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Geschichte

An Sebastiani ruhte die Waldarbeit

Am 20. Januar gedachten die Holzfäller ihrem Schutzpatron mit einem Feiertag. ein Zeitzeuge erinnert sich.

Mit einem einfachen Fuhrwerk wurden die mächtigen Baum-Blöcke transportiert. Fotos: Archiv kts
Mit einem einfachen Fuhrwerk wurden die mächtigen Baum-Blöcke transportiert. Fotos: Archiv kts

Zandt.Der hl. Sebastian ist der Schutzpatron der Waldarbeiter. Deshalb war für sie der 20. Januar immer ein Feiertag. Den Namenstag des hl. Sebastian zum Anlass, soll hier an die einstige Waldarbeit erinnert werden.

Nach alter Überlieferung durfte an Sebastiani kein Baum verletzt werden. Der Altlandkreis Kötzting gehört zu den größten zusammenhängenden Waldlandschaften Mitteleuropas, es ist ein Gebiet, das sich bis heute noch etwas von seiner ursprünglichen Eigenart und Urwüchsigkeit bewahrt hat. Das Holz war von jeher der Reichtum der Waldler. Das alte Sprichwort „Arbeitsschwielen an den Händen bringen mehr Ehre als goldene Ringe an den Fingern“ passt auch für die „Waidla“. „Holz macht dreimal warm“, so ein anderer Spruch: „Beim Fällen, beim Hacken und im Ofen!“.

Ein Zehn-Stunden-Arbeitstag

Albert Christl (li.) beim Holzschneiden mit seinem Nachbarn Fotos: Archiv kts
Albert Christl (li.) beim Holzschneiden mit seinem Nachbarn Fotos: Archiv kts

Albert Christl aus Untervierau, inzwischen verstorben, erinnerte sich, als er in den 40er Jahren als geprüfter Waldarbeiter im Staatswald beschäftigt war. Als 17-Jähriger musste er zehn Stunden täglich für 24 Pfennige Stundenlohn arbeiten. Die Arbeiten im „Holz“ waren einst sehr beschwerlich und nicht zu vergleichen mit denen in der jetzigen Zeit, wo Motorsägen, Seilwinden, moderne Maschinen wie Harvester, Holzspalter und weitere Geräte zur Verfügung stehen. Es gab keine Schutzhelme, keine Sicherheitsschuhe und dergleichen. „Gearbeitet wurde mit der Baumsäge, entastet mit der Axt, die Stämme mit dem Wendhaken gedreht, und mit einem „Louschäuferl“ wurde das Schleifholz entrindet. „Wir hatten schlechtes Schuhwerk, und auch die übrige Kleidung war nicht wetterfest. Besonders schlimm war es in den Wintermonaten 1944/45, da mussten wir, unterstützt von fünf Helfern aus Miltach und Altrandsberg, durcharbeiten, im tiefen Schnee. Meist waren wir nach zehn Minuten schon durchnässt! Über Mittag blieben wir im Wald, wir hatten uns Essen mitgenommen; eine ‚Weiße Suppe‘ (Milchsuppe) und Brot, und zum Trinken Wasser, in Flaschen gefüllt. Manchmal brachten uns auch jüngere Geschwister das Mittagessen in den Wald“. Nach dem Heimkommen am Abend richtete die Mutter ein warmes Fußbad. Abtransportiert wurde das Holz seinerzeit mit Ami-Lastwagen.

Ein gewaltiger Nussbaum-Stamm auf dem Weg zur Säge Fotos: Archiv kts
Ein gewaltiger Nussbaum-Stamm auf dem Weg zur Säge Fotos: Archiv kts

„Einmal“, so erinnerte sich Albert Christl, !hat ein Amilaster, der Langholzbäume aus der Staatswaldung Prünst abtransportierte, beim Einbiegen in die Hauptstraße 2140 in Untervierau die Kurve nicht mehr gekriegt und fuhr voll an die Hauswand des Schmuckeranwesens, dass es nur so krachte!“ Holz hatte aber auch der Dirnwieser aus Blaibach mit seinen Rössern gefahren, zum Bahnhof nach Miltach, wo es verladen wurde. Albert Christl legte eine Prüfung als Forstarbeiter ab. Eingesetzt wurde er dann in den Staatswaldungen Prünst, in Blaibach beim Kreuzfelsen und beim Jägerkreuz sowie am Kötztinger Berg, zusammen mit Josef Weber (Kapellerer Sepp) aus Oberndorf und dem Sepp Engl aus Miltach. Aushelfen musste Christl außerdem in Urleiten und im Chamerauer Pfarrholz.

„Besonders gefährlich war das Ausputzen des Schneebruches. Einmal hätte es mich bald erwischt“, sinniert er und erzählt von den Aufforstungsarbeiten zwischen Vierau und Altrandsberg. Sein Großvater war seinerzeit in dieser Waldung als Aufseher angestellt, von einem Münchner Rechtsanwalt, der diese Waldung erworben hatte.

Albert Christl arbeitete um 24 Pfennige Stundenlohn als Waldarbeiter. Nach der Währungsreform 1948 änderte sich dies und plötzlich war diese Beschäftigung sehr gefragt. Albert Christl aber fand bald darauf in der „Quetsch z’Raschbat“ Arbeit und später in der „ARA-Kunst“, wo er bis zum Eintritt ins Rentnerleben beschäftigt war.

Viele Unglücksfälle im Wald

Die Waldarbeiterin Ottilie Hofmeister Fotos: Archiv kts
Die Waldarbeiterin Ottilie Hofmeister Fotos: Archiv kts

Der hl. Sebastian wird wohl oft seine schützende Hand über die Waldarbeiter gehalten haben, dass ihnen nichts passiert ist oder, dass es glimpflich abgegangen ist. Ottilie Hofmeister aus Altrandsberg - inzwischen ist sie hochbetagt verstorben – arbeitete in ihrer Jugendzeit während des Zweiten Weltkrieges als Waldarbeiterin. Der Bauer, bei dem sie als „Große Dirn“ in Diensten war, befand sich im Krieg und deshalb musste sie die anfallenden Holzarbeiten verrichten. Sie fällte Bäume und „rückte“ mit den Rössern die Stämme. „Mit den Pferden konnte ich gut umgehen“, erzählte sie.

Später, als der Bauer wieder aus dem Kriege heimgekehrt war, schaffte er sich bald einen Schlepper an, mit dem er zwei Tage später tödlich verunglückte. Dass es einst auch mit Pferdefuhrwerken Unglücke gegeben habe, beweist ein altes, steinernes Marterl im Wald am Straßenrand zwischen Denkzell und Konzell. Das Bild zeigt ein scheuendes Pferdegespann, vorgespannt an einem mit Holz beladenen Wagen und daneben einen umstürzenden Bauern. (kts)

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