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Natur

„Apfel Sepp“ hat auf alles eine Antwort

Wann muss ich meinen Baum schneiden? Was tun bei Krankheit, Hagel oder Wühlmaus? Josef Irrgang weiß, was zu tun ist.
Von Christoph Klöckner

Josef Irrgang hat den „Graf Luckner“ gezüchtet – ein Apfel, süß und saftig – eine Erinnerung an den Chamer Marschall der Franzosen. Foto: Klöckner
Josef Irrgang hat den „Graf Luckner“ gezüchtet – ein Apfel, süß und saftig – eine Erinnerung an den Chamer Marschall der Franzosen. Foto: Klöckner

Traitsching. Es schmerzt immens beim Zuschauen. Wenn Josef Irrgang mit beiden Händen in den Blütenstand seiner wehrlosen Apfelbäumchen greift und beginnt mit Daumen und Zeigefinder vorsichtig die Ansammlung von Kleinstäpfelchen zu durchforsten. Viel bleibt da nicht übrig. Wo sich vorher sieben oder acht sichtbar befruchtete Blütenstände entwickelten und der nichtsahnende Apfel-Laie sich über so viel Fruchtbarkeit seines Baumes freut, bleiben gerade hier einmal zwei stehen.

Doch der „Apfel Sepp“ – das blaue T-Shirt mit dem Namensaufdruck hat er von seiner Tochter 2017 zu seinem Sechzigsten bekommen – weiß, was er tut. Er ist Profi rund um den Apfel. Seit zwölf Jahren hat er, der sonst als Fleischkontrolleur am Landratsamt arbeitet, das Obstbaum-Hobby zur Berufung gemacht, besucht europaweit Apfel- und Obstausstellungen und hilft dem Bayerischen Obstzentrum mit dem „Apfel-Papst“ Dr. Michael Neumüller bei Testzüchtungen.

150 Sorten im Garten

Das tut beim Hinschauen weh, ist aber unabdingbar, wenn man dicke Äpfel haben und den Baum nicht überlasten will. Zwei befruchtete Blütenstände pro Blütenstand dürfen bleiben – der Rest muss weg. Zwei, weil auch einmal ein Wurm vorbeikommen kann, sagt Sepp Irrgang. Foto: Klöckner
Das tut beim Hinschauen weh, ist aber unabdingbar, wenn man dicke Äpfel haben und den Baum nicht überlasten will. Zwei befruchtete Blütenstände pro Blütenstand dürfen bleiben – der Rest muss weg. Zwei, weil auch einmal ein Wurm vorbeikommen kann, sagt Sepp Irrgang. Foto: Klöckner

Es gibt keinen Tag, wo er nicht mehrere Stunden zwischen seinen Spalierapfelbäumen verbringt. Etwa 150 verschiedene Sorten betreut er dort im Garten oberhalb des Gewerbegebiets von Wilting. Einen eigenen „Graf Luckner“ hat er mit Erfolg gezüchtet – „zwei Bäume habe ich davon“, sagt er. Ein aromatischer Apfel sei das, der sicher gut zum Glockenspiel der dem Marschall gewidmeten Marseillaise am Chamer Marktplatz schmeckt.

Was viele Obstbaum-Liebhaber gab nicht vermuten: Eine große Gefahr für kleine Bäume lauert unterhalb des Bodens. Wühlmäuse lieben Wurzeln – „die machen die Bäume kaputt“, sagt Sepp Irrgang. Deshalb haben seine Bäume einen Drahtschutz um die Wurzeln.   Foto: Klöckner
Was viele Obstbaum-Liebhaber gab nicht vermuten: Eine große Gefahr für kleine Bäume lauert unterhalb des Bodens. Wühlmäuse lieben Wurzeln – „die machen die Bäume kaputt“, sagt Sepp Irrgang. Deshalb haben seine Bäume einen Drahtschutz um die Wurzeln. Foto: Klöckner

Die Ausdünnung auf das Duo im Blütenstand gibt dem Apfelbaum die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, weiß Josef Irrgang. Zwei bleiben zur Sicherheit – falls sich mal ein Wurm dorthin verirre, meint er. Durch die Reduzierung werden die Äpfel dicker und der Baum verausgabt sich nicht. Das könne passieren, wenn sich zu viele Äpfel entwickeln. „Dann geht der Baum im nächsten Jahr in den Streik!“, so der „Apfel Sepp“. Im Vergleich zur unumstößlichen, deutschen Eiche ist der Apfelbaum eine Mimose. Gefahr droht ihm und seinen leckeren Früchten von allen Seiten. Von unten kommt die Wühlmaus, die sich die Wurzeln schmecken lässt. Oberhalb knabbern Hasen und Rehe die jungen Triebe ab. Oder es nisten sich Pilze oder Krankheiten wie Mehltau ein. Irrgang versucht, so wenig Mittel wie möglich einzusetzen. Er nutzt etwa Algendünger oder Brennnesselsud, setzt auf biologische Gegner der Schädlinge. „Der Wind ist das beste Pflanzenschutzmittel!“, hat er festgestellt.

