mz_logo

Region Cham
Mittwoch, 18. Juli 2018 27° 1

Menschen

Abschied von Waldmünchens Fackelmeister

Franz Decker hat geschafft, was er sich gewünscht hat: 50 Jahre aktiven Dienst beim Trenckfestspiel. Nun ist aber Schluss.
Von Petra Schoplocher

Rupfen auf Stecken, Pech auf Rupfen: Über all die vielen Jahre hinweg hat Franz Decker Routine entwickelt. Foto: ps
Rupfen auf Stecken, Pech auf Rupfen: Über all die vielen Jahre hinweg hat Franz Decker Routine entwickelt. Foto: ps

Waldmünchen.Es gibt Artikel, die werden geschrieben, weil zu Terminen eingeladen wurde, weil Veranstaltungen anstehen oder der Stadtrat tagt. Dann gibt es Geschichten wie diese, weil es Menschen gibt wie Franz Decker – und ein Versprechen.

Vor drei Jahren – Ich hatte gerade angefangen, mich in die „Tiefen“ des Trenckfestspiels vorzuarbeiten – legte mir ein Insider einen Besuch bei Franz Decker ans Herz. „Der macht die Fackeln.“ Klang spannend und war es auch. Während wir damals darauf warteten, dass das Pech auf der Kochstelle endlich die Konsistenz erreichte, die es zur Fackelherstellung braucht, kam dem damals 81-Jährigen das „drohende“ Rentenalter in den Sinn. Die 50. Saison, die wolle er noch vollmachen, dann aber sei Schluss. „Und wenn I dann no do bin, dann kimmst nomal für a G’schicht!“

Eins, zwei, viele. Gut 30 Fackeln hat Franz Decker in diesem Jahr noch einmal gemacht. „Dann ist Schluss“, sagt der 84-Jährige. Weil die Beine nicht mehr so recht mitmachen wollen, ist Vieles beschwerlich geworden. Foto: ps
Eins, zwei, viele. Gut 30 Fackeln hat Franz Decker in diesem Jahr noch einmal gemacht. „Dann ist Schluss“, sagt der 84-Jährige. Weil die Beine nicht mehr so recht mitmachen wollen, ist Vieles beschwerlich geworden. Foto: ps

Da bin ich also, Franz Decker bemerkt mich erst gar nicht, schließlich ist die Auswahl des richtigen (Nussholz)Steckens wichtiger als irgendein Gast. Wie schon bei meinem Besuch drei Jahre zuvor steht ein alter Topf auf einem gefühlt ebenso alten Herd –beides hat das Zeug für eine gedankliche Zeitreise. Das dunkle Pech, das er in früheren Jahren verwendete, ist ausgegangen. „Das kriegst du nicht mehr her“, sagt Decker und zeigt auf eine Kiste voller goldfarben schimmernder Brocken. „Mei, so geht alles zu Ende“, sinniert der Waldmünchener.

„I hob amol die Ross g’halten“, erklärt er schmunzelnd, wie er einst zum Trenck-Festspiel gekommen ist. Als zehn Jahre später der „Fackelhersteller“ aufgehört hat, habe es geheißen: „Des kannst doch du machen.“ Dass ihm die Aufgabe so lange bleiben könnte, hätte er nicht gedacht. „Des waren schöne Zeiten“, sagt der Senior.

Füße machen nicht mehr mit

Organisatorisch ist die Fackelherstellung an den Technischen Dienst angegliedert, folglich ist deren Leiter Alex Weingärtner Franz Deckers „Chef“. Dieser ist „sehr stolz auf meine Rentner, denn die sind immer da.“ Foto: ps
Organisatorisch ist die Fackelherstellung an den Technischen Dienst angegliedert, folglich ist deren Leiter Alex Weingärtner Franz Deckers „Chef“. Dieser ist „sehr stolz auf meine Rentner, denn die sind immer da.“ Foto: ps

Wenngleich er diesen Zeiten ein klein wenig nachtrauert, so ist er doch froh, von der Aufgabe entbunden zu werden. „Weißt, die Füß’ woll’n nimmer so“, erklärt er. Das macht auch die Einsätze am Festspielplatz beschwerlich, schließlich deponiert Decker einen Teil der Fackeln für die Panduren an bestimmten Plätzen, andere müssen den Reitern gereicht werden. Einmal – wobei das auch gleichzeitig die einzige Verletzung war – sei ihm dabei ein Pferd auf den Fuß gestiegen. „Da bin I g’hupft“, erinnert sich der frühere Bauarbeiter. Krank schreiben ließ er sich nicht, auch seinen Einsatz hinter der Trenckbühne brach er nicht ab.

