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Bildung

Als Chamer Berufsschüler ins Ausland

Die Werner-von-Siemens-Schule Cham ermöglicht es Schülern, mit dem Programm ERASMUS+ in anderen Ländern zu hospitieren.

Manuela Liegl wird Schreinerin. Sie geht zum zweiten Mal im Rahmen des Erasmus-Projektes nach Südtirol. Foto: Andreas Bucher
Manuela Liegl wird Schreinerin. Sie geht zum zweiten Mal im Rahmen des Erasmus-Projektes nach Südtirol. Foto: Andreas Bucher

Cham.Während der Ausbildung Auslandsluft schnuppern, dieser Traum wird für die Schüler Werner-von-Siemens-Schule in Cham dank des Programms ERASMUS+ wahr. Dabei können die Berufsschüler in einem Betrieb im Ausland hospitieren. Manuela Liegl, Schreiner-Auszubildende im dritten Lehrjahr bei der Schreinerei Laubmeier in Geigant, wagt den Schritt ins Ausland schon zum zweiten Mal. In diesem Oktober geht es zu einem anderen, sehr viel größeren Betrieb in Brixen, als bei ihrer ersten Auslandsmobilität.

„Reisen bildet kulturell und menschlich. In einem neuen Umfeld, raus aus der eigenen Komfortzone, wird man dazu gezwungen, aus sich heraus zu gehen, eigene Entscheidungen zu treffen und selbstständig zu sein“, erzählt sie über ihre Erfahrungen: „Auch die Fremdsprache fordert enorm. Im Handwerk ist Erfahrung die halbe Miete. Je mehr Eindrücke man in der Ausbildung in verschiedensten Betrieben sammeln kann, desto besser. Vielleicht findet sich auch die ein oder andere Idee für das Gesellenstück, das bei mir ja bald ansteht.“

Drei Länder sind schon dabei

Diese Azubis gehen im Rahmen des Erasmus+-Projektes ins Ausland, um Erfahrungen in ihrem Beruf zu sammeln. Foto: Andreas Bucher
Diese Azubis gehen im Rahmen des Erasmus+-Projektes ins Ausland, um Erfahrungen in ihrem Beruf zu sammeln. Foto: Andreas Bucher

Seit 2012 hat die Berufsschule knapp 250.000 Euro europäischer Fördergelder für Auslandsmobilitäten ihrer Schüler bereitgestellt. Studiendirektor Ferdinand Gierisch hatte damals die ersten Kontakte nach Finnland geknüpft und als Einzelkämpfer die organisatorischen Verpflichtungen abgearbeitet. Mittlerweile unterstützen ihn dabei mehr Lehrer und auch die Zielländer haben sich auf Italien und Irland erweitert. Sogar Lehrpersonen können die Bildungsangebote mittlerweile wahrnehmen. Schulpartnerschaften mit der Vantaa-Vocational-School in Helsinki/Finnland, der Handelsschule TAI in Turku/Finnland, dem Berufsbildungszentrum ADC Technology Training in Dublin/ Irland und der Landesberufsschule Emma-Hellenstainer in Brixen/Südtirol sind eine der Bedingungen, um an die Gelder zu kommen.

Ziele für die Schüler sind die Erweiterung der Hard- und Softskills, der Umgang im beruflichen Kontext mit anderen Sprachen, die Ausweitung des beruflichen Horizonts im Vergleich zum Partnerland, aber auch die Vorbereitung auf künftige Auslandsmobilitäten im späteren beruflichen Alltag. Ganz konkret sollen auch die Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Informations- und Kommunikationstechnik verbessert werden. Und nicht zuletzt wird das Verständnis geschärft für andere Kulturen, Bildungssysteme, sowie Arbeits- und Lebensweisen in anderen Ländern.

Ausbildung

Im Landkreis Cham fehlen die Azubis

Betriebe im Landkreis suchen händeringend nach Nachwuchs. Allerdings bleiben die Lehrlinge aus – trotz guter Bezahlung.

Die Schule will ihre internationalen Kontakte stärken, die Kompetenzen der Lehrpersonen im Bereich des Managements erhöhen, die heimischen Betriebe bei der Knüpfung internationaler Kontakte unterstützen, alternative Unterrichtsformen in die eigenen Unterrichte transformieren und nicht zuletzt auch im Bereich des Qualitätsmanagements für berufliche Schulen über den Tellerrand schauen.

