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Kultur

25 Minuten Zeit, die Jury zu begeistern

Zum sechsten Mal ist in der Liederbühne der Ostbayerische Kabarettpreis vergeben worden. Den Titel sicherten sich mit Hortkind Gäste aus Berlin.
Von Florian Reitmeier

  • „Da Ebner“ bot am Wochenende in Runding feinstes Musikkabarett aus Niederbayern. Fotos: Reitmeier
  • Ein Teil der Künstler mit der Jury und dem Betreiber des Robinson, Walter Thanner (4. v. r.). „Da Binser“ (3. v. r.) führte souverän durch den Abend.
  • Julian Wittmann sang über sein Studentenleben.
  • Hortkind waren aus Berlin in die Oberpfalz gekommen und überzeugten mit ihrer Performance das Publikum und die Jury.
  • Martin Frank bezog das Publikum in seine Nummer mit ein.

Runding.Lieder, Witze, Slapstickeinlagen: Das bekamen die Besucher am Samstag in der Liederbühne Robinson zu hören und zu sehen. Dort wurde zum sechsten Mal der Ostbayerische Kabarettpreis verliehen. „Herzlich Willkommen zum wichtigsten deutschen Kabarettpreis“, begrüßte Moderator Helmut A. Binser, selbst ein erfolgreicher Musikkabarettist, das Publikum im bis auf wenige Plätze besetzten Saal. „Ich freue mich, dass ich heute hier sein darf, ich hätte noch ein Angebot von der Eröffnung des Konzerthauses in Blaibach gehabt. 2000 Euro, aber ich hab’ nicht gewusst, wo ich auf die Schnelle das Geld auftreiben kann.“ Binser führte durch das Programm des Abends.

Vier Künstler spielten um den Kabarettpreis und hatten pro Auftritt 25 Minuten Zeit, das Publikum und die Jury für sich zu gewinnen. Der erste war Martin Frank aus der Nähe von Passau. Der 22-Jährige erzählte von seinem Leben auf dem Bauernhof, der Männerwirtschaft auf dem Hof und der Schwierigkeit, jemanden fürs Leben kennen zu lernen. Deswegen ging er auch im Rundiger Publikum auf Brautschau. „Mein Vater hat’s da leichter, der baut sich grad in Tschechien einen Harem auf.“ In spitzbübischer Art und Weise vermittelte er seine Sicht der Dinge. Er bezog dabei das Publikum mit ein, was ihm viel Gelächter einbrachte. Höhepunkt seines Auftritts war eine Opernarie.

Die Pointe überraschte

Der nächste Kabarettist kam „aus der Stadt mit dem schlechtesten Weißbier der Welt“, wie Binser sagte. Julian Wittmann aus Erding sang über sein Studentenleben. Zwischen seinen Liedern erzählte er eine humorvolle Geschichte, die die Lieder miteinander verknüpfte. Er variierte sehr stark mit seiner Stimme und begleitete den Gesang mit der Gitarre. Zwischendurch trug er ein Gedicht über die Zeit vor. Zum Schluss sang er ein Lied, „nach dem ihr nicht mehr die Alten sein werdet“. Ein Revolutionslied, gerichtet an seine Eltern, die seit kurzer Zeit Miete von ihm verlangen. Die Pointe überraschte dann doch die meisten und wurde mit langem Applaus quittiert.

Nach der Pause traten Hortkind aus der Bundeshauptstadt auf. Mit Berliner Schnauze zeigten die beiden Künstler den Gästen der Liederbühne etwas Neues. „Wir kommen eigentlich aus einem Genre, das jeder kennt, aber keiner mag: der Pantomime.“ Zu was diese imstande ist, zeigten die beiden anhand von Filmen, deren Namen sie nachstellten.

Polizisten und Singles

Mit perfekter Körperbeherrschung und einem ausgesprochenen Gespür für Timing führten die Künstler verschiedene Situationen des Alltags auf und kommentierten diese in schnoddriger Art und Weise. So zeigten sie beispielsweise, wie ein „High Five“ bei verschiedenen Berufsgruppen aussehen könnte und stellten mit großem Körpereinsatz die Besonderheiten von Sanitätern, Polizisten, Singles und Biologen auf. Ein Boxkampf, aufgeführt in Zeitlupe, war bei ihrer Performance einer der großen Hingucker.

Nach ihrem Auftritt leitete Binser zum letzten Teilnehmer des Abends über. Patrick Ebner, „da Ebner“, gab Kabarett aus Niederbayern zum Besten. Untermalt mit Gitarre und Mundharmonika, erzählte er Geschichten, die vor Situationskomik und Pointen nur so strotzten. „Weil ich möglichst viele Besucher erreichen will, gibt’s zunächst mal ein Mitsinglied“, sagte er. Der Refrain, den die Gäste mitzusingen hatten, war: „Am Scheißhaus haben no g’habt“. Viele Zuschauer fühlten sich bei dem Auftritt an Fredl Fesl erinnert: „Da Ebner“ erzählte zwischen seinen Liedern sehr viel und zögerte auch, während er schon spielte, seine Songtexte hinaus. Den Abschluss machte er mit einem Lied über Lebensträume, die zu erfüllen jeder Mensch anstreben sollte.

„Es war sehr knapp“

Nach einer erneuten Pause musste die Jury, die aus Siegi Mühlbauer, Matthias Meier und Holger Baum bestand, ihre Entscheidung treffen. „Es war sehr knapp“, sagte Binser und sprach den Künstlern, die nicht gewonnen hatten, Mut zu: „Ich hab’ auch schon bei vielen Preisen mitgemacht und nie einen gewonnen. Irgendwann darfst dann aber moderieren.“

Dem Betreiber des Robinson, Walter Thanner, fiel es zu, den Gewinner bekannt zu geben. Mit knappem Vorsprung gewann Hortkind aus Berlin den Preis. Nach der Preisverleihung gab es eine Zugabe des Gewinners. „Positiv denken“, lautete der Aufruf der beiden. Sogar Krankheiten könne man etwas Positives abgewinnen. „Nicht umsonst heißt es ja krank feiern.“

Kurz vor Mitternacht war die Veranstaltung zu Ende, und die Zuschauer konnten mit der Erkenntnis nach Hause gehen, junge, vielversprechende Künstler, denen eine große Karriere bevorsteht, gesehen zu haben.

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