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2013 – Termine, Termine, Termine

Als Jahresrückblick von Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau beleuchten Humoristen und Kabarettisten aus der Region 2013. Es beginnt Toni Lauerer.
Von Toni Lauerer

„Genießen wir dieses schöne Leben so gut wir können!“, rät Toni Lauerer zum Jahreswechsel.Foto: privat

Furth im Wald. Wie jetzt? War’s das schon? Nicht, oder? In den letzten Tagen höre ich immer wieder: „Alles Gute für 2014!“ 2014? Und wo bitte schön ist 2013 hingekommen? War das wirklich ein ganzes Jahr? Das war doch kein ganzes Jahr! Die paar Tage? Unmöglich!

Wir hier in Furth im Wald teilen ja das Jahr in zwei Hälften ein: Vor dem Drachenstich und nach dem Drachenstich! Dass die Hälften nicht gleich groß sind, stört uns dabei nicht. Genauso wie es primitive Zeitgenossen nicht stört, das Leben eines Mannes in zwei tragische Phasen einteilen: vor der Hochzeit und nach der Hochzeit! Da ich nicht primitiv bin, würde so was niemals über meine Lippen kommen! Aber schlechter Witz beiseite: Die Geschwindigkeit, mit der die Zeit vergeht, erschreckt mich schon ein wenig! Wobei es geradezu paradox ist, dass die sogenannte „staade“ Zeit die rasanteste ist!

Checks auf Anweisung der Ehefrau

Als mich die Mittelbayerische Zeitung gebeten hat, aus meiner Sicht auf das Jahr 2013 zurückzublicken, war ich erstmal frustriert, weil es schon vorbei ist. Dann habe ich meinen Terminkalender durchgeblättert , um festzustellen, wo es hingekommen ist. Und da stand es, schwarz beziehungsweise blau auf weiß: Es versickerte auf Nimmerwiedersehen in: vier Arztbesuchen (nichts Ernstes, nur Checks auf Anweisung meiner Frau beziehungsweise leichtes Unwohlsein); zwei Zahnarztbesuchen (einmal Anweisung Frau, einmal Splitter Schneidezahn abgebrochen wegen Fremdkörper in Leberkässemmel, höchstwahrscheinlich Schweinezahn – fast schon lustig, weil Zahn durch Zahn beschädigt wurde; ein Hautarztbesuch (nichts Ekliges, nur beim Rasieren störendes Muttermal); 17 (!) privaten Terminen, wo man essen musste (führte teilweise zum Unwohlsein, weswegen ich beim Arzt war); neun politischen Besprechungen (teilweise auch mit Essen! – siehe wieder Unwohlsein); 47 kabarettistischen Auftritten (gottlob meist mit Gage und ohne Essen); 180 Arbeitstagen im Standesamt sowie 86 Kartenspielabenden (davon 59 mit negativer Zahlungsbilanz).

Das war’s! Das soll also mein Jahr 2013 gewesen sein? 346 Termine? Sonst nichts? Und wann habe ich dann eigentlich gelebt? Also so richtig gelebt, meine ich! Wellness, Chillen, Easy Going! Wann? Verzweiflung machte sich breit in meinem Gehirn oder wo immer auch die Gefühle eines Menschen beheimatet sind.

Ich habe mir in dieser psychisch kritischen Phase meiner Überlegungen fachmännischen Rat geholt und bin zum Stammtisch gegangen. „Männer“, habe ich gesagt, „Männer, ich habe ein Jahr meines Lebens glatt vergeudet! Völlig sinnlos! 346 Termine, sonst nix! Ich bin 54! Wie viele Jahre bleiben mir noch? Statistisch 24! Wenn ich Nikotin, Alkohol, Kalorien, Frauen und sonstige lebenswerte Sachen meide, vielleicht 24,5! Und in so einer Situation habe ich ein Jahr vergeudet! Ich bin doch blöd, oder? Oder nicht?“

Und dann haben meine Freunde – und mir wurde wieder bewusst, wie wichtig Freunde sind – folgendes gesagt: „Waren denn die Auftritte nicht schön für dich?“ „Doch“, sagte ich, fast ein wenig kleinlaut, „doch, ich liebe mein Publikum, es macht so eine Freude, Menschen zum lachen zu bringen! Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt, ich bin in schönen Orten in ganz Bayern gewesen und immer gesund heimgekommen! Also die Auftritte waren schon schön!“

Eine „Riesengaudi“

„Eben“, sagten meine Freunde, „eben! Und die Kartenspielabende? Hatten wir nicht oft eine Riesengaudi?“ „Oh ja“, sagte ich, und meine Stimmung wurde schon viel besser, „oh ja! Gibt nix Schöneres als einen zünftigen Schafkopf mit einer Brotzeit, einigen Bierchen und hirnrissigen Kommentaren! Was haben wir oft gelacht!“

„Genau“, sagten sie, genau! Und die Arbeit im Standesamt? Hat die keinen Spaß gemacht?“ „Und wie!“, antwortete ich, „und wie! Ich habe tolle Kollegen, mit denen ich gerne zusammenarbeite! Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel! Ich gehe unheimlich gern in die Arbeit!“

Leben besteht aus Terminen

Und dann hatte ich begriffen, ohne dass sie weiterfragen mussten: Die Abende, an denen ich mit Familie, Frau, Kindern, Freunden, politischen Weggefährten oder Kollegen beim Essen war, waren ausnahmslos schön! Wir haben uns Geschichten erzählt, wir haben Probleme besprochen, wir haben gelacht, diskutiert, gegessen und getrunken. Ich möchte keinen dieser Abende missen! Die politischen Termine waren interessant, ich habe viel Neues erfahren und durfte bei etlichen Entscheidungen für unsere Heimat mitwirken.

Die Arztbesuche sind alle so ausgegangen, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Das ist leider nicht bei jedem der Fall gewesen im abgelaufenen Jahr 2013. Sowohl im Familien- als auch im Freundeskreis muss man immer öfter die Erfahrung machen, dass Gesundheit nicht selbstverständlich, und dass das Leben endlich ist. Also, liebe Leser: Kein Jahr, das man gelebt hat, ist vergeudet – kein Monat, kein Tag, keine Stunde und keine Minute! Kein Termin, und wenn es noch so viele waren. Das Leben besteht nun mal aus Terminen: Die Zeugung ist der erste, der Tod ist der letzte. Dazwischen liegen abertausende, die in ihrer Gesamtheit unser Leben sind. Und es ist ein schönes Leben. Für uns in Deutschland mit seinem Wohlstand, seinen stabilen politischen Verhältnissen und seinen herrlichen Landschaften allemal. Genießen wir es, dieses schöne Leben, so gut wir können. Jammern wir weniger und danken wir mehr, auch für 2013! Ich wünsche Ihnen allen ein zufriedenes Jahr 2014 und viele schöne Termine!

Toni Lauerer

Werke des Kabarettisten Toni Lauerer: Er hat bisher sieben Bücher, zehn Hefte, neun Büchlein und sechs Theaterstücke geschrieben. Es wurden fünf Live-Aufnahmen und drei Hörbücher erstellt.

Leben: Der Standesbeamte ist 1959 in Furth im Wald geboren, hat sein Abitur in Cham gemacht und stand 1981 mit 22 Jahren erstmals vor einem kleinen Publikum auf der Bühne. Er schloss das Fachstudium für die gehobene Beamtenlaufbahn ab und war bis 1984 bei der Regierung von Oberbayern in München beschäftigt. Seit 1988 ist er bei der Stadt Furth im Wald als Standesbeamter tätig. Im Jahr 2000 folgte die erste Tournee, bei der 1000 bis 2000 Besucher pro Auftritt erschienen.

Erfolge: Der Oberpfälzer verkaufte bislang etwa 600 000 Werke. Besonders stolz ist er auf sein Buch „Hauptsach es schmeckt“, das nach Harry Potter in der Verkaufsliste auf dem zweiten Platz landete. 2002 bekam er für 33 000 Besucher in drei Jahren die „Goldene Eintrittskarte“ sowie den „Schorndorfer Kulturpreis“ überreicht. Er feierte sein 25-jähriges Bühnen-Jubiläum im Circus Krone in München. Sein Erfolgswerk „Apfent“ wurde auf Englisch übersetzt und ist in Amerika auf dem Markt. 2012 beschlossen Verantwortliche beim SSV Jahn Regensburg, zum Vereinsjubiläum eine neue Hymne für ihren Verein zu schaffen. Sie entschieden sich unter 40 Einsendungen für einen Text, den Lauerer eingeschickt hatte. Der Kabarettist wurde zudem auf Platz 12 der witzigsten Bayern gewählt und schaffte den 2. Platz beim Paulaner Solo-Kabarettpreis.

Radio: Toni Lauerer hatte schon viele Auftritte bei Bayern 1. Auch wurde er von dem Sender für einen täglichen Radio-Einsatz verpflichtet.

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