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Donnerstag, 21. Juni 2018 27° 8

Natur

20 Jungtiere leben im Greifvogelpark

Im Greifvogelpark Grafenwiesen ist die Brutzeit schon fast vorbei. Heuer gab es wetterbedingt doch einige Ausfälle.
Von Fred Wutz

Der Halsband-Zwergfalke ist laut Heike Betz die kleinste Falkenart. Foto: Wutz
Der Halsband-Zwergfalke ist laut Heike Betz die kleinste Falkenart. Foto: Wutz

Grafenwiesen.Der Habichtskauz, den Dieter Betz und seine Frau Heike noch von Hand füttern, ist etwa sechs Wochen alt und schon 25 Zentimeter groß. In zwei Wochen wird der Greifvogel ausgewildert sein – und über kurz oder lang wird er entweder in die Natur entlassen oder an einen Tierpark vergeben. „Baby“ nennen sie ihn, wie übrigens alle ihre Jungtiere. „Bei uns bekommen die wenigsten Vögel einen Namen,“ sagt Betz, „es sind ja Wildtiere und das sollen sie auch bleiben.“

60 Greifvögel unterschiedlichster Größe und Art sind im Greifvogelpark Grafenwiesen zu Hause, momentan auch noch 20 Jungvögel: Eulen, Falken, Zwergohreulen, Habichtskäuze, Uhus und Adler. Die meisten Arten haben ihren Nachwuchs von Februar bis Mai ausgebrütet, nur die Rotfuß- und die Buntfalken haben noch Gelege, verrät Dieter Betz.

Ein besonderes Projekt

Schon 25 Zentimeter groß ist der junge Habichtskauz. Der Vogel wird in wenigen Tagen ausgewildert.Foto: Fred Wutz
Schon 25 Zentimeter groß ist der junge Habichtskauz. Der Vogel wird in wenigen Tagen ausgewildert.Foto: Fred Wutz

„Heuer gab es bei der Brut einige Ausfälle,“ so der Inhaber, „es war entweder zu warm oder zu kalt, das Hin und Her war nicht gut.“ Probleme mit dem Nachwuchs seiner Greifvögel gibt es laut Dieter Betz auch aus einem weiteren Grund: „In letzter Zeit beobachte ich einige wildlebende Uhus, die zum Park herkommen und auf den Volieren sitzen. Das stört die anderen Greifvögel natürlich beim Brutgeschäft. Sie verlassen die Gelege oder manchmal zerstören sie auch die Eier.“

Wie er diese Situation in den Griff bekommt, weiß Betz noch nicht genau. „Die Volieren oben besser abdecken und Schutznetze spannen, damit sich die Uhus nicht niederlassen können – es wird schon etwas werden.“

Der Europäische Seeadler ist der größte Greifvogel Mitteleuropas. Er erreicht eine Flügelspannweite bis zu 2,5 Metern und ein Gewicht von bis zu 7 Kilogramm.
Der Europäische Seeadler ist der größte Greifvogel Mitteleuropas. Er erreicht eine Flügelspannweite bis zu 2,5 Metern und ein Gewicht von bis zu 7 Kilogramm.

Von einem anderen Projekt hofft er sehr, „dass es etwas wird“. Der Inhaber des Grafenwiesener Greifvogelparks hat sich nämlich ein großes Ziel gesetzt, das wegen seiner großen Erfahrungen und Zuchterfolge durchaus greifbar ist: „Ich möchte den Schreiadler im Bayerischen Wald wieder heimisch machen!“ Diese Tierart war laut Betz bis 1928 noch hier wildlebend, aktuell gibt es im Bayer- und Böhmerwald einen Mini-Bestand von zwei bzw. drei Paaren. Im Greifvogelpark Grafenwiesen soll also ein Zuchtpaar zusammengeführt werden, eventuelle Jungtiere können dann ausgewildert und in der Region angesiedelt werden.

Impressionen aus dem Greifvogelpark Grafenwiesen

Der Sperbergeier erreicht 2,4 Meter Spannweite und ein Gewicht von bis zu 9 Kilogramm. Diese Vogelart hält den Rekord von 11 Kilometern Flughöhe.
Der Sperbergeier erreicht 2,4 Meter Spannweite und ein Gewicht von bis zu 9 Kilogramm. Diese Vogelart hält den Rekord von 11 Kilometern Flughöhe.

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, so Betz, der sich aktuell mehr Sorgen um die Natur an sich macht. „Es ist auffällig, wie wenig Insekten es zurzeit gibt. Die Folge, dass wir öfter Fledermäuse während des Tages auf Futtersuche beobachten, die nachts offenbar nicht satt werden.“ Die eigentlich nachtaktiven Tiere sind laut Dieter Betz sogar während der Flugschau im Greifvogelpark aufgetaucht. Die Natur ist nach Beobachtungen von Dieter Betz zunehmend Belastungen ausgesetzt, die Wirkung zeigen: „Biogasanlagen und Maisanbau nehmen zu, Chemie ist in der Landwirtschaft im Einsatz, das bringt die Veränderungen mit sich.“

Betz hat allerdings besonders sein Spezialgebiet Greifvögel im Blick. Die Nachzuchten aus seinem Park sind „nach wie vor gefragt“, sagt er. Er gibt Tiere, die seinen Bestand zu groß machen würden, an Falknereien und Tierparks ab. Probleme mit der Haltung der Tiere hat er nicht: „Wir sind im Landkreis Cham fünf Falkner und Jäger, die es mit den Bestimmungen und Vorschriften sehr genau nehmen. Ein paar andere gibt es auch noch, ich sage Schausteller dazu, die haben aber nicht den jagdlich einwandfreien Hintergrund wie wir“.

Das mag auch der Grund sein, dass eine Reihe von meist jungen Leuten im Grafenwiesener Park Praktika und Ausbildungen machen, darunter auch ein 25-jähriger Flüchtling aus Syrien. Die meisten sind im Ehrenamt und freiwillig hier, durchwegs mit dem Ziel, selbst den Jagdschein zu machen und dann die Falknerei zu betreiben.

Zeit der Ausbildung beginnt

Der Sakerfalke ist die größte und schwerste Falkenart und lebt in Steppengebieten. Die Weibchen erreichen 1,3 Meter Spannweite und bis zu 13 Kilogramm Gewicht.
Der Sakerfalke ist die größte und schwerste Falkenart und lebt in Steppengebieten. Die Weibchen erreichen 1,3 Meter Spannweite und bis zu 13 Kilogramm Gewicht.

In den nächsten Wochen beginnt im Greifvogelpark Grafenwiesen wieder die jährliche Trainingsphase. Dann lernen die Tiere, die nicht in die Natur entlassen oder an Zoos abgegeben werden, mit dem Menschen auf Jagd zu gehen oder bei der Flugschau ihr Können zu zeigen. „Dabei geht nichts mit Zwang, sondern nur durch Belohnung, also positive Konditionierung“, sagt Dieter Betz. Ob es am Ende mit jedem Greifvogel klappt, zeigt sich erst nach Wochen. „Adler brauchen lange“, so Betz, „manchmal geht es gar nicht.“

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