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Mittwoch, 21. Februar 2018 3

Spiel

Als Denksport im Bayerwald groß war

In den 70ern boomte Schach – seitdem beleben junge Talente das Spiel. Regional profitierte davon auch eine Firma.
Von Max Riedl und Roman Hiendlmaier

Schachmeisterschaft in Bad Kötzting um die Jahrtausendwende: Das Spiel der Könige gilt damals wie heute als Duell der hellen Köpfe. Foto: Fischer

Bad Kötzting.Das waren noch Zeiten, als Schachspieler auch in der Region große Hallen füllten. Der Denksport ist hierzulande schon lange eine Randsportart, die jedoch in den Fokus der breiten Öffentlichkeit rückt, wenn eine charismatische Schachpersönlichkeit die Figuren zieht. Das war bei Bobby Fischer der Fall, der 1972 Schachweltmeister wurde und in den Jahren zuvor und danach für Furore sorgte – ähnlich wie eineinhalb Jahrzehnte später Boris Becker mit Tennis.

Der Aufschwung in den 70ern

„Wie gut seid ihr in Mathe?“, fragt Max Riedl oft Schüler, denn Talent-Parallelen von Schach zu Mathematik und Musik sind auffällig. Schach schult auch ein gesundes Zweikampfverhalten und Frustrationstoleranz. Man kann nicht immer gewinnen... Foto: dpa

Fast schon in den 60er Jahren eingegangene Schachvereine wie der Schachclub Furth im Wald/Waldmünchen gründeten sich 1971 neu, Cham folgte 1973 (beide waren 1922 Gründungsvereine des Schachverbandes der Oberpfalz) Kötzting 1978. Der Schachboom war in der westlichen Welt verbreitet – der amerikanische Außenminister Henry Kissinger forderte 1972 Bobby Fischer sogar auf, endlich die Russen zu besiegen. Das ist der schachgeschichtliche Hintergrund, den man kennen sollte. Der Schachboom flaute dann ab Mitte der 70er Jahre ab, als Fischer seinen WM-Titel nicht verteidigte.

Am vergangenen Sonntag nun maßen sich die Besten der Oberpfalz im Schnellschach in Bad Kötzting. Nahezu unbemerkt duellierten sich 28 Schnelldenker im Gasthaus Fechter, um den Besten zu ermitteln.

Keine Generationenfrage ist das Schachspielen, blickt man auf die Einsteigerquote wie auch die Erfolgsquote bei den Meisterschaften. Dass Talente wie der Further Max Glaser (r.) eines Tages Grandseigneurs wie Max Riedl schlagen, liegt in der Natur des Spiels. Foto: Riedl

Anlass für das Turnier in Bad Kötzting war unter anderem auch, dass der hiesige Schachclub heuer 40 Jahre jung wird und deshalb eine Reihe von Turnieren ausrichtet. Die rund 40 Herren und vereinzelte Damen erfreuen sich eines in etwa konstanten Mitgliederniveaus. Was nach den Worten von Chams Galionsfigur im Schachsport, Max Riedl, zum einen an der geistigen Leistungsfähigkeit liegt, die zusammen mit der Erfahrung bis ins hohe Alter eine ebenfalls hohe Spielstärke ermöglicht.

Junge Spieler kommen meist über die Schule zum Schachsport, auch weil es wenige Eltern gibt, die gegen die Ambitionen ihres Sprösslings etwas hätten. Die Gründe sind einleuchtend: Die Erfolgsfaktoren von Denksportarten wie Konzentration, geistige Ausdauer und Beharrlichkeit, oder der Umgang mit Niederlagen – diese Fähigkeiten sind auch abseits der Spielbretter ganz brauchbar.

Ein einträgliches Geschäft war das Schachspiel für die Firma Aulfes in Chamerau. Täglich wurden dort tausende Figuren und dutzende Spielbretter aus Birkenholz hergestellt. Der Holzbedarf lag in den Spitzenjahren bei 400 bis 500 Ster. Foto: Riedl

Die jüngere Geschichte des Schachs in der Region ist nach den Worten von Max Riedl aber auch eine wirtschaftliche. Die 1947 in München von Walter Aulfes gegründete, gleichnamige Firma kaufte 1960 die „Bayerwald-Spielefabrik“ in Chamerau. Es war der Beginn der vielseitigen Spielefertigung. 1964 wurde die Firma „Walter Kolnhofer“ in Cham Janahof von der Firma Aulfes übernommen und damit die Schachfigurenfertigung in Holz. Kolnhofer hatte schon seit 1956 Holzschachfiguren produziert. 1971 wurde dann der Neubau in Neukirchen b. Hl. Blut bezogen, und hier wurden auch die Schachbretter und Faltpläne gefertigt (heute Fa. Zollner). 1971 kaufte Aulfes in Chamerau weitere Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße, und die Schachfertigung wurde von Janahof nach Chamerau verlagert.

Hunderte Ster Birkenholz verbau

Die Schachfigurenproduktion erfolgte auf Automaten, die 4000 bis 5000 Bauern-Figuren am Tag lieferten. Das entspricht dem Material für 250 bis 300 Spielsets für weiße und schwarze Schachfiguren. Bei komplizierteren Figuren wie Dame und König war die Stückzahl natürlich geringer. Es kam ausschließlich Birkenholz zur Verarbeitung.

Nach einer einjährigen Trockenzeit wurden dann Stäbe verarbeitet. Der Holzbedarf lag in den Spitzenjahren bei 400 bis 500 Ster. Schachbretter, Pläne, Planfolien und auch Faltpläne wurden in Cham und Neukirchen gefertigt. 1977 wurde die Schachfertigung in Holz eingestellt.

„Schach“ schallte es einst über den Rimbacher Dorfplatz im Schachduell Lichtenegger Bund (LiBu) und Festspielgemeinschaft (FSG). Öffentliche Spiele – verkleidet, oder in zivil – sind mittlerweile selten. Regisseur Johannes Reitmeier ist übrigens ein großer Schach-Anhänger. Foto: fd

Bis 1988/89 wurden Schachfiguren in drei Größen als Reiseschach aus dem Kunststoff Polystyrol gespritzt. Geliefert wurden die Spiele zu Händlern in ganz Deutschland und ins benachbarte Ausland. Noch heute ist Schachmaterial von Aulfes in Gebrauch. Der Schachclub Neukirchen beim Heiligen Blut beispielsweise spielt seit Jahrzehnten auf Aulfes-Plastikplanen.

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