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Gesundheit

Abrechnung mit dem Wellness-Versprechen

Wem nutzen Nahrungsergänzungsmittel? Praktisch niemandem, sagt Gesundheitstrainerin Theresia Kunz in Bad Kötzting.
von Dietrich Donath

Gesundheitstrainerin Theresia Kunz rät zur ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, Fett und Zucker.
Gesundheitstrainerin Theresia Kunz rät zur ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, Fett und Zucker. Foto: dpa

Bad Kötzting.Wem nutzen Nahrungsergänzungsmittel? Zu diesem aktuellen Thema hatte der Obst- und Gartenbauverein die Referentin Theresia Kunz geladen. Rund 30 Besucher zeigten im Gasthaus Januel großes Interesse an dem interessanten Thema. Kunz ist studierte Sozialpädagogin und ausgebildete Gesundheitstrainerin, die sich durch jährliche Fortbildungen stets auf dem aktuellen Stand der Ernährungswissenschaft befindet.

Ihr Fazit vorweg: Nahrungsergänzungsmittel (NEM) braucht, mit wenigen speziellen Ausnahmen, keiner. Sie nützen jedoch der Industrie, die sie in steigendem Maße produziert und den Verkäufern.

Durch Aufmachung und Verpackung, meist Pillen, Kapseln oder Pulver, entsteht der Eindruck es handle sich um Arzneimittel. In Wahrheit sind es eben keine Arzneimittel, sie unterliegen deshalb auch nicht den strengen Anforderungen der Arzneimittelprüfung, insbesondere auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Typisch für die irreführende Werbung der Industrie präsentierte die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Tirschenreuth einen Werbetext der Kneipp Heilmittel Werke: „Ich nehme sie, weil sie gesund sind. Mein Mann nimmt sie, weil ich es ihm sage. Meine Kinder nehmen sie, weil sie gut schmecken. So hat jeder etwas davon – vor allem eine optimale Magnesium-Calcium-Versorgung.“

Der Vorsitzende des OGV Bad Kötzting, Georg Hainzinger, übergab ein kleines Dankeschön an Theresia Kunz für ihre klaren Worte.
Der Vorsitzende des OGV Bad Kötzting, Georg Hainzinger, übergab ein kleines Dankeschön an Theresia Kunz für ihre klaren Worte. Foto: kdd

Nicht nur, so Kunz, dass das den Prinzipien von Pfarrer Kneipp widerspricht, seinen guten Name skrupellos vermarktet, sei die Aussage schlicht falsch. Magnesium und Calcium sind, wenn nicht ein sehr seltener Mangel besteht, nicht „gesund“, außerdem bestehen ihrer Ansicht nach erhebliche Zweifel ob die Inhaltsstoffe in dieser Form vom Organismus überhaupt aufgenommen werden.

Die Werbung suggerieren NEM Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden, frei von Nebenwirkungen – kurz: NEM braucht jeder. Dies sei schlichtweg falsch, so der Ernährungs-Profi. Wellness sei ein Modewort der Werbung. Wer nicht unter einem seltenen Mangel leide, den nur der Arzt diagnostizieren könne, tut seiner Gesundheit mit solchen Präparaten nichts Gutes.

Auch der Eindruck „natürlich“ sei falsch. Es sind Stoffe die den natürlichen Nahrungsstoffen chemisch entsprechen, sie sind synthetisch hergestellt, es fehlen die in der Nahrung vorhandenen Begleitstoff-Komplexe. Dadurch ist die Wirksamkeit oft zweifelhaft – und eine Überdosierung kann durchaus schädlich sein.

Fakt ist: Die Menschen in Deutschland sind generell gut mit Nährstoffen versorgt – und ein ungesunder Lebensstil lässt sich nicht durch NEM ausgleichen. Besonders kritisch sind alle Angebote im Internet oder im Direktvertrieb zu bewerten, da ist oft nicht einmal die Herkunft klar. Skrupellose Händler erzielen enorme Verdienste, die Produkte sind bestenfalls unnütz, leider aber oft schädlich. Je „geheim-nisvoller“ und universeller solche „Wundermittel“ sind, desto mehr gelte: Finger weg!

Allerdings gebe es Ausnahmen, wenn auch wenig, so Theresia Kunz. NEM bräuchten Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere (Folsäure), Personen, die zu wenig Nahrung aufnehmen wie hochbetagte Senioren) und Menschen mit bestimmten Unverträglichkeiten oder Krankheiten. Aber: Den Mangel und die Art der gegebenenfalls zweckmäßigen Nahrungsergänzung kann nur der Arzt feststellen.

Was bleibe, sei ihr Rat zur ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, Fett und Zucker. Und wem das zu pauschal sei, für den hatte die Ernährungsexpertin fünf Regeln für gesunde Ernährung: Lebensmittel essen, die pflanzlichen Ursprungs sind und keine Produkte essen, die nicht verderben, keine Tradition haben, an der Tankstelle verkauft werden und Oma nicht als Lebensmittel erkennen würde!

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