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Handel

Alles Wissenswerte zur Gutschein-Steuer

Das Warensortiment hat einen Einfluss darauf, wann Umsatzsteuer bezahlt wird. Unsere Rechtsexperte erklärt, welchen.
Von Mona Kaiser

Stellt ein Geschäft einen Gutschein aus, wird bei der Umsatzsteuer nach Ein- und Mehrzweckgutscheinen unterschieden.  Foto: dpa
Stellt ein Geschäft einen Gutschein aus, wird bei der Umsatzsteuer nach Ein- und Mehrzweckgutscheinen unterschieden. Foto: dpa

Cham.Verkaufen Sie in Ihrem Geschäft Gutscheine? Was machen Sie mit den Einnahmen? Geben Sie es sofort in Ihrer Umsatzsteuererklärung an? Möglicherweise müssen Sie das gar nicht mehr. Seit 1. Januar 2019 gilt nämlich für die umsatzsteuerliche Behandlung von solchen Gutscheinen eine neue Regelung.

Willi, der Wirt einer Gaststätte, verkauft wie viele andere Wirte und Einzelhändler auch Gutscheine. Weil viele Leute noch ein Last-Minute-Geschenk brauchen, steigen vor allem zur Weihnachtszeit seine Einnahmen durch Gutscheinverkäufe an. Willi hat gehört, dass er auf diese Einnahmen nicht sofort Umsatzsteuer zahlen muss. Da er das gar nicht glauben kann, fragt er zur Sicherheit seine Frau Anne, die immer alles besser weiß. Natürlich weiß Anne auch hier Bescheid und erklärt es ihm.

Diese Unterschiede gibt es bei Gutscheinen

Mona Kaiser
Mona Kaiser

Seit 2019 werden Gutscheine nach Einzweck- und Mehrzweckgutscheinen unterschieden. Die Unterscheidung richtet sich danach, ob bereits bei der Ausstellung des Gutscheins alle Informationen vorliegen, die für die Umsatzsteuer relevant sind. Das heißt vor allem, dass feststehen muss, ob sieben oder 19 Prozent Umsatzsteuer auf die Leistung fällig sind, die bei der Einlösung dieses Gutscheins erworben wird. Steht dies fest, liegt ein sogenannter Einzweckgutschein vor – wenn nicht, dann ein Mehrzweckgutschein.

Bei Willi kann sowohl vor Ort gegessen als auch Essen mitgenommen werden. Willi weiß, dass nach dem Umsatzsteuergesetz beim vor Ort servierten Essen 19 Prozent und bei Mitnahme des Essens sieben Prozent Umsatzsteuer fällig werden. Wird bei ihm ein Gutschein gekauft, steht aber nicht fest, wo der Gutscheinempfänger später isst. Somit ist auch nicht sicher, welcher Umsatzsteuersatz gilt. Willi erkennt also zutreffend, dass es sich bei seinen Gutscheinen um Mehrzweckgutscheine handelt. Nun fragt er sich natürlich, welche Folgen diese Erkenntnis für ihn hat.

Rechtsserie

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Da bei Mehrzweckgutscheinen eben noch nicht sicher ist, wie viel Umsatzsteuer fällig ist, ist bei Ausstellung des Gutscheins auch keine Umsatzsteuer abzuführen. Erst wenn der Mehrzweckgutschein eingelöst wird, wird in Höhe des eingelösten Betrags Umsatzsteuer fällig. Willi kann sich also freuen – er muss die Einnahmen für die Ausstellung der Gutscheine erst mal nicht in seiner Umsatzsteuererklärung angeben, sondern darf abwarten, bis diese wieder bei ihm eingelöst werden.

Wer profitiert von der Neuregelung

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Willis Gaststätte hat Einzelhändlerin Beate ihr Schuhgeschäft. Auch Beate verkauft Gutscheine. Da sie aber nur Schuhe im Angebot hat und diese einer Umsatzsteuer von 19 Prozent unterliegen, stehen alle Informationen, die für die Umsatzsteuer relevant sind, bereits bei Ausstellung der Gutscheine fest. Ihre Gutscheine sind somit als Einzweckgutscheine zu qualifizieren. Da die Höhe der Umsatzsteuer bereits bei Ausstellung feststeht, wird sie bereits zu diesem Zeitpunkt fällig. Beate ist das egal. Ob sie jetzt Umsatzsteuer zahlt oder erst bei Einlösung des Gutscheins, ist für sie nicht wichtig.

Unser Experte

  • Autorin:

    Mona Kaiser ist Diplom-Juristin und Steuerfachwirtin in der Chamer Rechtsanwalts- und Steuerberaterkanzlei HPK.

  • Fachgebiete:

    Das Fachgebiet von Expertin Mona Kaiser ist das Steuerrecht.

  • Kontakt:

    Kanzlei: HPK - Steuerberater Rechtsanwälte, Altenstadter Straße 8a, Cham, Telefonnummer (0 99 71) 7 61 80 30, E-Mail: cham@kanzlei-hpk.de, www.kanzlei-hpk.de

Glücklicherweise macht Anne aber auch vor der Nachbarschaft nicht Halt und steht Beate fleißig mit Rat und Tat zur Seite. Nach ihrer Erfahrung lösen über zehn Prozent der Leute ihre Gutscheine nicht oder nur teilweise ein. Auf nicht eingelöste Mehrzweckgutscheine wird somit dann auch nie Umsatzsteuer fällig. Der Gutscheinaussteller spart sich also damit Steuern. Anne rät Beate, ihre Produktpalette um Waren, die den siebenprozentigen Steuersatz unterliegen, zu erweitern, dann könnte auch sie von den Vorteilen der Neuregelung profitieren.

Alle Teile unserer Rechtsserie finden Sie hier.

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