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Sicherheit

2500 Retter üben die Katastrophe

Der Rote Eber ist die größte Katastrophenschutzübung, die Ostbayern je gesehen hat. Sie findet am 9. Juni bei Chamerau statt.
Von Johannes Schiedermeier

Das Szenario eines Busunfalles, wie hier in Blaibach geübt, wird alleine 220 Rettungskräfte mit 50 Fahrzeugen binden, wenn die Katastrophenschutzübung „Roter Eber“ am Samstag, 9. Juni, bei Chamerau stattfindet. Foto: si
Das Szenario eines Busunfalles, wie hier in Blaibach geübt, wird alleine 220 Rettungskräfte mit 50 Fahrzeugen binden, wenn die Katastrophenschutzübung „Roter Eber“ am Samstag, 9. Juni, bei Chamerau stattfindet. Foto: si

Chamerau.„Des is scho der Wahnsinn!“ Die beiden Organisatoren, Kreisbrandrat Mike Stahl und Rettungsdienstleiter Mich Daiminger, haben für die Großübung „Roter Eber“ unabhängig voneinander dieselbe Einordnung gefunden. Und der Vater des Gedankens wollte auch keiner so recht sein. Das Kind ist riesig. Es droht eine schwere Geburt.

Der „Rote Eber“ ist die größte Katastrophenschutzübung, die je in Bayern stattgefunden hat. Weit mehr als 2500 Rettungskräfte, Feuerwehrkräfte und Polizisten werden daran teilnehmen. Im Frühjahr 2017 sei die Idee geboren worden. So recht will sich heute keiner mehr daran erinnern, wer es genau gewesen ist. Auf jeden Fall ziehen jetzt alle an einem Strang. Im Landratsamt wurden die verschiedenen Einsatzbereiche aufgeteilt. Unter anderem wurde Gefahrgut-Fachberater Bernhard Hatzinger mit hinzugezogen, sagt der Kreisbrandrat.

Schweres Gerät und Ehrengäste

Die Luftunterstützung: Bis zu sieben Hubschrauber werden bei der Übung im Einsatz sein. Sie werden mit der Bergwacht Verletzte mit der Winde retten, aus der Luft Löscharbeiten in unzugänglichem Gelände unterstützen und einen guten Überblick über die Lage gewährleisten. Foto: si
Die Luftunterstützung: Bis zu sieben Hubschrauber werden bei der Übung im Einsatz sein. Sie werden mit der Bergwacht Verletzte mit der Winde retten, aus der Luft Löscharbeiten in unzugänglichem Gelände unterstützen und einen guten Überblick über die Lage gewährleisten. Foto: si

Heute, nach eineinhalb Jahren, stehen Drehbuch und Zeitplan für die Großübung. 50 Prozent der Einsatzkräfte kommen aus dem Landkreis Cham. Weitere Kräfte rücken aus Unterfranken, Mittelfranken und Oberbayern an. Rund 150 weitere Helfer kommen aus dem Nachbarland Tschechien. Sie bringen Busse für die Zuschauer mit. Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat ebenso zugesagt wie sein tschechischer Amtskollege Lubomir Metnar. Noch immer wird im Landratsamt über einigen Problemen gebrütet. Zum Beispiel darüber, wie man den tschechischen Löschpanzer über die Grenze an den Einsatzort bringt. Er wiegt 68 Tonnen und hat auf dem Tieflader eine Transportbreite von 3,60 Metern und eine Höhe von 4,60 Metern. „Das muss erst einmal alles hier rüber“, sagt Kreisbrandrat Mike Stahl.

Die schwere Truppe: Zum schweren Gerät gehört neben etlichen Großraum-Löschfahrzeugen auch ein tschechischer Löschpanzer, der die Organisatoren im Vorfeld mit seinen 68 Tonnen, 4,60 Metern Höhe und 3,60 Breite auf dem Tieflader vor logistische Probleme gestellt hat. Foto: si
Die schwere Truppe: Zum schweren Gerät gehört neben etlichen Großraum-Löschfahrzeugen auch ein tschechischer Löschpanzer, der die Organisatoren im Vorfeld mit seinen 68 Tonnen, 4,60 Metern Höhe und 3,60 Breite auf dem Tieflader vor logistische Probleme gestellt hat. Foto: si