Auch, wenn sie nicht (mehr) arbeiten, sind die Senioren rund um das Trenckhäusl immer gerne gesehen, fällt Alex Weingärtner Franz Decker beinahe ein wenig barsch über den Mund, als dieser ankündigt, „dann wohl nicht mehr zu kommen“. Die Senioren hätten ihr Arbeitssold längst erfüllt, deswegen „dürfen die hier auch einfach mal sitzen und schauen“. Auf sie sei immer Verlass, schwärmt Weingärtner. Wie auf Zuruf kommt einer ums Eck. „Servus, Günther, schön, dass du da bist“, ruft ihm der „Chef“ der Schwarzen Panduren zu.

Einen Nachfolger für Franz Decker hat Alex Weingärtner mit Franz Bauer schon länger gefunden. Allerdings zeugt es von der Wertschätzung dem langjährigen Fackelhersteller gegenüber, dass „wir die Übergabe erst machen, wenn Franz das will.“

Nun will er, mit der Premiere am 14. Juli beginnt seine 50. und damit letzte Saison. „Es sollte reichen, wenn ich die letzten beiden Proben da bin“, mutmaßt Franz Decker, der sich irgendwie dann doch darauf freut, „mal diesen und mal jenen wieder zu treffen“.

Gespannt auf die Veränderungen

Die Fackeln sind eingeschlossen, nur Franz Decker hat den Schlüssel zum Vorhängeschloss. Den für die Requisitenkammer wollte er nicht, „das lohnt sich nicht mehr“, meint er schmunzelnd. Foto: ps
Die Fackeln sind eingeschlossen, nur Franz Decker hat den Schlüssel zum Vorhängeschloss. Den für die Requisitenkammer wollte er nicht, „das lohnt sich nicht mehr“, meint er schmunzelnd. Foto: ps

Noch einen Vorteil habe sein baldiger Ruhestand: Außer vom Hörensagen sind die vielen Veränderungen am Festspiel nahezu völlig an ihm vorbei gegangen, gibt er zu. Hinter der Bühne bekomme man zwar Sequenzen mit, wie die neue tschechische Sprecherstimme, aber um die Ecke spitzeln gehe nicht. Im kommenden Jahr werde er dann auf der Tribüne Platz nehmen und sich das anschauen, wofür er fünfzig Jahre lang gearbeitet habe.

Erst muss er aber die Fackeln fertig bekommen, damit der Angriff der Panduren auf Waldmünchen auch entsprechend inszeniert werden kann. „Die Rupferla geh’n langsam aus“, bemerkt Franz Decker und ist einen Moment beunruhigt. Um kurz darauf festzustellen, dass ihn das bald nicht mehr sorgen muss. Wie auch nicht das Kümmern um Reisig („oft von alten Christbäumen“) – denn kraft „Stellenbeschreibung“ gehört das Anlegen der Feuerstellen für die Panduren auch zu den Aufgaben des „Fackelmeisters“.

Nicht jeder darf übrigens eine „Decker-Fackel“ verwenden. Bei Umzügen etwa greift der Verein auf zugekaufte zurück, auch ein Teil der Reiter im Festspiel muss mit diesen auskommen. Wenn sie nicht geworfen werden, „tun es die auch“, sagt der Experte augenzwinkernd.

Das letzte Tagwerk von Franz Decker für das Festspiel dauert einen Vormittag lang. 33 Fackeln sind es am Ende, die trocknen und die wenig später in der Vorratskiste landen. Sicher mit vielen Erinnerungen, vielleicht auch an ein Versprechen. Das dann aber bitte zusammen mit einem Dank für eine wunderbare Geschichte, die man bei Menschen wie Franz Decker auch zwei Mal erzählen kann.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht