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Cham/Landkreis

Als die Bierprobe noch „Beschau des Bieres“ hieß

„Bierproben in früheren Zeiten“: So war ein Vortrag des Chamer Stadtarchivars Timo Bullemer kürzlich bei der Bierprobe des Volksfestvereins überschrieben.
Karl Pfeilschifter

Stadtarchivar Timo Bullemer sprach über die Geschichte der Bierproben.  Foto: Karl Pfeilschifter
Stadtarchivar Timo Bullemer sprach über die Geschichte der Bierproben. Foto: Karl Pfeilschifter

Cham.„Bierproben in früheren Zeiten“: So war ein Vortrag des Chamer Stadtarchivars Timo Bullemer kürzlich bei der Bierprobe des Volksfestvereins überschrieben. Vor 500 Jahren nannte man es noch „Beschau des Bieres“.

In der heutigen Zeit finden landauf und landab diese Bierproben in einem illustren Kreis von Gästen statt, meist um auf die kommenden festlichen Tage öffentlich aufmerksam zu machen. Bullemer verwies darauf, dass Bierproben als Qualitätskontrollen untrennbar mit der Einführung der ältesten heute noch gültigen lebensmittelrechtlichen Vorschrift der Welt, dem Reinheitsgebot für Bier, verbunden seien. Diese Verordnung aus dem Jahr 1516 betraf zuerst hauptsächlich Ober- und Niederbayern. Die Stadt Cham und Umgebung gehörten damals nicht zum bayerischen Herzogtum. Die Lebensmittelvorschrift überzeugte auch andere Landesherren, so dass im Jahr 1533 eine Bierordnung auch für die Oberpfalz in Kraft trat.

Die Landesherren wollten mit dem Reinheitsgebot sicherlich die Konsumenten vor schädlichen Inhaltsstoffen schützen. Man wusste auch damals schon, dass ohne regelmäßige Kontrollen, ohne Strafandrohungen, Vorschriften nicht das Papier wert waren, auf dem sie gedruckt wurden. Im Herzogtum Bayern wurde erstmals im Jahr 1530 die Bierbeschau geregelt. Künftig sollte kein Bier mehr ohne vorherige Kontrolle ausgeschenkt werden. Im Laufe der Jahre wurden die Vorschriften immer wieder verändert und verschärft.

Die wichtigste Frage war, wie man eigentlich Bierbeschauer werden konnte und welche Fähigkeiten man für dieses Amt mitbringen musste. Einen Bierbeschauer nannte man auch Bierkieser. Bullemer erklärte, dass das Wort „kieser“ mit „auserkoren“ und „Kür“ verwandt sei. „Zu Bierkiesern sollten nur zuverlässige, biedere und fachkundige Männer bestimmt werden“, erklärte der Stadtarchivar. So wurde diese Aufgabe anerkannten Biertrinkern aus vielen Berufszweigen übertragen.

Bierbeschauer waren außerdem die Mitglieder des Chamer Stadtrates. Weil die Kosten für so eine Kontrolle von den Bierproduzenten zu tragen waren, legte man die Zahl der Bierkieser auf zwei Männer fest. Mehr Personen sollten es nicht sein, um die Angelegenheit für die Brauer nicht unnötig zu verteuern. Verboten war es auch, Bierkieser bei einer Bierprobe auf Kosten der Brauer zu verköstigen. Diese Lebensmittelkontrollen sollten regelmäßigt und wenigsten monatlich durchgeführt werden. Es ranken sich auch viele Geschichten um die Bierproben.

Die richtigen Bierkieser hatten die Anweisung, die Qualität des Gerstensaftes anhand von Geruch, Farbe und Durchsichtigkeit zu prüfen. Das Bier musste damals gut und malzreich sein. Wenn es bloß trinkbar oder mittelmäßig befunden wurde, war das schon strafwürdig. (cft)

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