Und selbst wenn die Planung steht, bleibt immer noch die drangvolle Enge an den Übungsorten. Die Herausforderungen sind groß. Ein Übungsszenario sieht den technischen Defekt eines Harvesters auf dem Gillisberg vor. Auslaufendes Hydrauliköl sorgt für zwei Verletzte und einen Waldbrand. Von vier Seiten soll dem Problem zu Leibe gerückt werden. Besonders spannend wird die Versorgung auf dem Berg durch Pumpen aus dem Regen bei der Urleiten. „Die Pumpen sind eigentlich für das Wegpumpen von Hochwasser vorgesehen. Sowas hat noch keiner ausprobiert“, sagt der Kreisbrandrat. 3000 bis 4000 Liter Wasser pro Minute sollen im besten Fall auf den Gillisberg zum Brandort gepumpt werden. Hilfe kommt zusätzlich von Helikoptern, die auf freiem Feld betankt werden oder sich Wasser aus dem Regen und dem Blaibacher See holen. Kreisbrandrat Mike Stahl hofft nun, dass das Wetter wenigstens einigermaßen passt und bei der Übung nichts passiert. Wenn alles geklappt hat, dann denkt auch keiner mehr an die mehreren hundert Planungsstunden, die alle Beteiligten investiert haben.

1800 Brotzeiten, 500 Schnitzel

Der Retter: Vor großen Herausforderungen stehen auch die Rettungsdienste. Allein das Szenario des Busunfalles wird 50 Fahrzeuge und 220 Rettungskräfte binden. Dazu kommen Bergwacht und Wasserwacht, die im Wasser und in unwegsamem Gelände eingesetzt werden. Foto: si
Der Retter: Vor großen Herausforderungen stehen auch die Rettungsdienste. Allein das Szenario des Busunfalles wird 50 Fahrzeuge und 220 Rettungskräfte binden. Dazu kommen Bergwacht und Wasserwacht, die im Wasser und in unwegsamem Gelände eingesetzt werden. Foto: si

Das zweite Standbein der Großübung ist der Rettungsdienst. Hier plant Rettungsdienstleiter Mich Daiminger. Er hat uns ein wenig hinter die Kulissen blicken lassen, auf eine Arbeit, die am Übungstag keiner sieht. Das Ehrenamt stemmt am Freitag mal schnell 1200 Wurstsemmeln, Müsliriegel und Gulasch für alle. Am Samstag kommen 1800 Lunchpakete und 150 Frühstücke an den Mann. Mittags gibt es 500 Schnitzel. Für den warmen Teil des Essens sorgen die BRK-Mannschaften in den Seniorenheimen des Landkreises.

Die Geländegängigen: Bei einem Unfall mit Waldbrand werden Feuerwehr, Rettungsdienst und Bergwacht ihre Geländegängigkeit unter Beweis stellen müssen. Von vier Seiten wird der Brand auf dem Gillisberg bekämpft. Das Wasser kommt bis aus dem Regen bei der Urleiten. Foto: si
Die Geländegängigen: Bei einem Unfall mit Waldbrand werden Feuerwehr, Rettungsdienst und Bergwacht ihre Geländegängigkeit unter Beweis stellen müssen. Von vier Seiten wird der Brand auf dem Gillisberg bekämpft. Das Wasser kommt bis aus dem Regen bei der Urleiten. Foto: si

Und das ist nur hinter den Kulissen. Vorne spielt die eigentliche Musik. Der Rettungsdienst sichert nicht nur die gesamte Übung ab, er tut auch das, was sein eigentlicher Job ist: Er rettet. Und das nicht zu knapp. Alleine beim Szenario des Busunfalles koordiniert Daimingers Stab 50 Einsatzfahrzeuge vor Ort. Dazu kommen die Retter zu Wasser und in der Luft. Denn auch Wasserwacht und Bergwacht werden ihren Teil beitragen. Verletzte werden mittels Winde geborgen oder mit Booten über den Regen transportiert. Neben den Unfällen wird auch der Absturz von drei Feuerwehrmännern während der Löscharbeiten simuliert. Hier beweist der Rettungsdienst mit speziellen Teams und der Bergwacht seine Geländegängigkeit im Notfall.

Auch spezielles lebensrettendes Wissen wird abgefragt. Zum Beispiel, wenn in einem Übungsszenario eine Sundwand umfällt und ein Arbeiter dabei Pfählungsverletzungen erleidet. Gleichzeitig werden drei tschechische Rettungsteams mit eingebunden. Für sie gibt es tschechisch sprechende Mitarbeiter des BRK.

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