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Theater

6000 Zuschauer sahen den Weiberstreik

Alle Vorstellungen ausverkauft: Die Rückkehr des Stücks auf den Kötztinger Ludwigsberg war ein Triumph für die Festspieler.
Von Alois Dachs

Bei der geballten „Frauenpower“ rutscht den mutigen Kriegern im „Weiberstreik“ schnell das Herz in die Hose. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Bei der geballten „Frauenpower“ rutscht den mutigen Kriegern im „Weiberstreik“ schnell das Herz in die Hose. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Bad Kötzting.Was mussten sie sich nicht alles an den Kopf werfen lassen, die „streikenden Weiber“ vom Ludwigsberg: Als „Schicksn“, „Matzn“, „oide Britschn“ und mit ähnlichen „Kosenamen“ wurden sie von ihren kriegerischen Männern beschimpft, als sie den Dienst am Herd und den Spass im Bett verweigerten. Die „Frauenpower“ setzte sich trotzdem durch und allen Widrigkeiten und Zweifeln an der eigenen Entschlossenheit zum Trotz schaffte es der „internationale Weiberrat“, unter dem Kommando von Lyssi (Angelika Schingale), die Friedensmission durchzuziehen.

Ein „Lustspiel“ besonderer Art

Die Waldküren unterstützten den „Weiberrat“ nach Kräften bei der Einschüchterung der Männer, die mit allerlei Tricks und Kniffen versuchten, ihre Frauen wieder für Tisch und Bett zu gewinnen. Auch die kleinste Kriegerin beherrschte das Kämpfen und Marschieren schon perfekt. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Die Waldküren unterstützten den „Weiberrat“ nach Kräften bei der Einschüchterung der Männer, die mit allerlei Tricks und Kniffen versuchten, ihre Frauen wieder für Tisch und Bett zu gewinnen. Auch die kleinste Kriegerin beherrschte das Kämpfen und Marschieren schon perfekt. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Der Weiberstreik“ – nach 18 Jahren zum zweiten Mal nach dem Stück von Johannes Reitmeier und Thomas Stammberger als „Lysistrata in Bayern“ inszeniert, feierte in der Bearbeitung und unter der Regie von Johannes Reitmeier und Barbara Kerscher wahre Triumphe. Zehn ausverkaufte Vorstellungen, das ist einfach nicht zu toppen! Zumal eine Vorstellung wegen eines Gewitters abgebrochen werden musste und der „Ersatzauftritt“ am Donnerstag ebenfalls so gut besetzt war, wie nie zuvor eine Ersatzvorstellung, freute sich Beate Bauer, die „Mutter Courage“ und unermüdliche Motorin als Vorsitzende der Festspielgemeinschaft am Ludwigsberg.

Premiere für den Weiberstreik

Der Barde Lolu (2. Vorsitzender Johannes Kerscher) litt als einziger Mann nicht unter dem Streik der holden Weiblichkeit. In seinem Baumhaus hatte er nicht nur den großen Überblick, sondern auch Zeit, seine Blumen zu gießen und mit Hingabe seine Musik zu pflegen. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Der Barde Lolu (2. Vorsitzender Johannes Kerscher) litt als einziger Mann nicht unter dem Streik der holden Weiblichkeit. In seinem Baumhaus hatte er nicht nur den großen Überblick, sondern auch Zeit, seine Blumen zu gießen und mit Hingabe seine Musik zu pflegen. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Schon bei der Premiere am 28. Juli war den Mitwirkenden und den vielen Mitarbeitern schnell klar: „Das wird ein Renner!“. Selten zuvor ging ein Premierenpublikum so begeistert mit und belohnte die erstklassige schauspielerische Leistung mit nicht enden wollendem Applaus. „Es gibt halt viel zu lachen“, sagt Beate Bauer. Aber die rund 6000 Zuschauer, die sich im Laufe der zehn Vorstellungen über die couragiert eingesetzte „Frauenpower“ ebenso amüsierten, wie über den „Männerstriptease“, den die ob der Hartnäckigkeit ihrer Gemahlinnen völlig verzweifelten Krieger als letztes Mittel so gekonnt anwendeten, dass viele „Tränen lachten“ über die gelegentlich ungelenken, aber hoch ambitionierten Schönheitstänzer.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie mit Impressionen vom Weiberstreik

