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Region Cham
Mittwoch, 15. August 2018 24° 6

Forst

Am Hohenbogen fliegen jetzt die Bäume

Hunderte Bäume werden auf dem Ahornriegel gefällt. Der ist so steil, dass das Holz nur per Seilkran abzutransportieren ist.
Von Alois Dachs

Da staunen nicht nur Forstleute: Die Seilkrananlage hievt Bäume über bis zu 800 Meter lange Strecken den Hohenbogen-Nordhang hoch. Fotos: Dachs
Da staunen nicht nur Forstleute: Die Seilkrananlage hievt Bäume über bis zu 800 Meter lange Strecken den Hohenbogen-Nordhang hoch. Fotos: Dachs

Bad Kötzting.Am Hohenbogen fliegt seit Sommer 2017 nicht nur der Borkenkäfer, bis voraussichtlich Mitte Juni schweben auch Bäume die Steilhänge auf der Nordseite des Berges hinauf. Zwischen dem Gasthaus Schönblick und den Nato-Türmen am Ahornriegel werden Hunderte Bäume gefällt und mit einer Seilkrananlage geborgen. Revierleiter Franz Amann und der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Roding, Harald Schiller, erläuterten am Freitag, warum diese relativ teure Methode der Holzbergung gewählt wurde.

Extreme Steillagen fordern

Weil das Gelände ein Gefälle bis zu 70 Grad aufweist und mit vielen Felsen durchsetzt ist, konnten normale Forstmaschinen wie Harvester, Forwarder, oder Rückeschlepper nicht eingesetzt werden. Zwischen den Staatswaldflächen an der Hohenbogen-Nordseite liegen auch Privatwälder, die kaum zu bewirtschaften waren.

Die Mitarbeiter des Forstbetriebs Roding und der Staatsforstverwaltung haben auf Revierkarten das Gebiet festgelegt, auf dem die Seilkrananlage eingesetzt wird. Vor allem vom Borkenkäfer befallene Bäume gilt es vor einer weiteren Ausbreitung des Schädlings zu „entsorgen“. Fotos: Dachs
Die Mitarbeiter des Forstbetriebs Roding und der Staatsforstverwaltung haben auf Revierkarten das Gebiet festgelegt, auf dem die Seilkrananlage eingesetzt wird. Vor allem vom Borkenkäfer befallene Bäume gilt es vor einer weiteren Ausbreitung des Schädlings zu „entsorgen“. Fotos: Dachs

Deshalb informierte der Neukirchener Revierleiter Florian Fischer die Waldbesitzer über den geplanten Seilkraneinsatz, und alle Waldbesitzer akzeptierten den Vorschlag, in den teilweise seit Jahren nicht mehr bewirtschafteten Beständen die Forstarbeiter des Unternehmers Bernhard Alt aus dem Allgäu mit einzusetzen. Drei Männer fällen die markierten Bäume – wobei die Stämme aus dem Staatswald und aus dem Privatwald mit jeweils verschiedenen Farben gekennzeichnet werden mussten – ehe sie mit einem Zugseil an die Trasse des Schleppseils herangeholt werden.

Mit diesem Schleppseil hievt die Seilkrananlage die Baumstämme den Berg hoch, ehe sie auf dem Forstwirtschaftsweg nahe dem Gasthaus „Schönblick“ von einem Bagger mit Harvesterkopf fertig entastet, ausgelängt und auf Polter sortiert werden.

So aufwändig ist Forstarbeit am Hohenbogen

Riesige Holzpolter türmen sich am Weg oberhalb des Gasthauses „Schönblick“. Dort werden die vom Seilkran hochgehievten Bäume komplett von einem Bagger mit Harvesterkopf entastet und auf die Stapel verteilt. Bäume aus dem Staats- und Privatwald werden getrennt sortiert. Fotos: Dachs
Riesige Holzpolter türmen sich am Weg oberhalb des Gasthauses „Schönblick“. Dort werden die vom Seilkran hochgehievten Bäume komplett von einem Bagger mit Harvesterkopf entastet und auf die Stapel verteilt. Bäume aus dem Staats- und Privatwald werden getrennt sortiert. Fotos: Dachs

Forstwirtschaftsmeister Manfred Liegl koordiniert vor Ort den Maschineneinsatz, der Arbeitstrupp des Forstunternehmens Bernhard Alt aus dem Allgäu kommt aus Rumänien und erweist sich als eingespieltes Team, das bis zu 80 Festmeter Holz am Tag fällt, liefert und sortiert. Der Einsatz der Seilkrananlage ist nach Überzeugung der Forstleute in dem extrem schwierigen Gelände an der Hohenbogen-Nordseite die ideale Lösung, weil durch die fehlende Erschließung über Jahre hier keine Holzernte erfolgte. Deshalb kann neben den vom Borkenkäfer geschädigten Bäumen sehr viel hiebreifes Holz geschlagen werden, was wiederum die Naturverjüngung enorm fördert.

