MyMz
Anzeige

Rückblick

Als der Ausnahmezustand herrschte

Die Bürgerinitiative Bayerischer Wald gegen Atomanlagen erinnert am 14. Juni mit einer Filmaktion in Nößwartling an das Ende der WAA vor 25 Jahren.

An Demonstrationen wie dieser beteiligten sich auch die Mitglieder der Bürgerinitiative Bayerischer Wald gegen Atomanlagen immer wieder.

Cham.Vor 25 Jahren kam es zum Aus der WAA in Wackersdorf. Auf den gemeinsamen Kampf und den letztendlichen Erfolg möchte die Bürgerinitiative (BI) Bayerischer Wald gegen Atomanlagen aufmerksam machen. Am 14. Juni veranstaltet sie im LBV-Zentrum in Nößwartling eine Filmveranstaltung.

Über das Ende der WAA-Pläne in der Oberpfalz schreibt Sepp Baumann in einer Pressemitteilung: „Dass dies damals gelungen ist, war sicherlich der Tatsache zu verdanken, dass sich so viele Menschen dem Widerstand gegen dieses WAAhnsinnsprojekt angeschlossen haben und auf allen Ebenen dagegen vorgegangen wurde.“ Auch die Mitglieder der BI hätten damals sehr viel Zeit, Geld und noch viel mehr an Energie für die Heimat geopfert – „trotz der zahlreichen Anfeindungen und Verleumdungen“.

„Gegner diffamiert“

Baumann wird in seinen Erinnerungen durchaus deutlich: „Mit Falschaussagen und Diffamierungen der Gegner durch die verantwortlichen Politiker der CSU sollte die WAA gegen die Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt werden.“

Doch der Einsatz im Widerstand habe sich letztendlich für alle gelohnt. Der Bau und vor allem die Inbetriebnahme einer WAA in Wackersdorf hätten nach seiner Darstellung „dramatische Auswirkungen nach sich gezogen“. Der geplante 200 Meter hohe Kamin hätte laut Baumann dafür gesorgt, dass der radioaktive Feinstaub über die gesamte Oberpfalz und darüber hinaus verteilt worden wäre.

„Auch der Landkreis Cham wäre somit je nach Windrichtung stark davon betroffen gewesen. Ebenso wären äußerst negative Folgen durch die Ableitung von radioaktiv verseuchtem Wasser in die Naab zu befürchten gewesen.“

Am Samstag, 14. Juni, will die Bürgerinitiative mit zwei Filmen aus dieser Zeit an die einschlägigen Ereignisse und „dieses eindringliche Stück Zeitgeschichte in der Oberpfalz“ erinnern, das bei jedem, der dabei gewesen sei, einschneidende Spuren hinterlassen habe.

Drastisches Vorgehen

Die drastischen Vorgehensweisen der Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen und der Staatsregierung mit Unterstützung des Polizeiapparates gegen die Mehrheit der Bevölkerung dürften nicht in Vergessenheit geraten, heißt es in der Mitteilung der BI. Jeder, der in irgendeiner Weise mitgeholfen habe oder sich für diese Zeit des Widerstandes interessiere, sei zu der Veranstaltung eingeladen.

Wie hartnäckig dieser Widerstand war, zeigt die Fülle an Aktivitäten, mit denen die Bürgerinitiative in den Jahren 1986 bis 1989 gegen die WAA kämpfte. So gab es nicht nur unzählige Infostände, Büchertische oder Plakataktionen.

Auch Informationsveranstaltungen in den Gemeinden wurden dutzendfach abgehalten. Haushalte in der Region erhielten die Infozeitschrift „Oberpfalz Initiativ“, Unterschriften wurden gesammelt, Anzeigenaktionen gestartet oder Einwendungen zusammengetragen.

Die Mitglieder nahmen am Erörterungstermin teil, organisierten Großveranstaltungen mit Wissenschaftlern in Cham und stellten eine Aktionswoche mit Menschenkette und Spontandemo in Kötzting auf die Beine. Darüber hinaus stellten sie immer wieder Busse für Demonstrationen in Wackersdorf, Schwandorf und München zusammen.

Nicht zuletzt waren die Aktiven im Hüttendorf dabei und erlebten dessen Räumung mit. Dazu kamen laut Sepp Baumann „die vielen allsonntäglichen Spaziergänge am Baugelände beziehungsweise Bauzaun“.

Infos zum 14. Juni

Die Bürgerinitiative Bayerischer Wald gegen Atomanlagen zeigt am 14. Juni zwei Filme. Dies ist zum einen (Beginn: 16 Uhr) das Werk „Spaltprozesse“. Ab 19 Uhr wollen die Mitglieder zum anderen mit dem Video „WAAHNROCK“ das WAAhnsinns-Festival Revue passieren lassen. Der Film „Spaltprozesse“ von Bertram Verhaag und Claus Strigel eröffnet nach Angaben der Veranstalter einen Einblick in die landschaftliche und ökologische Zerstörung rund um den Bau einer WAA. Er schildert ferner die damit verknüpften atompolitischen Absichten. Verdeutlicht werde auch die Gefährdung der Bevölkerung durch radioaktive Schadstoffemissionen.

In „WAAHNROCK“ von Helge Cramer geht es um das legendäre 5. WAAhnsinns-Festival, bei dem viele Mitglieder der BI als Ordner beim im Einsatz. 90 Tage nach Tschernobyl kamen damals 120 000 Menschen zum friedlichen Protest „gegen den atomaren WAAhnsinn“ in die Oberpfalz. Das Video verknüpft Nachrichten und Musik, Interviews und Statements, Beobachtungen und Originaltonmaterial.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht