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Freizeit

Alle Augen richten sich aufs Jubiläum

Der Bayerwald-Tierpark feierte 30-Jähriges. Mutige Vordenker gründeten 1989 die Gehegeanlagen – die Skeptiker verstummten.
Von Maria Frisch

Viele Ehrengäste ließen es sich nicht nehmen, dem Jubiläum des Bayerwald-Tierparks Lohberg beizuwohnen.  Fotos: Maria Frisch
Viele Ehrengäste ließen es sich nicht nehmen, dem Jubiläum des Bayerwald-Tierparks Lohberg beizuwohnen. Fotos: Maria Frisch

Lohberg.Anlässlich des Jubiläumsjahrs „30 Jahre Bayerwald-Tierpark Lohberg“ hatte Bürgermeister Franz Müller am Mittwochnachmittag zu einer kleinen Feier ins Haus am Elchsee eingeladen. Ganz besonders freute sich das Gemeindeoberhaupt über den Gründervater Dr. Hans Aschenbrenner mit Frau Hildegard. Der damalige Bürgermeister und Mitinitiator Helmut Sperl fehlte leider beim Festakt. Franz Müller bedauerte auch den frühen Tod seines Bürgermeister-Vorgängers Hans Mühlbauer.

Dr. Hans Aschenbrenner (rechts) erklärte den Ehrengästen, wie er es schaffte, das Auerwild im im Bayerischen Wald zu erhalten. Fotos: Maria Frisch
Dr. Hans Aschenbrenner (rechts) erklärte den Ehrengästen, wie er es schaffte, das Auerwild im im Bayerischen Wald zu erhalten. Fotos: Maria Frisch

Unter den Gästen waren Landrat a. D. Ernst Girmindl mit Frau, MdB Karl Holmeier, der stellvertretende Landrat Markus Müller, die Bürgermeister aus dem Künischen Gebirge, Regionalmanagerin Jana Dirriglova, die fachliche Tierparkleiterin Claudia Schuh sowie ehemalige und jetzige Mitarbeiter der Gemeinde.

„Nach der Silberhochzeit feiern wir heuer die Perlenhochzeit“, sagte der Rathauschef, der fand, dass die Einrichtung dem Vergleich mit einer Perle absolut gerecht werde. „Wir zählten bislang weit über drei Millionen Besucher. Das ist für unsere 2000-Einwohner-Gemeinde eine stolze Anzahl.“

Helmut Sperl war hartnäckig

Der Bayerwald-Tierpark im Naturpark Oberer Bayerischer Wald feiert sein 30-jähriges Bestehen mit mehr als 30 Natur-Erlebnis-Veranstaltungen, vor allem für Familien. Auf dem Gelände leben 400 Wildtiere beziehungsweise 100 Arten in heimischer Natur.

Als Helmut Sperl vor mehr als 30 Jahren die Idee hatte, in Lohberg einen Tierpark zu errichten, gab es durchaus kritische Stimmen. „Er kämpfte jedoch hartnäckig für sein Ziel, überzeugte den Gemeinderat und fand in Dr. Hans Aschenbrenner den idealen Berater und Partner“, wusste Franz Müller. Der Neukirchner Tierarzt hatte schon vor dieser Zeit den Alpenzoo in Innsbruck besucht, und sich mit dem Virus, einen Tierpark im Bayerischen Wald aufzubauen, infiziert.

Durch den Besitz eines geeigneten Grundstücks kam das Projekt konkret ins Rollen. Der Alpenzoo in Innsbruck stellte sehr viele Tiere als „Anfangsbestand“ zur Verfügung. Man habe sich bewusst auf heimische Spezies aus dem bayerisch-böhmischen Grenzgebiet beschränkt, sei also ein Themenzoo. Dessen Aufgabenbereich erstreckt sich auf Erholung, Bildung, Forschung und Artenschutz.

„Er kämpfte jedoch hartnäckig für sein Ziel, überzeugte den Gemeinderat und fand in Dr. Hans Aschenbrenner den idealen Berater und Partner.“

Franz Müller

„Der Besucher findet eine Tierwelt, die im Bayerischen Wald zuhause ist oder in historischer Zeit hier gelebt hat“, erläuterte der Laudator. Etliche Arten sind zunehmend gefährdet. Deshalb leiste der Park auch einen Beitrag zum Artenschutz. In den Tiergärten erfassen die Besucher die Erlebnisse mit allen Sinnen. Die Beobachter nehmen die Gehegebewohner in voller Größe und in ihrer Sozialstruktur wahr. „Tiergärtnerische Einrichtungen sind die größte und bestbesuchte Schule“, drückte es einst Bernhard Grzimek, der berühmteste Zoodirektor, aus.

