mz_logo

Region Cham
Donnerstag, 20. September 2018 25° 1

Generalversammlung

66 Seiten Text für eine Kontoeröffnung

Raiffeisenbank-Vorstände schildern in Bad Kötzting überbordende Bürokratie im Geldgeschäft. Bank wuchs dennoch stark.
Von Roman Hiendlmaier

Bank- und Bürokratie-Bilanz: Raiffeisenbank-Vorstand Michael Wurm (r.) und sein Kollege Reinhard Stahl (l.) nahmen die Mitglieder mit in ihr Tagesgeschäft aus immer mehr Regularien und Auflagen. Fotos: rh
Bank- und Bürokratie-Bilanz: Raiffeisenbank-Vorstand Michael Wurm (r.) und sein Kollege Reinhard Stahl (l.) nahmen die Mitglieder mit in ihr Tagesgeschäft aus immer mehr Regularien und Auflagen. Fotos: rh

Bad Kötzting.Es war eine Abrechnung mit einer offenbar immer größeren Welle an Bürokratie, die aktuell über die Banker hereinbricht. Die Bad Kötztinger Raiffeisenbank-Vorstände Reinhard Stahl und Michael Wurm gaben bei der Generalversammlung am Donnerstagabend den Eignern von Genossenschaftsanteil einen so prägnanten Einblick in die das Tagesgeschäft belastenden Regulations- und Dokumentationspflichten, dass das stattliche Wachstum der Bank in ihrem eigentlichen Geschäft beinahe in den Hintergrund gedrängt wurde.

BAIT, MaSI, IDD, MIFID II,...

Michael Wurm zitierte Kanzleramtsminister Altmaier, der vor kurzem feststellte: „Deutschland erstickt in zu viel Bürokratie“, um aus seiner 25-jährigen Erfahrung zu plaudern: Wenn er in seiner Ausbildung Mitte der 90er Jahre ein Konto eröffnete, füllten der Kunde und er gemeinsam ein DIN-A5-Formular aus. Der Kunde unterschrieb – fertig. „Bei diesem Vorgang heute enthält das Vertragsmaterial insgesamt 66 Seiten und es sind acht Unterschriften zu leisten,“ sagte Michael Wurm.

„BAIT“, „MaSI“, „IDD“, „MIFID II“, EU-Datenschutzgrundverordnung, Beschwerdemanagement.... Bei Wurms Aufzählung der Kürzel für neue Gesetze und der Anforderungen allein in den ersten Monaten dieses Jahres konnten auch die überwiegend bank-affinen Zuhörer nur noch mit dem Kopf schütteln. Wie sich die Bürokratie in Kosten für EDV-Aufwendungen, Mitarbeiter-Fortbildungen sowie Sicherheits- und Prüf-Einrichtungen auswirkt – von der Auswirkung auf die Motivation ganz zu schweigen – erläuterte am Donnerstag Wurms Vorstandskollege Reinhard Stahl. Er dankte seiner aufgrund der Kostendisziplin trotz steigender Anforderungen konstant großen Belegschaft für ihr Engagement, den steinigen Weg mitzugehen.

Lesen Sie hier: Die Raiffeisenbank Chamer Land wächst in allen Geschäftsbereichen – doch unterm Strich sinkt weiterhin der Gewinn.

Dass die insgesamt 35 Mitarbeiter im vergangenen Jahr einen guten Job gemacht haben, darüber ließ Reinhard Stahl Zahlen sprechen: Zu Jahreswechsel stand mit einem um knapp fünf Prozent auf 185 Millionen Euro gestiegenen Bilanzvolumen das stärkste Wachstum seit Jahren in den Raiffeisenbank-Büchern. Im Detail bedeutete dies: Mit 79 Millionen Euro acht Prozent mehr Kredite ausgegeben, den Wertpapierbestand um knapp sechs Prozent auf 91 Millionen Euro erhöht. Die für Liquidität und Investitionskraft wichtigen Kundeneinlagen wuchsen um über fünf Prozent auf knapp 150 Millionen Euro. Stahl betonte, dass sein Haus weiter auf Wachstum mit Augenmaß setze, die Kreditausfälle tendierten weiter „gegen Null“.

Raiba 2017 in zahlen

  • Bilanzssumme

    185 Millionen Euro (+4,8 %)

  • Einlagenvolumen

    150 Millionen Euro (+6,6 %); betreutes Kundenvolumen 328 Millionen Euro (+7,0%)

  • Kreditvolumen

    78,5 Millionen Euro (+7,9 %)

  • Kunden

    9680

  • Mitglieder

    2971 (+75)

  • Niederlassungen

    Zentrale plus sieben Bankstellen

  • Mitarbeiter

    35 im Bankgeschäft

Durch die Niedrigzinsphase hätten die Zinserträge auch 2017 nicht ausgereicht, die Kosten und Vorsorgeaufwendungen der Bank zu decken. Das Provisionsgeschäft mit Geldanlagen und Versicherungen machte es aber möglich, dass die Raiba-Banker alle Anforderungen erfüllen, die Gebühren konstant und die Filialen auf dem Stand der Zeit halten konnten: Neue Geschäftsräume in Zandt, Modernisierung in Grafenwiesen und neue Räume für den Versicherungsdienst in Harrling, listete Michael Wurm auf. Alle Geldautomaten haben nun zum Schutz vor Einbrüchen ein Sicherheitssystem, das bei geringen Erschütterungen Geldscheine durch Farbe unbrauchbar macht.

Drei Prozent Dividende

Unterm Strich blieb der Bank 2017 rund 350 000 Euro über, die zum Großteil in die Rücklagen für neue Aufwendungen und Investitionen flossen. Einen Teil erhalten die Bank-Genossen, deren Anteilsscheine wie im Vorjahr mit drei Prozent verzinst werden.

Der auf der Versammlung wiedergewählte Aufsichtsratschef Ludwig Baum gartner hätte sich zwar etwas mehr Ertrag gewünscht, wie er sagte, zeigte sich mit der Bilanz aber am Ende ebenso zufrieden wie die Versammlung. Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat erfolgte einstimmig. Eine gute Nachricht hatten Stahl und Wurm am Ende für alle Anteilseigener: In den ersten Monaten 2018 war die Bank ähnlich gut unterwegs wie im Vorjahr.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht