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Abschied von vier Originalen

Bürgermeister Schwarzfischer fand persönliche Worte für Johann Bräu, Josef Janker, Walter Dummer und Lothar Mandl.
Sigismund Fuchs

Die geehrten langjährigen Gemeinderatsmitglieder mit Bürgermeister Thomas Schwarzfischer (rechts) Fotos: Fuchs
Die geehrten langjährigen Gemeinderatsmitglieder mit Bürgermeister Thomas Schwarzfischer (rechts) Fotos: Fuchs

Zell.Mit persönlichen, teils emotionalen Worten hat Bürgermeister Thomas Schwarzfischer bei der letzten Sitzung des alten Gemeinderats vier langjährige Vertreter des Gremiums verabschiedet. „Nach vielen Jahren als Gemeinderäte seid ihr zu politischen Schwergewichten in der Gemeinde geworden. Jeder von euch hatte seine Stärken und seine Eigenart als Mensch und Gemeinderat – vergleichbar mit den Steinen vom neuen Kreuzweg zur Burg. Klein, groß, kantig oder rund“, sagte das Gemeindeoberhaupt an die Adresse von Johann Bräu, Josef Janker, Walter Dummer und Lothar Mandl. „Natürlich“, befand er weiter, „braucht ihr auch einen entsprechenden Platz für eure Erinnerungstafel. Dazu gibt es einen Findling aus der Gemeinde Zell, den ihr mit eurer Erinnerungstafel dort aufstellen könnt, wo ihr wollt.“

Mit der Einladung zur 71. Gemeinderatssitzung in dieser Wahlperiode ende für das Quartett eine außerordentliche Zeit, meinte Schwarzfischer. „Keiner hätte auch jemals erwartet, dass diese Verabschiedung unter solchen Bedingungen stattfindet. Corona und Abstand haben uns fest im Griff. Trotzdem war es mir wichtig, diese Verabschiedung jetzt durchzuführen.“

Jeder hätte es wieder geschafft

Wenn jetzt nach 18 oder 24 Jahren die aktive Zeit ende, könnten die Vier stolz sein. Schwarzfischer: „Ihr habt bewusst entschieden, nicht mehr zu kandidieren. Ich bin mir sicher, dass jeder von euch den Sprung wieder geschafft hätte. Nein – ihr habt entschieden: Es reicht jetzt! Es gibt andere, Jüngere, die die Geschicke der Gemeinde mit entscheiden sollen und müssen.“

Die Findlinge, die das scheidende Quartett im Pausenhof besichtigte, hatte der Bürgermeister ausgesucht.
Die Findlinge, die das scheidende Quartett im Pausenhof besichtigte, hatte der Bürgermeister ausgesucht.

Der Bürgermeister weiter: „Wenn im Durchschnitt rund 65 Sitzungen pro Periode stattfanden, so waren es beim Hans circa 200. Bei einer Dauer von etwa drei Stunden waren das in etwa 600 Stunden für die Gemeinde. Das entspricht circa 15 Wochen Sitzung bei einer 40-Stunden-Woche.“ Und: „Bei Walter, Sepp und Lothar wären das 260 Sitzungen mit etwa 780 Stunden und umgerechnet fast 20 Wochen Gemeinderatssitzung.“ Nicht eingerechnet seien die Stunden als Repräsentanten bei Festen, Einweihungen und anderen Veranstaltungen.

Die letzten Jahre seien finanziell gute Jahre gewesen, meinte der Bürgermeister. „Die Wirtschaft boomte, alle hatten Arbeit und vieles konnte verwirklicht werden.“ Die Zukunft werde anders aussehen. Aber auch in der Vergangenheit habe es harte Zeiten gegeben. Haushalte aufzustellen, sei ein Kunststück für Bürgermeister, Kämmerer und den Gemeinderat gewesen.

Johann Bräu wirkte von 2002 bis 2020 in dem Gremium. Über ihn sagte Schwarzfischer: „Was dich auszeichnet, ist dein Kontakt mit vielen Bürgern, die nicht immer im Mittelpunkt stehen. Das waren oft Grundstücksbesitzer, Waldbauern und Bewohner in Einöden und Weilern. Oft hast du die Anliegen dieser Bürger mit hinein genommen in die Gemeinderatssitzungen. Du hast ein sehr umfangreiches Wissen über Grenzverläufe, Liegenschaften und Wegebau. Dazu waren dein praktisches Denken und deine Arbeit als Forstwirt goldrichtig. 20 Jahre lang warst du 2. Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Zell. Auch der Einsatz deines umfangreichen Fuhrparks kam der Gemeinde immer zugute.“

Von Januar 2010 bis April 2014 war Bräu im Rechnungsprüfungsausschuss tätig, ferner brachte er sich als stellvertretender Seniorenbeauftragter mit Lothar Mandl ein. Schwarzfischer: „Als Kirchenpfleger hast du einiges bewegt. Viele Aufgaben in Verbindung mit Kirche, Friedhof, Pfarrhof und den Liegenschaften der Kirche werden dich weiter fordern.“

Josef Janker brachte sich als Gemeinderat von 1996 bis 2020 ein. Schwarzfischer dankte ihm für seine Tätigkeit als 2. Bürgermeister von 2002 bis 2014 und als Leiter des Bauhofs Zell. Dazu kamen die Tätigkeiten als Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss, im Schulverband, im VG-Ausschuss und als Jugendbeauftragter.

Engagement für die Jugend

„Vor allem dein Engagement für Jugendliche möchte ich heute erwähnen“, sagte der Bürgermeister. Als Bezirksspielleiter des DFB habe Janker mit vielen Jugendlichen, Funktionären und ehrenamtlichen Betreuern zu tun. „Eine besondere Erinnerung für uns alle bleibt die Bewerbung um das Kleinspielfeld hier auf dem Gemeindegelände, unsere kleine Josef-Janker-Arena. Deine kommunalen Verdienste wurden 2014 mit der kommunalen Dankurkunde gewürdigt. Vielen Dank auch für die Arbeit in deinem Heimatdorf Martinsneukirchen und als ‚Hausmeister‘ des Gemeinschaftshauses!“

Walter Dummer, Ortssprecher von Schillertswiesen von 1996 bis 2002, blickt auf eine Gemeinderatstätigkeit von 2002 bis 2020 zurück. Er war von 2002 bis 2008 Mitglied im Haushaltsausschuss und von 2002 bis 2014 Seniorenbeauftragter. „Ja, Walter, auf einmal ist man selbst Senior“, sagte Thomas Schwarzfischer. „Vergelt’s Gott im Namen unserer Senioren möchte ich dir heute sagen. In vielen Treffen und Ausflügen hast du für unsere Ruheständler für Kurzweil gesorgt.“ Der Bürgermeister erinnerte außerdem an Dummers Arbeitseinsätze beim OGV, bei der Feuerwehr und rund um die St. Wolfgangskapelle.

Ein außergewöhnliches Dorf

Ein Bilderrückblick als besondere Geste

  • Erinnerung:

    Als Erinnerung für die scheidenden Kommunalpolitiker hatte Gerhard Kerscher für jeden ein Fotobuch gestaltet. „Leider konnten wir überwiegend nur auf Bildmaterial ab 2014 zurückgreifen“, meinte Bürgermeister Thomas Schwarzfischer. Gemessen an den Entscheidungen und Ereignissen, wäre das Buch um ein Vielfaches dicker geworden.

  • Kommune:

    Der im März wiedergewählte Schwarzfischer erinnerte in seiner Abschiedsrede für die vier langjährigen Bürgervertreter daran, dass der Gemeinderat mit seinen Entscheidungen fast 33 Quadratkilometer Gemeindefläche verantwortet. Er vertritt rund 1830 Bürger – von Starzenbach bis Raning und von Hetzenbach bis zur Steinmühle.

Schillertswiesen sei ein außergewöhnliches Dorf mit einem beispielhaften Zusammenhalt, aber die Leute seien auch kritikfähig, meinte das Gemeindeoberhaupt. Einige Maßnahmen in den letzten Jahren hätten erklärt und finanziert werden müssen. Schwarzfischer: „Wenn die Bürger finanziell mit beteiligt sind, macht man sich keine Freunde. Letztendlich zählen aber die Entwicklungsfähigkeit und die langfristige Perspektive für ein Dorf.“ Er hoffe, dass sich Dummer als „Ruheständler“ immer wieder mit einbringen werde. „Manche klare Worte hast du in Gemeinderatssitzungen gesprochen und hast dich mit deiner Meinung nicht zurückgehalten“, sagte der Bürgermeister anerkennend.

Lothar Mandl war von 1996 bis 2020 Gemeinderat. An seine Adresse gerichtet, sagte Schwarzfischer: „Für mich sind politische Originale Franz Josef Strauß, Herbert Wehner, Gregor Gysi und Lothar Mandl. Bei den emotionalsten Momenten im Gemeinderat, die ich erleben durfte, war Lothar mit im Spiel. Mit Blutdruck und gesunder Gesichtsröte ging es manchmal schon rund. Der sehr engagierte Einsatz für eine Sache war aber nicht Eigennutz, sondern hatte immer das Ziel, das Vernünftigste und langfristig Bessere für die Gemeinde und die Bürger zu schaffen.“ Ab 2014, rief Schwarzfischer in Erinnerung, war Lothar Mandl Vertreter in der VG-Versammlung und von 2014 bis heute Seniorenbeauftragter.

Als langjähriger CSU-Ortsvorsitzender Zell habe er viele Wahlkämpfe organisiert. Die CSU ernannte ihn 2013 so zum Ehrenvorsitzenden. Schwarzfischer: „Kommunalpolitik ist für dich eine Herzensangelegenheit. 2015 wurde diese Arbeit mit der kommunalen Dankurkunde gewürdigt. Wenn Lothar mal ein Thema so richtig gepackt hatte, steckte er seine ganze Energie in diese Projekte.“ Beruflich naheliegend seien es vor allem die Themen Wasser, Regenwassernutzung und die Abwasserbeseitigung gewesen. Ressourcenschonung und Umweltschutz seien ihm immer schon wichtig gewesen. Mandl sei ein Gemeinderat mit Ecken und Kanten gewesen. (rsu)

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