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Verkehr

Ärger um strikte Knöllchen-Politik

Die Stadt Cham straft Autofahrer mit zehn Euro, wenn sie nicht platzsparend parken. Die Bürgermeisterin erklärt, warum.
Von Johannes Schiedermeier

Auch für kleine Autos kann es wegen der Säulen im Floßhafenparkdeck manchmal eng werden. Die Abriebspuren von Rückspiegeln und Kotflügeln an der Säule zeigen, dass manche Parker überfordert sind. Wer über dem Strich steht, bekommt jetzt ein Knöllchen über zehn Euro. Foto: Schiedermeier
Auch für kleine Autos kann es wegen der Säulen im Floßhafenparkdeck manchmal eng werden. Die Abriebspuren von Rückspiegeln und Kotflügeln an der Säule zeigen, dass manche Parker überfordert sind. Wer über dem Strich steht, bekommt jetzt ein Knöllchen über zehn Euro. Foto: Schiedermeier

Cham.Die junge Chamerin findet es kleinlich: „Ich stand mit dem rechten Vorderrad auf dem Markierungsstreifen. Als ich zu meinem Auto kam, hat daneben auch jemand geparkt. Trotzdem soll ich jetzt zehn Euro zahlen.“

Das Vorgehen der städtischen Parkwächter auf dem Parkdeck am Floßhafen ist für viele Autofahrer neu. Es gibt gleich noch ein zweites Knöllchen, das heftig diskutiert wird. Der Grund: Das Parkdeck ist an sich eng und ruht im Erdgeschoss und im Obergeschoss auf rund 170 Säulen, die mitten auf den Parkmarkierungen stehen. Viele Säulen tragen schon Verzierungen von Stoßstangen-Abrieb.

Der Beifahrer kann nicht raus

„Das ist ein uraltes Parkdeck, bei dem schon der Abriss diskutiert wird. Das ist in Sachen Fahrzeugbreiten doch gar nicht mehr aktuell. Und dann noch diese schwachsinnigen Säulen ... Wenn ich einen Beifahrer habe, dann muss der vorher aussteigen, weil er sonst keine Türe mehr aufkriegt“, regt sich ein Chamer Autofahrer auf. „Und wenn das jetzt auch noch einreißt, mit den Knöllchen...“

Wer den Nebenparkplatz mitbenutzt, riskiert eine Verwarnung, auch wenn die Säule beim Aussteigen behindert. Foto: Schiedermeier
Wer den Nebenparkplatz mitbenutzt, riskiert eine Verwarnung, auch wenn die Säule beim Aussteigen behindert. Foto: Schiedermeier

Bürgermeisterin Karin Bucher hat bei ihren Verkehrsüberwachern zwar diese Aktion nicht ausdrücklich angeordnet, steht aber trotzdem voll dahinter: „Das ist eine klare Sache. Wer so parkt, dass er anderen den Parkraum wegnimmt, der muss zahlen.“ Die 20-jährige Chamerin will das für sich nicht gelten lassen: „Aber ich habe doch nur minimal auf dem Strich geparkt!“ Die Bürgermeisterin sieht ein Grundsatzproblem: „Man muss von jedem Autofahrer verlangen können, dass er sorgfältig parkt. Sonst trifft das immer den, der nichts mehr kriegt!“

Die 20-Jährige setzt ihre Hoffnung auf den letzten Satz auf ihrem Knöllchen. Dort steht: „Bei Einwendungen gegen die Verwarnung warten Sie bitte den Anhörungsbogen ab, der Ihnen per Post zugeht.“ Sie versucht ihr Glück nochmal schriftlich.

Die Bürgermeisterin berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit Parkern: „Die Leute sind oft einfach zu faul, richtig einzuparken. Wenn ich aussteige und ich stehe schief drin, dann sehe ich das doch. Dann muss ich halt ausbessern, sonst ist das einfach unhöflich gegenüber den anderen.“ Sie lässt auch das Argument nicht gelten, dass das Parkhaus veraltet ist und deswegen die Parkplätze nicht den aktuellen Fahrzeugbreiten entsprechen. „Da ist genug Platz, wenn man sorgfältig einparkt. Wenn ich natürlich mit einem SUV zum Einkaufen fahre, der für die unendlichen Weiten der Wildnis gebaut ist, dann muss ich halt noch sorgfältiger sein.“

„Dann ist es Zeit geworden ...“

Auf den Hinweis, dass viele Chamer diese Bestrafung für nicht platzsparendes Parken bisher von den Verkehrsüberwachern nicht kannten, sagt Bucher: „Wenn es das bisher nicht gegeben hat, dann ist es Zeit geworden, dass es jemand umsetzt!“

Parken in der Strassenverkehrsordnung

  • Der Sachverhalt

    Im Paragrafen 12 Absatz 6 der StVO ist kurz und knapp formuliert: „Es ist platzsparend zu parken“. Mittelparker blockieren freie Stellplätze, die andere Parkplatzsuchende dann nicht nutzen können.

  • Das Bußgeld

    Wer als Mittelparker erwischt wird, kann laut ADAC mit einem Bußgeld von zehn Euro belegt werden. Das gilt auch dann, wenn der „Falschparker“ zwei Parktickets gelöst hat. Denn es geht lediglich um die Zahlung einer Parkgebühr und keinesfalls um eine Stellplatzmiete für eine bestimmte Anzahl belegter Plätze.

  • Der Rangierabstand

    Einen gesetzlich festgelegten Rangierabstand gibt es nicht. Der Autoclub empfiehlt jedoch, zu jedem Nachbarn einen halben Meter Abstand einzuhalten.

  • Die Bordsteinkante

    Es gibt keine generelle Vorschrift, wie weit die Reifen von der Bordsteinkante entfernt stehen dürfen. Anlehnend an den § 12 (6) der Straßenverkehrsordnung („Es ist platzsparend zu parken; das gilt in der Regel auch für das Halten“) werden 30 Zentimeter Radabstand zum Bordstein akzeptiert. Das Bußgeld in diesen Fällen beträgt analog zum platzsparenden Parken zehn Euro.

Das Gesetz steht auf der Seite der Stadt: Im Paragrafen 12 Absatz 6 der StVO ist kurz und knapp formuliert: „Es ist platzsparend zu parken“. Mittelparker verhalten sich demzufolge nicht korrekt. Sie blockieren freie Stellplätze, die andere Parkplatzsuchende dann nicht nutzen können. Wer als Mittelparker erwischt wird, kann laut ADAC mit einem Bußgeld von zehn Euro belegt werden. Das gilt sogar dann, wenn der Falschparker zwei Parktickets gelöst hat. Denn es geht lediglich um die Zahlung einer Parkgebühr und nicht um eine Stellplatzmiete für eine bestimmte Anzahl belegter Plätze. Übrigens: Einen gesetzlich festgelegten Rangierabstand gibt es nicht. Der Autoclub empfiehlt, zu jedem Nachbarn einen halben Meter Abstand einzuhalten. Eine Empfehlung, die im Parkdeck nicht einzuhalten ist.

Im Übrigen gilt die Vorschrift des Platzsparens auch an Bordsteinkanten: In der Regel werden 30 Zentimeter Radabstand vom Bordstein akzeptiert. Es gibt Städte, deren Mitarbeiter deswegen mit Linealen durch die Straßen gehen. Diese Praxis wiederum ist aus Cham nicht bekannt. Das könnte auch was mit dem Aussterben der Bordsteine in der Innenstadt zu tun haben.

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