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1970 die erste Landrätin Bayerns: Paula Volkholz ist tot

  • 80. Geburtstag: Mit Ernst Girmindl, Nachfolger von Volkholz im Amt, und dem früheren Staatssekretär Dr. Max Fischer zeigten zwei kommunalpolitische Weggefährten ihre Wertschätzung für die ehemalige Land- und Kreisrätin
  • Ihre Wahl war eine kommunalpolitische Sensation: Paula Volkholz wird 1970 als erste Landrätin Bayerns im Kreistag Kötzting vereidigt.
  • Zu ihrem 75. Geburtstag gratulierten Landrat Zellner, die Bürgermeister Amberger aus Rimbach und Mühlbauer aus Grafenwiesen.
  • Sie liebte die Menschen und die Geselligkeit – Paula Volkholz war ein immer gern gesehener und beliebter Gast beim Seniorentreffen zu Pfingsten.
  • Paula Volkholz an ihrem 85. Geburtstag unter ihrem Porträt, das August Philipp Henneberger geschaffen hat.

Paula Volkholz ist tot. Sie starb am Samstag im Alter von 87 Jahren nach kurzer Krankheit in der Kurzzeit-Pflegestation des Kreiskrankenhauses Bad Kötzting.

Paula Volkholz genoss einen politischen Ruf weit über die Grenzen der Region hinaus. 1970 wurde sie im Kötztinger Kreisrat als erste bayerische Landrätin vereidigt und sorgte damit für eine Sensation. Monatelang stand sie bundesweit im Mittelpunkt des Medieninteresses. Ihre Amtszeit dauerte bis zur Bildung des Großlandkreises Cham 1972.

Stets war sie als Landrätin ganz nahe an den Menschen ihres Landkreises, getreu ihrem Versprechen „Wir werden Ihnen schon helfen, wenn es irgendwie geht“, das bei Paula Volkholz nie ein leeres Wort war, sondern ein großes persönliches Anliegen. Wie beliebt sie in den drei Jahren geworden war, zeigte ihre erneute Kandidatur. Zwar unterlag sie gegen Landrat Ernst Girmindl, im Altlandkreis Kötzting hatte Paula Volkholz mit Abstand jedoch die meisten Wählerstimmen.

30 Jahre gehörte sie den Kreistagen Kötzting und Cham an. Bereits 1966 war Paula Volkholz zur Bürgermeisterin von Voggendorf gewählt worden. Auch nach ihrer Landrats-Zeit führte sie ihre kommunalpolitischen Aktivitäten fort. So setzte sie von 1984 bis 1990 als Bürgermeisterin Rimbach Zeichen für die Entwicklung der Gemeinde. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass 1986 die Lichtenegger Burgfestspiele wieder zum Leben erweckt wurden, die bis heute Aushängeschild der Gemeinde sind.

Ihr Umgang mit den einfachen Menschen, ihre Fürsorge für alle, die sie um Hilfe gebeten haben, machten sie zu einer beliebten Politikerin. Obwohl von Natur aus eher bescheiden und geduldig, verstand sie es in ihren politischen Ämtern, die Interessen der von ihr von vertretenen Bürger durchzusetzen.

Am 22. Dezember 1921 kam Paula Volkholz, geborene Novak, in dem Bergbau-Ort Parschlug als Tochter eines Obersteigers zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie in Maria Lankowitz in der Weststeiermark. 1938 bezog Ludwig Volkholz Quartier in Maria Lankowitz. Er versprach der 17-jährigen Bergmannstochter nicht nur die Ehe, sondern schlug auf Wunsch ihrer Eltern auch die Offizierslaufbahn ein, brachte es bis zum Oberleutnant.

Als Ludwig Volkholz zum Kriegsende in seine Heimat Passau zurückkehrte und seinen Dienst als Förster wieder antrat, war seine Familie bereits auf fünf Personen angewachsen, seine Frau Paula, gelernte Kindergärtnerin, brachte aus der Steiermark die drei ältesten Kinder mit nach Bayern. Das Forsthaus in Mitterfels wurde vorübergehend ihr Domizil. Mit der Versetzung ihres Mannes nach Watzlsteg begann auch für Paula Volkholz „die schönste Zeit meines ganzen Lebens“, wie sie im Rückblick anlässlich ihres 85. Geburtstag festgestellt hatte.

Kaum hatte Bayern wieder eine Verfassung, entdeckte auch Ludwig Volkholz seine Qualitäten als Redner neu und bewarb sich für die Bayernpartei sowohl für ein Bundestags-, wie später auch um ein Landtagsmandat in München. In beide Parlamente wurde der Bayernparteiler mit großer Mehrheit direkt gewählt. Nach vier Jahren baute die Familie in Fessmannsdorf ein eigenes Haus. Doch nach dem Einzug (1950) zeichneten sich immer deutlicher Strömungen gegen die Bayernpartei und damit auch gegen Ludwig Volkholz ab. Der musste schließlich seine politischen Ämter aufgeben, ging nach Argentinien, während die Familie ohne Ernährer und ohne festes Einkommen zurück blieb. Paula Volkholz eröffnete einen Wein-Großhandel und sicherte so die Existenzgrundlage für sich und die fünf Kinder.

Nach der Rückkehr von Ludwig Volkholz nach Bayern verhinderte die „Lex Volkholz“ seine neuerliche Kandidatur für ein kommunales Wahlamt. Paula Volkholz sprang für ihren Mann ein, wurde 1966 zur Bürgermeisterin von Voggendorf gewählt.

Ludwig Volkholz war 1970 fest entschlossen, gegen Rudolf Nemmer als Landrat zu kandidieren. Einen Tag vor dem Aufstellungstermin kam die niederschmetternde Nachricht: Volkholz darf nicht kandidieren. Paula Volkholz entschied, selbst als Landratskandidatin in den Wahlkampf zu gehen. Die Absicht, ihren Mann mit ins Amtszimmer zu nehmen, vereitelte die CSU. „Gewählt ist Frau Volkholz. Wenn sie das nicht kann, muss sie das Amt aufgeben“, lauteten die Worte des damaligen CSU-Fraktionsvorsitzenden Josef Karg.

Paula Volkholz gab nicht auf. Dank der Loyalität ihrer Mitarbeiter und der großen Unterstützung des geschäftsführenden Juristen Dr. Georg Karl, der später viele Jahre Landrat in Deggendorf war, schulterte Paula Volkholz die große Aufgabe. Die Politik hatte sich für die fünffache Mutter nicht ausgezahlt, so wurde ihr immer eine Rente verweigert, weil die Amtszeiten als Bürgermeisterin und Landrätin für einen Anspruch nicht ausreichten. Eine Gnadenrente von rund 500 Euro, die auf Betreiben von Dr. Max Fischer vom damaligen Ministerpräsidenten Max Streibl ihrem 1994 verstorbenen Mann gewährt worden war, war schließlich auf die Witwe übertragen worden. Paula Volkholz liebte es bis zu ihrer Krankheit, „unter die Leute zu gehen“, Oft war sie gern gesehener Gast bei den musikalischen Nachmittagen in der Seniorenresidenz St. Benediktus oder feierte mit beim Seniorenclub in Grafenwiesen. Und mehr als einmal sang sie bei diesen Gelegenheiten ihr Lieblingslied, den „Erzherzog-Johann-Jodler“.

„Ich freue mich immer, wenn ich als ehemalige Landrätin begrüßt werde“, sagte Paula Volkholz. Die ehemalige Landrätin ist tot. Sie hinterlässt ihren Sohn Wolfram, die Töchter Christine, Maria, Evi und Rosemarie, neun Enkel und zwei Urenkel.

Der Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung ist am Donnerstag um 15 Uhr in der Pfarrkirche in Grafenwiesen.

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