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Region Cham
Mittwoch, 19. September 2018 26° 1

Glauben

Apostelfürsten sind Patrone von Chamerau

Die Pfarrei feiert Petrus und Paulus. Am Sonntag führt eine Prozession durch Chamerau zu zwei Altären.

Der Taufstein stammt aus dem 13. Jahrhundert. Fotos: che
Der Taufstein stammt aus dem 13. Jahrhundert. Fotos: che

Chamerau.Am Sonntag feiert Chamerau das Patrozinium der Pfarrkirche Peter und Paul. Die Patroziniumsfeier beginnt um 8.30 Uhr mit der Aufstellung am Bahnhof zum Kirchenzug. Um 9 Uhr ist Messe mit anschließender Prozession zu zwei Altären. Die Kommunionkinder nehmen in Gewändern, ohne Kerzen, dafür aber mit Blumen teil.

Als Wahrzeichen der Gemeinde erhebt sich die Chamerauer Pfarrkirche mit dem Zwiebelturm am linken Ufer des Regens im Zentrum. Das Gotteshaus hat eine bewegte und lange Geschichte, wurde es doch teilweise zerstört, wieder aufgebaut und erweitert. Zwei Bauelemente bestimmen den äußeren Eindruck der Pfarrkirche St. Peter und Paul: das wuchtige quadratische Untergeschoss des Turms mit einem kurzen achteckigen Oberteil, darauf der Turmabschluss in Zwiebelform. Der untere Turmteil, die Seitenmauern des Langhauses und des Chores sind noch mittelalterlich. Die darüber liegenden Teile entstanden nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg. 1959/60 erfolgte nach einem Abbruch im rückwärtigen Bereich nach Entwürfen des Architekten Günthner aus Regensburg ein Anbau in Oktogonform.

Am Hochaltar stehen als Wächter Figuren von St. Peter und Paul sowie Anna und Joachim. Der linke Altar ist dem hl. Josef geweiht, der rechte Maria. Eine Kostbarkeit in der Ausstattung ist der spätromanische Taufstein (1250) mit den Aposteln. Die Deckengemälde stellen Szenen aus dem Leben der Kirchenpatrone und die Steinigung des hl. Stephanus dar.

Kunstwerke von Henneberger

Nach der Erweiterung 1960 schuf August Phillip Henneberger aus Kötzting weitere Kunstwerke: die Kreuzwegstationen aus Steinmosaiken, die Symbole der Sakramente an der Empore, das leuchtende Glasfenster und an der Außenwand mittels Putzauftragungen das Bild „Petri Fischfang“. Der Taufstein und eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert sind die ältesten Bauzeugen der Pfarrkirche, die in der Nachbarschaft der „Urkirche des Bayerischen Waldes“ in Chammünster entstand und den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht ist. Die Zeitläufe der Kirche zurück in die Vergangenheit zu verfolgen, ist schwierig. Über Jahrhunderte wird zwar von einem Geschlecht der „cameraver“ berichtet, 1361 auch von einer Pfarrei „Lengau“. Der Name ist noch bis zum 18. Jahrhundert gebräuchlich. 1580 taucht im „Chambischen Registrierbuch“ erstmals der Pfarrname Chamerau auf. Die Jahreszahl 1576 auf einem Balken des Kirchdachstuhls ist der einzige konkrete Altersnachweis des Gebäudes. Eine Grabtafel beim Hochaltar ist Zeuge aus der Reformationszeit, einer Epoche, als Dorf und Pfarrei Pachling (Runding) „lutherisch beherrscht wurden“ und Chamerau Dekanatssitz war. Die Familie Nothafft ließ ein Kind, das im Alter von sieben Tagen starb, in der hiesigen Pfarrkirche begraben.

Altar-Aufbau von Hager

Der Aufbau des Hochaltares mit den Figuren der Apostel Petrus und Paulus, die das Bild der Gottesmutter am Hochaltar flankieren, wird Hager zugeschrieben. Neuzeitlich ist der von Philipp Henneberger geschaffene Kreuzweg. Zur Hagergruppe am Hochaltar zählt Josef Menath auch die Figuren von Joachim und Anna. „Somit leuchtet am Hochaltar von Chamerau eine sonst nicht bedachte Schauseite von Petrus und Paulus auf, treten sie hier als Männer auf, die sich durch ihren totalen Lebenseinsatz das verdient haben, was auch uns als Verheißung gegeben wurde, einmal in die familiäre Gemeinschaft Gottes aufgenommen zu werden, in die Gemeinschaft des dreifaltigen göttlichen Lebens, wie sie in der Senkrechtlinie des Chamerauer Hochaltares aufscheint, aber auch in die dann problemfreie Gemeinschaft des innigen, menschlichen Zueinanders, das im Maria-Hilf-Bild und dem Dabeisein der Großeltern einen so sichtbaren Ausdruck findet“, so seine Beschreibung der Altargruppe.

Zwischen 1640 und 1740 kamen nach Chamerau viele Menschen als Wallfahrer und zu Andachten vor einer Nachbildung des Prager Jesuleins. Wie lange sich die Statue im Glasschrein am linken Seitenaltar schon befindet, ist nicht bekannt. Das Original, eine Stiftung des Hauses Lobkowitz, steht in der Karmelitenkirche Maria vom Siege auf der Kleinseite in Prag. Kopien des Gnadenbildes, die mit dem Original berührt worden waren, wurden in vielen Klöstern und Kirchen aufgestellt. Die Nachbildung in Chamerau ist wie das Original aus Wachs geformt. (che)

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