Auch zu viel Sonne kann schaden. Und wenn es ganz schlimm kommt, ziehen dunkle Wolken auf: Hagel ist ein nicht zu unterschätzender Feind friedlicher Obstbäume. Josef Irrgang zeigt beim Durchgehen die großen Wunden, die die Eiskörner 2017 bei seinen Bäumen hinterließen. Im Test für Obstbauern hat er deshalb gerade einen Schutz, der die Bäume im Ernstfall mit einem engmaschigen Netz umschließt.

Wann sollte geschnitten werden?

Das Thema Schneiden ist elementar für die Bäume, soder Fachmann. Allgemein werde zu wenig geschnitten und natürlich zu früh. Der Juni sei der beste Monat für Säge und Gartenschere. Werde regelmäßig am Baum gearbeitet, brauche man jedes Jahr nur wenig schneiden, sagt er.  Foto: Klöckner
Das Thema Schneiden ist elementar für die Bäume, soder Fachmann. Allgemein werde zu wenig geschnitten und natürlich zu früh. Der Juni sei der beste Monat für Säge und Gartenschere. Werde regelmäßig am Baum gearbeitet, brauche man jedes Jahr nur wenig schneiden, sagt er. Foto: Klöckner

Ein wichtiger Punkt im Leben eines Obstbaums wie bei Josef Irrgang ist das Schneiden der Bäume. „Es wird oft zu wenig, zu früh oder zu spät geschnitten!“, sagt er. Die Folge sei ungezügeltes Wachstum und eine magere Ernte. Noch schlimmer sei es, zu viel wegzunehmen: „Am Schluss heißt es: Dem Baum hab’ ich’s gezeigt!“ Der wachse danach ungezügelt, weil er keine Früchte entwickeln müsse. Nach seiner Erfahrung ist der beste Zeitpunkt für den Einsatz der Schere Ende Mai sowie der Juni.

Seit Eva einst im Paradies dem Apfel zum Opfer gefallen ist, haben sich unzählige Apfelsorten entwickelt. Heute sei ein Ziel der Züchter, kleine Snack-Äpfel zu ernten, nicht Allergien auslösende oder zuckerfreie Früchte oder solche mit extraviel Antioxidantien, die Krebserkrankungen vorbeugen sollen, zu erzeugen.

Alles Gute kommt von oben? Hier nicht! Kommt der Hagel, leiden die Bäume. Die Schäden an der Rinde sind massiv, wie der Apfelfachmann weiß – hier zeigt er die Wunden von 2017. Dagegen können engmaschige Netze helfen, die er in einer Versuchsanlage im Garten testet.  Foto: Klöckner
Alles Gute kommt von oben? Hier nicht! Kommt der Hagel, leiden die Bäume. Die Schäden an der Rinde sind massiv, wie der Apfelfachmann weiß – hier zeigt er die Wunden von 2017. Dagegen können engmaschige Netze helfen, die er in einer Versuchsanlage im Garten testet. Foto: Klöckner

Einen Sortentipp für Chamer Apfelbaum-Pflanzer hat Irrgang auch parat. Er setzt auf eher kleinen Wuchs, denn wer heute schon einmal einen Apfelbaum pflanze, der wolle nicht irgendwann auf die Leiter steigen, um zu ernten. „Viele füllen ihre Gärten mit Steinen, wo dann kein Leben mehr zu finden ist“, hat Josef Irrgang beobachtet. Er rät den Chamern zum resistenten „Red Topaz“, der wachse in unseren Gefilden gut und trage rote, überaus saftige Äpfel. Denn trotz der schlechten Erfahrungen von Schneewittschen im Märchen mit der roten Apfelseite, sei es heute noch immer so: Gefragt seien bei den Menschen leuchtend rote Äpfel. Lege er bei Ausstellungen Kostproben aus, seien die roten Äpfel zuerst weg.

Nach seinen Prognosen – Frost werde es wohl nicht mehr geben – wird die Obsternte übrigens Rekordniveau erreichen: „Es wird ein Jahrhundertjahr!“

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