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Freitag, 20. Juli 2018 29° 2

Erinnerungen

Als die Berta die kleinen Vögel rettete

Berta Heimerl aus Schorndorf schreibt in loser Folge für uns – diesmal über zwei Taten mit Herz. „Ich habe sie vermisst.“
Von Berta Heimerl

1995 päppelte Berta Heimerl aus Pfahlhäuser − mittlerweile lebt die 86-Jährige in einer Seniorenresidenz in Schorndorf − drei Kohlmeisen auf. Foto: Heimerl
1995 päppelte Berta Heimerl aus Pfahlhäuser − mittlerweile lebt die 86-Jährige in einer Seniorenresidenz in Schorndorf − drei Kohlmeisen auf. Foto: Heimerl

Schorndorf.„Zwei meiner liebsten Tiergeschichten“: Es war im Jahr 1954, ein total verregneter Sommer. Ich kann mich noch gut daran erinnern. In Cham war ein großes Hochwasser. Der Schaustellerfamilie Kollmann ist die automatische Orgel davongeschwommen, die bei der Schiffschaukel in der Stadellohe nahe am Regenfluss stand. Das Heu ist auf der Wiese verfault. Es hat pausenlos geregnet.

In unserem Kuhstall hat alle Jahre ein Schwalbenpärchen gebrütet. Als die jungen Schwalben geschlüpft waren, musste ich zusehen, wie sie langsam verhungern sollten. Ihre Eltern konnten wegen des schlechten Wetters nicht fliegen, um Nahrung zu suchen. Die Fliegen im Stall hatten sie schon alle vertilgt.

Sie suchte nach Würmern

Da fing ich an, die jungen Schwalben zu versorgen. Unter jedem Stein suchte ich nach Würmern und Insekten. Diese stopfte ich den Jungen in die Schnäbel. Die Vogeleltern auf den Balken im Stall sahen teilnahmslos zu. Dann kam besseres Wetter, und die Altvögel übernahmen wieder ihre Aufgaben. Die Schwälbchen wurden alle flügge und konnten den Stall verlassen. Es hat mich gefreut, dass ich die kleinen Schwalben retten konnte.

In späteren Jahren, und zwar 1995, ist mir wieder so was Ähnliches passiert. Diesmal handelte es sich um kleine Kohlmeisen, die mir jemand in einem Vogelkäfig vorbeibrachte. Die Altvögel waren umgekommen. Jämmerlich bettelten die kleinen Meisen um Futter. Ich kaufte Mehlwürmer, spießte sie auf Zahnstocher und stopfte sie in die gelben Schnäbelchen. Nachts deckte ich die Vögel mit einer Wollsocke zu. Sie hielten mich für ihre Eltern. Bald flatterten sie im Käfig herum. Später eroberten sie das Balkongeländer.

Ihre nächste Bleibe

Es kam die Zeit, wo sie flügge wurden. Im Zwetschgenbaum beim Haus war ihre nächste Bleibe. Auf meinen Zuruf kamen sie immer, um Futter zu bekommen. Dann war das nahe Birkenwäldchen ihr Ziel. Wenn ich auf dem Bankerl saß, kamen sie angeflattert, eines nach dem anderen und setzten sich auf meine Schultern und Arme. Eines Tages blieben sie ganz aus. Sie haben den Wald entdeckt.

Ich habe sie sehr vermisst.

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