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Roter Eber

2500 Retter probten den Ernstfall

Bei der größten Katastrophenschutzübung, die je in Ostbayern stattgefunden hat, wurde den Einsatzkräften alles abgefordert.
Von Johannes Schiedermeier und Michael Gruber

Das erste Opfer wird aus dem verunglückten Bus befreit und versorgt. Foto: si
Das erste Opfer wird aus dem verunglückten Bus befreit und versorgt. Foto: si

Chamerau.Eine riesiger Aufwand ist nötig, um das erste Katastrophenszenario zu bewältigen. 30 Verletzte müssen aus einen Bus gerettet werden, der nach dem Katastrophen-Drehbuch bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw von der Regenbrücke in Chamerau gestürzt ist. Nach dem Eintreffen des ersten Feuerwehr-Fahrzeuges „Miltach II“ geht es dann Schlag auf Schlag.

Eindrücke der Katastrophenübung Roter Eber

Dutzende von Rettungswagen treffen ein. Einige davon mit tschechischer Besatzung, der jeweils ein Dolmetscher des deutschen Rettungsdienstes gestellt wurde. Neben deutschen Feuerwehr-Fahrzeugen stehen auch die der tschechischen Kollegen. Für die rund 1000 Zuschauer auf der Regenbrücke erläutert Rettungsdienstleiter Mich Daiminger die Vorgänge unten auf der Wiese. So wird schnell deutlich, dass das, was für den Laien wie ein riesiges Chaos aussieht, im Grunde immer einer festen Gesetzmäßigkeit folgen soll. Zumindest klappt das bei der Übung wie geplant. Bei einem echten Ernstfall gehört auch ein glückliches Händchen dazu und viel Übersicht, wenn man alle eingesetzten Einheiten und Fahrzeuge bei einem derartigen Einsatz so ordnen will, dass nichts im Wege steht und das jeweils benötigte Fahrzeug auch tatsächlich eingesetzt werden kann.

Der Übungs-Katastrophenfall hat gezeigt, wie es schulmäßig klappen kann. Nur ein paar Zuschauer sind ab und zu im Weg. Aber das soll ja im Ernstfall auch vorkommen. Diesmal ist es halb so schlimm, denn Gaffer sind in diesem ganz speziellen Fall ja durchaus erwünscht.

Im Bus. Foto: si
Im Bus. Foto: si

30 Verletzte fanden die Retter realistisch geschminkt mit schwersten Verletzungen im umgestürzten Bus vor. Übereinander, kreuz und quer. Durch Frontscheibe und Dach verschaffte die Feuerwehr den Rettern Zutritt, bevor eineinhalb Stunden lang die Rettungsaktion ablief.

Notarzt im Anflug. Foto: ctm
Notarzt im Anflug. Foto: ctm

Zu einem Autowrack neben dem Regen in unzugänglichem Gelände seilte die Bergwacht aus dem Rettungshubschrauber den Notarzt auf eine Wiese direkt neben den drei eingeklemmten Verletzten ab. Diese mussten erst durch Abschneiden des Daches befreit werden.

Immer der Reihe nach. Foto: si
Immer der Reihe nach. Foto: si

Die Verletzten aus dem Bus werden vom Notarzt nach der Schwere ihrer Verletzungen zur Bergung geordnet. Jeder einzelne erhält eine Mannschaft zugeteilt, die ihn bis zu seinem Abtransport versorgt. Die Polizei, die an diesem Tag ebenfalls mit 45 Kräften im Einsatz ist, nimmt die Personalien auf. Jeder der 30 Verletzten wird in einem Krankenhaus der passenden Versorgungsstufe angemeldet.

Die Rettung kam mit dem Boot. Foto: si
Die Rettung kam mit dem Boot. Foto: si

Die drei Verletzten aus dem Auto wurden in einer Kooperation zwischen Rettungsdienst, DLRG, Wasserwacht und Bergwacht versorgt und auf Tragen geschnallt. Anschließend dienten Rettungsschwimmer dem angeseilten Boot als Antrieb, weil der Außenbordmotor nicht schonend genug für die Schwerverletzten war. Am gegenüberliegenden Ufer wurden die Verletzten dann abtransportiert.