Lesen Sie hier: Reitmeiers Bühne ist der Bayerwald – Als Kind ließ Johannes Reitmeier die Puppen tanzen. Zum Jubiläum am Ludwigsberg lässt der Erfolgs-Regisseur Weiber streiken. Unser Porträt aus der Serie „Köpfe aus dem Woid“

Ins Schwärmen gerieten viele Zuschauer auch über die „Wahnsinnskulisse“, die unter der Gesamtregie von Franz Bachl in Monate langer Arbeit geschaffen wurde. „Seit dem 7. April haben wir daran gearbeitet“, sagte die Vorsitzende und es waren ungezählte Stunden, die von den Freiwilligen des „Holzbautrupps“ geleistet wurden, um ein Hüttendorf zu schaffen, das in dieser Ausführung wohl einmalig in ganz Deutschland ist.

Gemeinschaftsleistung zählt

Zufriedene Gesichter gab es bei „Finanzminister“ Kurt Kühlmeyer und seinem Stellvertreter Franz Wellisch im Kassenhäuschen. Zehn ausverkaufte Vorstellungen im ersten Jahr und jedes Mal ein Publikum, das auf dem Heimweg noch über die köstlichen Szenen lachte – einfach Klasse! Fotos: Christa Rabl-Dachs
Zufriedene Gesichter gab es bei „Finanzminister“ Kurt Kühlmeyer und seinem Stellvertreter Franz Wellisch im Kassenhäuschen. Zehn ausverkaufte Vorstellungen im ersten Jahr und jedes Mal ein Publikum, das auf dem Heimweg noch über die köstlichen Szenen lachte – einfach Klasse! Fotos: Christa Rabl-Dachs

Stadtrat Robert Riedl wies in seiner Begrüßung bei der letzten Vorstellung dieser Saison am Sonntagabend deshalb ausdrücklich auf die vielen Helfer im Hintergrund hin, denn die Gemeinschaftsleistung mache den besonderen Charme der Festspiele am Ludwigsberg aus. Dazu gehöre die Wurstsemmelverkäuferin ebenso, wie die Hauptdarsteller auf der Bühne. Neben den Mitgliedern der Festspielgemeinschaft übernahmen auch viele „Nicht-Schauspieler“ Aufgaben bei der Parkplatzwache, der Fahrzeugeinweisung, bei der Platzanweisung im Zuschauerraum und vielen anderen Gelegenheiten. Begeistert vom Zusammenhalt der „Truppe“, in der mittlerweile schon drei Generationen aus einzelnen Familien mitarbeiten, zeigt sich auch Vorsitzende Beate Bauer.

Schwer angeschlagen durch die Verweigerung sämtlicher Liebesdienste musste sich der gamsige Kulnesias (Uli Treitinger) bei seinen geilen Annäherungsversuchen von seiner Myrrhika (Monika Hollmeier) nicht nur an der Nase herumführen, sondern gewaltig einschmieren lassen. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Schwer angeschlagen durch die Verweigerung sämtlicher Liebesdienste musste sich der gamsige Kulnesias (Uli Treitinger) bei seinen geilen Annäherungsversuchen von seiner Myrrhika (Monika Hollmeier) nicht nur an der Nase herumführen, sondern gewaltig einschmieren lassen. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Nachdem bei den jüngsten Neuwahlen auch Mitglieder Verantwortung übernahmen, die schon als kleine Kinder vor 25 oder 30 Jahren am Ludwigsberg mitspielten, scheint auch die Zukunft gesichert. Besondere Freude machen den Akteuren dabei die Jüngsten, die bereits mit vier oder fünf Jahren mit Engagement ihre Rollen einstudieren und voller Begeisterung auf der Bühne mitmachen. Die Spielfreude war allen Beteiligten bei der letzten Vorstellung der Saison anzusehen. Und sie übertrug sich sofort auf das Publikum, das sich über die köstlichen Dialoge und die neuen Einfälle der Regie bestens amüsierte. Diesen internationalen „Weiberstreik“ muss man einfach sehen!

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