Gesperrte Wanderwege und Umleitungen müssen unbedingt beachtet werden. Mit der Seilzuganlage werden Bäume fast lautlos über Strecken bis zu 800 Meter geschleppt. Wanderer in der Seilzugstrecke begeben sich in Lebensgefahr, wenn sie die Warnhinweise missachten. Fotos: Dachs
Gesperrte Wanderwege und Umleitungen müssen unbedingt beachtet werden. Mit der Seilzuganlage werden Bäume fast lautlos über Strecken bis zu 800 Meter geschleppt. Wanderer in der Seilzugstrecke begeben sich in Lebensgefahr, wenn sie die Warnhinweise missachten. Fotos: Dachs

Neben Buche, Fichte und Tanne sind am Hohenbogen viele Edellaubholz-Arten wie Esche, Ahorn oder Ulme zu finden und sollen auch in den neu bearbeiteten Flächen hochkommen. „Die bayerischen Staatsforsten ernten streng nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit“, sagt Harald Schiller, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Roding. Es wird nur so viel Holz geschlagen, wie wieder nachwächst. Nach einer langen Wintersaison – der letzte Schnee am Berg taute erst vor wenigen Tagen weg – sei nun Eile geboten.

Dabei müssten neben den vom Buchdrucker geschädigten Bäumen auch Stämme geschlagen werden, die frisch vom Borkenkäfer befallen sind, sagt Revierförster Franz Amann. Mit allen Mitteln müsse versucht werden, eine weitere Ausbreitung in dem schwer zugänglichen Gebiet zu verhindern. „Wenn hier noch einmal der Borkenkäfer aktiv werden würde, bliebe nur das Entrinden gefällter Bäume als Bekämpfung“, ist Amann überzeugt.

Alternative im Privatwald

Luitpold Titzler, der zuständige Abteilungsleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham, freut sich besonders, dass auch die Privatwaldbesitzer sofort bereit waren, ihre Bestände am Hohenbogen mit bearbeiten zu lassen. Der Einsatz der Seilkrananlage wird auch staatlich gefördert, was die höheren Kosten für die Holzernte wieder abmildert.

Die Wanderwege  rund um Eckstein, Ahornriegel und durch das gesamte Gnoflmoos wurden weiträumig umgeleitet, um einen gefahrlosen Zugang zum Hohenbogen-Berghaus, dem „Schönblick“ und zur Aussichtsplattform auf dem größeren der beiden „Natotürme“ zu sichern.  Fotos: Dachs
Die Wanderwege rund um Eckstein, Ahornriegel und durch das gesamte Gnoflmoos wurden weiträumig umgeleitet, um einen gefahrlosen Zugang zum Hohenbogen-Berghaus, dem „Schönblick“ und zur Aussichtsplattform auf dem größeren der beiden „Natotürme“ zu sichern. Fotos: Dachs

Schiller und Titzler halten dieses Modell auch für geeignet, in schwer zugänglichen Privatwäldern effizient Holz zu ernten. Die beteiligten Waldbesitzer müssten sich für diese Holzbringung entscheiden, die hauptsächlich im Alpenraum üblich ist, ebenso aber auf nicht befahrbaren Moorböden Anwendung findet. Gegenüber dem „normalen“ Holzeinschlag bietet der Seilkran auch den Vorteil, dass die Rücke-, bzw. Schleppschneisen viel schmäler gehalten werden können als beim Einsatz von Forwardern und Harvestern. An den steilen Hängen des Gnoflmooses am Hohenbogen jedenfalls bewährt sich diese Technik bestens, um Platz für eine neue, artenreiche Waldgeneration zu schaffen, sagen die Forstleute übereinstimmend.

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