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Justiz

Achtjährige grausam misshandelt

Mutter schlug ihre Tochter mit Fleischklopfer blutig, Vater mit dem Gürtel. Eltern wurden zu Bewährungsstrafen von je zwei Jahren verurteilt.
von Marion von Boeselager, MZ

Der Richter verurteilte ein Chamer Elternpaar wegen Misshandlung Schutzbefohlener, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und sexuellen Missbrauchs zu Bewährungsstrafen. Foto: dpa

Regensburg/Cham.Schreckliche körperliche und seelische Qualen fügte ein Ehepaar aus Cham seiner eigenen Tochter zu. Die Mutter der damals achtjährigen Sophie (Name geändert) schlug das Kind 2009 mit der gezackten Seite eines Fleischklopfers blutig und würgte es bis zur Bewusstlosigkeit. Sophies Vater (43) schlug die Kleine mit dem Gürtel, während die Mutter (40) das Kind festhielt. Schließlich musste Sophie, mit einer Hundeleine gefesselt, mehrfach zusehen, wie die Eltern den Geschlechtsverkehr vollzogen.

Am Montag legten die Eheleute vor dem Landgericht Regensburg Geständnisse ab und wurden wegen Misshandlung Schutzbefohlener, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Kindern schuldig gesprochen. Beide kamen nach Absprachen zwischen den Prozessbeteiligten mit Bewährungsstrafen von je zwei Jahren davon.

Notarzt informierte die Polizei

Im September 2009 war der Notarzt zu dem Haus in Cham gerufen worden. Sophie wies eine stark blutende Kopfplatzwunde, eine Schädel- und Schulterprellung auf. Die Mutter sprach von einem Treppensturz. Doch im Krankenhaus stellte der Arzt am Körper des Kindes zahllose Hämatome fest. Es war klar: das Kind war misshandelt worden. Der Mediziner informierte die Polizei. Ende 2009 wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen. Sophie und ihre vier kleinen Geschwister kamen in Pflegefamilien.

Lange schwieg die traumatisierte Sophie gegenüber ihren Pflegeeltern. Erst nach fünf oder sechs Wochen sprach sie von ihrem Martyrium. Danach hatte ihre Mutter sie in der Küche mit dem Kopf unter Wasser gedrückt, bis sie keine Luft mehr bekam, und mit dem Fleischklopfer zugeschlagen. Der Grund: Sophie hatte ihre Hausaufgaben nicht verstanden. Der Vater habe sie „fast jeden Tag“ mit dem Gürtel geschlagen, auch mit der Schnalle, sie mit einem Feuerzeug am Arm verbrannt und einmal vom Balkon werfen wollen. Ihre zwei Babyhasen tötete der Vater, so die Kleine, indem er sie gegen eine Mauer schleuderte. Oft musste Sophie im kalten Flur auf dem Boden schlafen. Mitten in der Nacht wurde sie geweckt, unter die kalte Dusche gestellt und musste dann, ans Nachtkästchen gefesselt, zuschauen, was die Eltern im Bett trieben. In der Wohnung herrschte „das blanke Chaos“, so die Kripo. Es gab nur Dosenessen. Sophie musste auf ihre Geschwister aufpassen und putzen.

Mutter nahm Psychopharmaka

Die psychiatrische Sachverständige sprach von „leichter geistiger Behinderung“ der Angeklagten. Die Frau nahm Psychopharmaka und verabreichte diese offenbar auch ihren Kindern. Sie habe sich durch die Kinder überfordert gefühlt – vor allem durch die Älteste, die sie geistig zu überflügeln begann, so die Gutachterin. Ihre Ängste baute die Frau durch Aggressionen gegen das Kind ab.

„Es ist kaum vorstellbar, dass Eltern ihrem eigenen, hilflosen Kind diese schier unfassbaren Grausamkeiten zufügen können“, sagte die Staatsanwältin. Die Angeklagte habe ihren Ehemann „instrumentalisiert“. Ihre Befürchtung: „Das war wohl nur die Spitze des Eisbergs.“

Die Verteidiger Jörg Meyer und Markus Ziesche legten eine Erklärung der Eltern vor, in der diese sich verpflichten, fünf Jahre lang keinen Antrag auf Rückübertragung des Sorgerechts zu stellen. Beide Angeklagte erhalten einen Bewährungshelfer. Die Ehefrau muss zudem 120 Stunden gemeinnützige Arbeit, ihr Mann eine Geldauflage von 1200 Euro zahlen.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Carl Pfeiffer hob hervor, das Urteil möge vielleicht milde erscheinen, doch der Opferschutz habe hier große Bedeutung. Mit ihrem Geständnis hatten die Angeklagten Sophie eine Aussage vor Gericht erspart.

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