirklichkeit seiner eigenen Tochter) haben.

Seine Frau hat ein Verhältnis mit dem Kraut, obwohl der eine jüngere Liebschaft wesentlich lieber hätte, zur Not auch eine aus dem Publikum. Der Postbot Karl mimt den Postboten und die beiden Dorfratschen spielen die Dorfratschen. Mama Elisabeth bekommt eine Sonderrolle – die „geheimnisvolle Fremde“. Papa Sepp bleibt ohne Rolle. Doch weil der ganze Film ohne richtige Beleuchtung ganz einfach „nur im Oasch“ wäre, wird er kurzerhand Beleuchter. Zwar ohne Scheinwerfer, dafür aber mit einem Nachttischlamperl. Dann geht es Schlag auf Schlag ...

Die Laienspieler präsentierten sich als grandioses Team, aus dem Tina Kagermeier herausragte, die als waschechte Traitschingerin den Ösi-Akzent vom Anfang bis zum Ende fehlerfrei durchhielt. (csb)

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