Hilfe aus der Luft. Foto: si
Hilfe aus der Luft. Foto: si

Spektakulär sind die Flugkünste der Piloten von Polizei, Bundespolizei und ADAC, die mit ihren Helikoptern aus der Luft den angenommenen Waldbrand am Roßberg mit Außenbehältern unterstützen. Im Minutentakt proben die Piloten und ihre Bodenmannschaften der Feuerwehr die Betankung vor Ort und den Abwurf des Wassers im benachbarten Wald- und Wiesengelände.

Die Nachbarn kommen mit schwerem Gerät. Foto: si
Die Nachbarn kommen mit schwerem Gerät. Foto: si

Hilfe aus Tschechien kommt mit Rettungsmannschaften, Feuerwehreinheiten, aber auch mit schwerem Gerät. Der Löschpanzer rasselt begleitet von dichten Dieselwolken zum Waldrand, richtet seine Löschkanonen aus und schickte Wasser in zwei dicken Strahlen zwischen die Bäume. Von der Grenze hatte ihn ein spezieller Tieflader der Firma Rädlinger abholen müssen, weil er sonst nicht durch den Deschelbergtunnel gepasst hätte.

Grubenunglück. Foto: cgm
Grubenunglück. Foto: cgm

Unfall auf der Baustelle: Ein Mann ist in eine Baugrube gestürzt. Was für die Retter komplizierter ist, als es klingt. Damit das Erdreich nicht einbricht, ziehen Einsatzkräfte des Dachauer THW Holzwände ein. So gelangen die Sanitäter sicher zum Verletzten, der über einen Leiterschlitten an die Oberfläche gezogen wird.

Von der Spundwand an die Drehleiter. Foto: cgm
Von der Spundwand an die Drehleiter. Foto: cgm

Nach einer Gasexplosion wurde ein Bauarbeiter zwischen eine Spundwand geschleudert. Er hat das Bewusstsein verloren und sein Standort könnte nicht ungünstiger sein: Kaum größer als zehn Zentimeter misst der Spalt, durch den die Sanitäter den Patienten für den Transport stabilisieren müssen. Mithilfe der Drehleiter der Feuerwehr Neukirchen befreien die Einsatzkräfte den verletzten Bauarbeiter aus seiner misslichen Lage.

Gasexplosion im Fire-Trainer. Foto: cgm
Gasexplosion im Fire-Trainer. Foto: cgm

Eine Wohnung steht lichterloh in Flammen – der Bewohner ist bewusstlos und droht zu ersticken. Dieses Szenario haben die Einsatzkräfte in einem sogenannten Fire-Trainer simuliert. Mit Gas wurde eine Stichflamme erzeugt, die das Können des Atemschutztrupps auf die Probe gestellt hat. Kurz nach dem Eindringen wurden die Retter von einem Flash-Over überrascht, der das Feuer explosionsartig aus der Tür schießen lässt.

Der Fall in die Montagegrube. Foto: cgm
Der Fall in die Montagegrube. Foto: cgm

Ein Handwerker steht in seiner Werkstatt auf einer Leiter, um einen Halogen-Strahler zu reparieren, bis das Unglück zuschlägt. Er verliert das Gleichgewicht und wird in eine Montagegrube geschleudert, über der ein Kleinlaster parkt. Diesem fehlt zu allem Übel der Motor, weshalb THW, BRK und Feuerwehren erst einmal kräftig anschieben mussten. Beim Verletzten angekommen, erwartet die Sanitäter der fiese Anblick einer Eisenstange.

Die Entpfählung. Foto: cgm
Die Entpfählung. Foto: cgm

Beim Sturz fiel der Handwerker auf eine Eisenstange, die den linken Oberschenkel durchbohrt hat. Die Spezialtruppe „Tiefbau“ der Feuerwehr Dachau und die örtlichen Retter musste einen Weg finden, das Eisen für die Bergung des Verletzten zu durchtrennen. Mit chirurgischer Genauigkeit schnitten sie mit einer Flex die Stange erst von oben und dann unterhalb des Oberschenkels des Patienten ab.

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