Finnland-Praktika gibt es seit 2012

Im Bereich Elektrotechnik bietet die Chamer Berufsschule seit 2012 Praktika mit Partnerschulen in Finnland an. Vier Schülerinnen und Schüler besuchen in diesem Jahr die Partnerschule Varia in Vantaa (nördlich von Helsinki). Innerhalb des EU-weiten Mobilitätsprojektes werden die Praktikanten finanziell gut unterstützt. So werden der Hin- und Rückflug und die Unterkunftskosten bezahlt. Für den persönlichen Bedarf und Verpflegung muss der Schüler jedoch selbst aufkommen. Großes Augenmerk liegt in Finnland auf der Selbstständigkeit der Auszubildenden in einer fremden Umgebung und der Sprachkompetenz in Englisch. Die Schule hilft bei der Organisation des Flugs, der Unterkünfte und der notwendigen Versicherungen. Während der ersten Tage sind Lehrpersonen aus Cham auch vor Ort. Die Partnerschule unterstützt bei den Praktikumsplätzen und stellt Lehrer als Ansprechpartner während des Aufenthaltes. Nach erfolgreichem Auslandspraktikum erhalten die Teilnehmer einen Euro-Mobilitätspass, der die erworbenen Fähigkeiten dokumentiert.

Teilnehmende Betriebe

  • Gastronomie:

    Brunnerwirt, Arnschwang; Ödenturm, Cham; Hotel Bayerwaldhof, Liebenstein

  • Industrie:

    Firma Crown, Roding; Firma Mühlbauer, Runding; Sennebogen, Straubing; Maschinenfabrik Meyer, Rötz; Zollner, Zandt; Elotec, Fischer,Firma Deltec, Furth im Wald

  • Handwerk:

    Kappenberger und Braun, Cham; Schreinerei Helmut Bierl, Gschwand; Schreinerei Aschenbrenner, Grafenwiesen; Schreinerei Bauer, Arnschwang; Schreinerei Juglreiter, Roding; Schreinerei Laubmeier, Waldmünchen; Schreinerei Simeth, Neubäu; Elektro Kunz, Cham; Dräxlmaier, Vilsbiburg

Hab Herbst können Schüler nach Irland

Ab Herbst 2019 haben Auszubildende und Absolventen der Abteilung „Wirtschaft und Verwaltung“ unter dem Motto „Work, live and learn in Dublin“ die Möglichkeit, drei Wochen die lebendige Hauptstadt der Republik Irland kennenzulernen, in Betrieben ihre Fachkenntnisse zu erweitern sowie ihre Englisch-Sprachkenntnisse zu vertiefen. Dublin erwartet die Teilnehmer mit vielen Attraktionen, Hauptstadttrubel und einer wunderschönen Natur in der Dublin Bay und den Dublin Mountains. In der ersten Woche findet für die gesamte Gruppe ein Englisch-Sprachkurs am ADC College – unserer Partnereinrichtung in Dublin – statt. Alle Teilnehmer werden vorab vom ADC College mit einem Sprachtest eingeschätzt. Der Sprachkurs dient der optimalen Vorbereitung für den Einsatz am Praktikumsplatz.

„Im Handwerk ist Erfahrung die halbe Miete.“

Manuela Liegl, Schreiner-Auszubildende, die in Brixen (Südtirol) hospitiert hat

Bei den Praktikumsbetrieben handelt es sich um Unternehmen und Einrichtungen im Großraum Dublin, die regelmäßig Praktikanten für Kurzzeitpraktika aufnehmen. Die Teilnehmer erhalten die Gelegenheit, ein anderes Arbeitsumfeld kennenzulernen und das Unternehmen mit einfachen kleinen Aufgaben zu unterstützen. Aufgaben aus dem Bereich Business Administration können zum Beispiel sein: Marktforschung, Datenverarbeitung, Anrufe entgegennehmen, Rezeptionsarbeiten. Alle Teilnehmer werden in Gastfamilien untergebracht. Während den drei Wochen werden auch Lehrkräfte aus Cham in Dublin anwesend sein, die bei Fragen und Problemen unterstützen, sowie das Rahmenprogramm organisieren. Das Praktikum wird zwar von der EU aus den Mitteln des ERASMUS+ Programms unterstützt, jedoch muss jeder Teilnehmer für die drei Wochen mit einem Eigenanteil von ca. 700 Euro rechnen.

Handwerk in Südtirol erleben

Auszubildende verschiedener Fachbereiche erhalten an unserer Schule seit 2018 die Möglichkeit, während ihrer Ausbildung ein dreiwöchiges Praktikum in Südtirol in einem Betrieb zu absolvieren. Die Landesberufsschule „Emma-Hellenstainer“ ist dafür Partnerschule. Die Lehrpersonen aus Cham organisieren die gesamten Abläufe und begleiten die Azubis zu Beginn des Praktikums (Shadowing). Kollegen der Partnerschule stehen in der Zeit zur Verfügung, in der sich die Lehrpersonen aus Cham zurückgezogen haben. Bedingung für die Teilnahme ist jedoch, dass die Schüler volljährig sind. Aktuell können Auszubildende aus den Abteilungen Schreiner, Gastronomie und Hotelfach, sowie Elektroniker (Handwerk) an dem EU geförderten Projekt teilnehmen.

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