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Sonntag, 23. September 2018 23° 8

Wald

Alarm: Finale mit dem Borkenkäfer

„Buchdrucker“ läutet Großangriff auf Fichtenbestände im Hohenbogenwinkel ein. Eine Bekämpfung ist dringender nötig denn je.
Von Alois Dachs

Jede Menge Äste und Gipfel sind hier bei Hofberg eine „Brutstätte“ für den Buchdrucker. Foto: Dachs
Jede Menge Äste und Gipfel sind hier bei Hofberg eine „Brutstätte“ für den Buchdrucker. Foto: Dachs

Bad Kötzting.Ob die deutsche Nationalmannschaft den Einzug ins WM-Finale schafft, bezweifeln viele. Ein kleines Insekt, der wegen seiner Fraßspuren in der Baumrinde „Buchdrucker“ genannte Borkenkäfer, ist aber bereits „Finalist“ im Bayerischen Wald und im angrenzenden Böhmerwald. Der nur wenige Millimeter große Schädling ist nach der Trockenheit der vergangenen Wochen der wahre Herrscher des Waldes. Tausende Fichten weisen massive Trockenschäden auf, Millionen Borkenkäfer blasen in diesen Tagen zum Generalangriff – mit durchschlagendem Erfolg.

Scheinbar gesund, aber dennoch vom Borkenkäfer befallen war dieses frische „Nest“. Foto: Dachs
Scheinbar gesund, aber dennoch vom Borkenkäfer befallen war dieses frische „Nest“. Foto: Dachs

Die Situation hat etwas Gruseliges: Wer in diesen Tagen von Vorderbuchberg über Hofberg nach Warzenried fährt, sieht an jedem Lagerplatz und bei jedem Anwesen große Mengen an Fichten, teilweise schon getrocknet und ohne Rinde. Hier regiert der Borkenkäfer in den grenznahen Waldungen, ebenso im benachbarten Böhmen. Und er ist dabei, sich zum wahren Herrscher der Wälder aufzuschwingen, befürchten Luitpold Titzler, der stellvertretende Leiter des Bereichs Forsten am AELF und die Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigung Hohenbogenwinkel.

Bekämpfung zwingend nötig

Kein Verständnis haben die Revierförster, WBV-Vorsitzender Alois Simeth und sein Stellvertreter Reinhard Adam, deshalb für Waldbesitzer, die tatenlos der Ausbreitung des Borkenkäfers zusehen. Luitpold Titzler von der Forstverwaltung verweist auf die gesetzliche Pflicht der Waldbesitzer, mindestens 14-tägig (besser noch wöchentlich) ihre Waldstücke zu kontrollieren, vom Käfer befallene Bäume schnellstmöglich zu fällen und aus dem Wald zu entfernen.

Käferbekämpfung mit allen Mitteln lautet die Devise der Förster und WBV-Führungskräfte. Foto: Dachs
Käferbekämpfung mit allen Mitteln lautet die Devise der Förster und WBV-Führungskräfte. Foto: Dachs

Wer das alleine nicht schafft, sollte sich unbedingt an die Waldbesitzervereinigung wenden, die Fachleute für die Fällung vermittelt, bei größeren Schäden auch den Einsatz von Vollerntern und Rückezügen organisieren kann. Wer tatenlos dem Treiben der Borkenkäfer zusieht, muss mit einer „Ersatzvornahme“ rechnen. Das heißt, auf Bitte der Forstverwaltung ordnet das Landratsamt die Fällung der betroffenen Bäume an „und das wird richtig teuer“, sagt Titzler.

Doppelt tragisch ist das massiv vermehrte Auftreten der Borkenkäfer, weil sich das Problem momentan in Fichtenwäldern in ganz Mitteleuropa zeigt, was zu einem Verfall der Holzpreise führt. Nur noch rund 55 Euro zahlen Sägewerke für den Festmeter Käferholz – solange die Bäume frisch sind, berichtet Florian Weigl, der bei der WBV für die Holzvermarktung zuständig ist. In Thüringen und Sachsen seien größere Holzmengen überhaupt nicht mehr zu verkaufen, berichten Händler. Gleichzeitig spielt der Trockenstress dem Borkenkäfer in die Karten, sagt 2. WBV-Vorsitzender Reinhard Adam.

Mittelfristig sieht Luitpold Titzler nur eine Möglichkeit, den Schädling zu verdrängen, nämlich durch die Begründung von Mischwäldern. Wo Fichten mit Buche, Lärche, Douglasie und Tanne im Verbund sind, tut sich der Borkenkäfer schwer. „Und wenn eine Baumart ausfällt, sind immer noch mehrere andere da, die Lücken schließen“, gibt der Forstmann zu bedenken.
Momentan richten sich die Hoffnungen auf eine Umkehr des Wettertrends, auf eine kühle und regenreiche Witterung, die das Ausfliegen von Millionen Borkenkäfern aufhalten könnte, denn die erste Generation der Jungkäfer schwärmt bereits und kann für einen enormen Frischbefall von Fichten sorgen, befürchtet Luitpold Titzler.

Ständige Kontrolle ist wichtig

Aktuell am wichtigsten sei deshalb die regelmäßige Kontrolle auf Bohrmehl, das am Fuße befallener Fichten ein deutlicher Hinweis ist, dass der Borkenkäfer „arbeitet“. Dann gilt es, nicht zu warten, bis abfallende Rinde das Sterben des Baumes signalisiert, sondern sofort die Motorsäge zu starten. Wer befallene Bäume mindestens 500 Meter vom Wald entfernt lagert, oder sie entrindet, erhält auf Antrag pro Festmeter auch vier Euro Zuschuss vom Staat.

Fraßgänge des Buchdruckers verraten, dass hier die Brut dieses Jahres ausgeflogen ist. Foto: Dachs
Fraßgänge des Buchdruckers verraten, dass hier die Brut dieses Jahres ausgeflogen ist. Foto: Dachs

Wie gefährlich der Borkenkäfer nach dem trockenen Frühjahr ist, verdeutlicht WBV-Vorsitzender Alois Simeth mit zwei Zahlen: In einer einzigen Fichte können 20 000 Borkenkäfer heranreifen und 200 winzige Käfer reichen aus, um eine gesunde Fichte zum Absterben zu bringen.

Wer Beratung braucht, sollte sich im Hohenbogen-Winkel mit Geschäftsführer Alois Geiger (Tel. 0 99 447/23 99), Revierförster Florian Fischer, oder WBV-Förster Florian Weigl (Tel. 0160/97552104) in Verbindung setzen.

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