Claudia Schuh – seit 15 Jahren zoologische Leiterin – führte die Gäste durch den Tierpark.
Claudia Schuh – seit 15 Jahren zoologische Leiterin – führte die Gäste durch den Tierpark.

Der Bildungsauftrag sei rechtlich verankert, zum Beispiel in der Zoorichtlinie der EU und im Deutschen Naturschutzgesetz. Hinzu kommen Selbstverpflichtungen nationaler und internationaler Zooverbände. „Wenn Zoos bis ins 20. Jahrhundert hinein das Ziel hatten, Tiere nur auszustellen, so wollen die heutigen Einrichtungen Tiere in einer natürlich wirkenden Umgebung zeigen und die Besucher für die Notwendigkeit des Naturschutzes sensibilisieren.“

Menschen

Die Frau hinter dem Bayerwald-Tierpark

Claudia Schuh ist seit 15 Jahren zoologische Leiterin in Lohberg. Ein Leben ohne Tiere kann sie sich nicht vorstellen.

Der Bau des Bayerwald-Tierparks wurde aus Mitteln für Freizeit und Erholung vom Landkreis und Bezirk gefördert. Den fortlaufenden Betrieb stemmt ausschließlich die Gemeinde. Sie erhält keine staatlichen Zuwendungen, Betriebskostenzuschüsse oder sonstige Subventionen. Dies sei nicht nur ein Nachteil, sondern bisweilen vorteilhaft, weil eigenverantwortlich gehandelt werden könne „Unser Bayerwald-Tierpark ist in der Lage, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen“, drückte es Müller aus. Die Vorgänger-Bürgermeister und die Gemeinderatsgremien hatten ein Gespür für Wirtschaftlichkeit: Sie führten den Tierpark so, dass der Etat nicht überschritten wurde und die Defizite so gering wie möglich ausfielen.

„Die Zeiten werden schwieriger, da heutzutage die Zoos mit zugkräftigen Sehenswürdigkeiten im Wettbewerb stehen“, machte der Bürgermeister klar. Am Ende zählen nur die harten Zahlen. Der Tierpark erfülle überregionale Aufgaben und habe sich als touristische Einrichtung etabliert.

Der Park ist gut in Schuss

Eine Widmung

  • Überraschung:

    Zu Ehren des früheren Tierpark-Leiters Dr. Hans Aschenbrenner heißt das Auerwildgebäude jetzt „Dr. Hans Aschenbrenner-Haus“, was über der Eingangstür zu lesen ist.

  • Zucht:

    Der Bitte um einige Ausführungen über seine Bemühungen, das Auerwild im Bayerischen Wald zu erhalten, kam Aschenbrenner gerne nach. Er züchtete diese Spezies und wilderte sie aus und sorgte so für den Erhalt des Auerwilds im im Bayerischen Wald. (kfl)

„Das Flaggschiff der Gemeinde unterhält weder ein Büro noch wird eine Verwaltungskraft beschäftigt. Den Jahresumsatz verwaltet die Gemeinde. Sparsamkeit und effizienter Mitteleinsatz sind Leitlinien. Wir hatten letztes Jahr weit über 120 000 Besucher. Dasselbe Ergebnis zeichnet sich heuer trotz der Konkurrenzobjekte ab“, führte Franz Müller aus. Das hänge auch damit zusammen, dass der Park „gut in Schuss ist“. Finanziert wird er zu 90 Prozent aus Eintrittsgeldern. Die Gehegeanlagen gehören zu den Top Ten Ostbayerns. Ein Viertel der Besucher kommt aus Tschechien, wofür man sehr dankbar ist.

2005 hat Claudia Schuh offiziell die Parkleitung übernommen. Die ausgesprochene Tierfreundin führe den Themenzoo mit Sachverstand und Fingerspitzengefühl weiter. Besonders dankte Franz Müller ihr als Leiterin sowie den Mitarbeitern, die ihre Arbeitskraft zum Wohle des Tierparks einsetzen. Markus Müller gratulierte im Namen des Landkreises Cham. „Der Tierpark ist nicht nur eine Perle, sondern ein Leuchtturm im gesamten Landkreis und darüber hinaus.“ Die Kritiker und Skeptiker wurden eines Besseren belehrt. „Es ist eine wunderbare Einrichtung geworden. Wir sind stolz darauf, dass es diese Ideengeber und mutigen Vordenker gegeben hat“, sagte Müller.

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