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Justiz

300 Euro Strafe für Griff ans Gesäß

Das Chamer Amtsgericht hat einen Strafbefehl gegen einen Perser wegen sexueller Nötigung bestätigt..

Ein Polizist aus Roding war der Erste, der aussagen musste. Foto: Patrick Pleul/dpa
Ein Polizist aus Roding war der Erste, der aussagen musste. Foto: Patrick Pleul/dpa

Cham.Gegenseitige Schuldzuweisungen prägten den Strafprozess gegen einen Perser vor dem Chamer Amtsgericht. Der junge Mann befand sich der Anklage zufolge am 2. Dezember 2017 mit Freunden in einer Rodinger Diskothek. Dort soll er gegenüber einer 16-Jährigen zudringlich geworden sein und ihr an das Gesäß gefasst haben.

Nach Aussage des Angeklagten war er es, der von ihr berührt worden war. Erst nachdem sie ihn dreimal am Po berührt hatte, habe er ihr auch einmal auf den Po geklatscht. Zuvor hätte die junge Frau ihn mehrfach provoziert und behauptet, dass er homosexuell sei. Zudem sei in seiner Kultur das Berühren am Po ein Hinweis auf die dort allseits verpönte Homosexualität. Eine der Berührungen seitens der Jugendlichen habe sogar zwischen seine Beine gezielt. Er habe sie ferner einmal an der Hand gepackt, um weitere Berührungen zu verhindern. Weitere Personen hätten das Geschehen beobachtet und sich aktiv eingemischt. So habe beispielsweise ein Freund der Geschädigten einem Bekannten des Angeklagten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Ein Wortgefecht sei der Gewalt vorausgegangen.

Die Beweisaufnahme begann mit der Aussage eines Polizisten aus Roding. Am Tattag sei vor der Diskothek eine Gruppe randalierender Jugendlicher gemeldet worden. Tatsächlich habe er mit einem Kollegen um die 35 Personen vor der Tür vorgefunden. Sofort hätten mehrere Personen den Angeklagten der sexuellen Nötigung bezichtigt und ihn per Fingerzeigen identifiziert. Die Polizei habe versucht, den Mann festzuhalten, dies sei nur unter großer Anstrengung gelungen.

Der Mann habe einen Alkoholtest verweigert und sich auch sonst sehr unkooperativ verhalten. Ohne Frage sei er und sein Begleiter alkoholisiert gewesen, bei der Anzeigenstellerin sei nichts dergleichen festzustellen gewesen. Es habe den Anschein erweckt, dass der Perser die Flucht vor weiteren Polizeimaßnahmen ergreifen wollte. Dies erklärte er Richter Wolfgang Voit mit der Bedrohungslage durch die aggressiven Personen vor der Diskothek.

Die Geschädigte erklärte, dass der Angeklagte sie in den Po gekniffen habe, worauf sie ihn von sich weggestoßen habe. Sie wüsste nicht, wann sie ihn zuvor berührt haben sollte. Auch Vorwürfe bezüglich einer angeblichen Homosexualität habe sie nie ausgesprochen. Er habe sie nie an der Hand gepackt, sondern ausschließlich am Gesäß. Draußen habe er geäußert, dass solche Übergriffe für ihn normal seien. Sie habe eine normale Hose getragen, ihre Kleidung sei keinesfalls aufreizend gewesen.

Nachdem der Angeklagte noch schilderte, dass er nach dem Vorfall Angst vor deutschen Frauen habe und sich nicht mehr aus dem Haus traue, schaltete sich das Gericht ein. Der Richter wies darauf hin, dass eine weitere Beweisführung zur endgültigen Ermittlung des Sachverhalts für den Angeklagten auch negative Folgen haben könnte. Eine schärfere Verurteilung als im Strafbefehl sei durchaus möglich. Die Rücknahme des vor der Verhandlung eingelegten Einspruchs sei daher anzuraten.

Der Angeklagte kam dem Vorschlag nach kurzer Bedenkzeit nach, gegen eine Zahlung von 300 Euro – lautet der Strafbefehl, gegen den der Einspruch lief – ist die Sache für ihn nun erledigt. Eine Verurteilung wäre angesichts der Beweislage schwierig geworden, auch da ein weiterer geladener Zeuge nicht erschienen war. Ein neuer Termin konnte durch die Einspruchsrücknahme vermieden werden. (cya)

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