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Wintereinbruch

Arberland versinkt im Nass-Schnee

Schneebrüche auf den Straßen rund um Lohberg halten die Einsatzkräfte in Atem. Am Mittwochmorgen spitzte sich die Lage zu.
Von Maria Frisch und Stefan Weber

Selbst relativ kräftige Bäume stürzten durch die Schneelast auf der Straße zwischen Lohberg und Großer Arber in der Nacht um und mussten durch die örtlichen Feuerwehren beseitigt werden. Foto: kfl
Selbst relativ kräftige Bäume stürzten durch die Schneelast auf der Straße zwischen Lohberg und Großer Arber in der Nacht um und mussten durch die örtlichen Feuerwehren beseitigt werden. Foto: kfl

Lohberg.Noch am Dienstag freute sich Arberbergbahn-Chef Thomas Liebl über die jüngsten massiven Schneefälle – doch schon am Mittwoch verursachte die weiße Pracht, die viel Nassschnee mit sich brachte, in Lagen ab 600 Metern einige Probleme durch Schneebruch. Besonders betroffen war – und wird das wohl auch in den kommenden Tagen bleiben – die Staatsstraße zum Großen Arber.

Am Mittwochvormittag wurde sogar längere Zeit beraten, ob sie nicht ganz gesperrt werden sollte, weil sich neben den bereits auf die Fahrbahn gestürzten Bäumen auch noch weitere bedenklich bogen. Letztendlich entschieden sich Straßenbauamt, Landratsamt und Polizei aber, die Strecke doch offenzuhalten. Allerdings wurden die Kontrollen verstärkt.

Bereits in der Nacht ging es los

Die Freiwillige Feuerwehr Lohberg war schon nachts und am Mittwochvormittag ausgerückt, um kurz vor dem Langlaufzentrum Scheiben einen umgestürzten Baum von der Fahrbahn zu räumen. Des Weiteren waren am Abend bereits Stämme auf der Straße zur Mooshütte gemeldet worden, die ebenfalls entfernt wurden.

Am Morgen und im Laufe des gesamten Vormittags spitzte sich die Lage auf der Staatsstraße zum Brennes zu. Feuerwehrkkommandant Martin Dachs, der auch Bauhofleiter und somit Winterdienstfahrer der Gemeinde Lohberg ist, verständigte Herbert Egner von der Straßenmeisterei Bad Kötzting. Dachs zeigte sich davon überzeugt, dass es ratsam wäre, die Staatsstraße zu sperren: „Momentan ist es brandgefährlich. Die Bäume hängen in den Fahrbahnbereich“, schilderte er die Lage vor Ort. Er befürchtete vor allem, dass der Verkehr wegen eines umgestürzten Stammes komplett zum Erliegen hätte kommen können und Bäume in die Fahrzeuge im Stau fallen könnten.

Eine schwere Entscheidung hatte der Leiter der Straßenmeisterei Bad Kötzting, Herbert Egner, zusammen mit dem Landratsamt als Verkehrsbehörde und der Polizei zu treffen. Er habe in seiner bisherigen Amtszeit seit 2008 noch keine so prekäre Lage erlebt, sagte er. Es habe zwar schon öfter Schneebruchgefahr gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß. „Man muss abwägen, ob eine Sperre vonnöten ist, weil die Sache eine enorme Tragweite hat.“ Egner gab zu bedenken, dass eine Sperre länger als einige Stunden dauern würde und sich das auch massiv auf den Wintersportbetrieb und die Gastronomie auf dem Großen Arber auswirken würde.

Am Mittwochmorgen versinken die Straßen rund um Lohberg im Schnee.   Foto: wf
Am Mittwochmorgen versinken die Straßen rund um Lohberg im Schnee. Foto: wf

Zwischendurch musste Egner auch immer wieder über die Unvernunft mancher Autofahrer den Kopf schütteln, die trotz schneebedeckter Fahrbahn und durchdrehender Reifen weiter auf den Berg hinauffahren wollten. Um eine Entscheidung treffen zu können, wurde die Strecke am Mittwochvormittag abgefahren und besichtigt. Die Inspektion führte zu dem Ergebnis, dass vorerst nicht gesperrt werden sollte und das Straßenbauamt zwei Mal pro Stunde Kontrollfahrten unternehmen sollte. Allerdings wurde die Gemeindeverbindungsstraße zur Mooshütte gesperrt. Im Langlaufzentrum Scheiben wurde der Betrieb außerdem komplett eingestellt. Die Loipen werden bis auf weiteres auch nicht mehr gespurt, weil die zwischen den mit schwerem Schnee beladenen Bäumen verläuft und deshalb – zumindest im Moment – Lebensgefahr besteht. Kommandant Martin Dachs riet allen Sportlern dringend, sich an die Sperrung zu halten.

Besteht Gefahr für Wanderer?

  • Warnung:

    Forstministerin Michaela Kaniber warnt derzeit allgemein, „sich im Wald aufzuhalten und generell unter bäumen höchste Vorsicht walten zu lassen“, wie es am Mittwoch in einer Pressemitteilung heißt.

  • Höhere Lagen:

    Der für Arrach, Lam und Lohberg zuständige Förster Martin Hupf sieht im Bereich der Staatsforsten in seinem Gebiet derzeit noch keine Gefahr für Wanderer. Die Bäume in den höheren Lagen seien daran gewöhnt, auch die Lasten des derzeit sehr schweren Schnees zu tragen. Mehr Bedenken habe er allerdings, wenn sich das für kommende Woche angekündigte Tauwetter einstellen sollte.

  • Tiefere Lagen:

    Die „theoretische Schneebruch-Lage“ bewegt sich laut Hupf zwischen 400 bis 600 Metern Höhe. Darum ist auch der für Bad Kötzting zuständige Revierförster Hans Geiger noch ganz gelassen. Die Wanderwege in seinem Bereich seien kontrolliert, es sei nichts zu beanstanden. Dennoch raten beide zu erhöhter Vorsicht im Wald und auf den markierten Wegen zu bleiben – und das nicht nur zum eigenen Schutz, sondern auch, weil abseits der Wege Tiere aufgescheucht werden könnten, und das koste ihnen gerade im Winter zu viel Energie. (wf)

Wer es bis auf den Arber geschafft hatte, der freute sich über den Schneefall. Eine Familie erklärte unserem Medienhaus gegenüber: „Ist das schön!“ Nur die stürmischen Böen schränkten den Skibetrieb vorübergehend ein. „Ab der Zehner-Stütze, also dem Schmugglerweg, sind die Böen kritisch“, begründete Thomas Liebl, Betriebsleiter der Arberbergbahn, dass einige Lifte und die Gondelbahn an diesem Tag stillstanden. Über den Schnee freute er sich aber natürlich – vor allem, weil keiner seinen Vorhersagen über einen ergiebigen Winter geglaubt habe.

Durch Winter „verwöhnt“

Die Schneebruchgefahr im Wald und entlang der Straßen werde sich nach seiner Meinung zügig wieder entschärfen. „Solche Situationen gab es früher auch. Wir sind in dieser Hinsicht in den letzten Wintern etwas verwöhnt worden“, betonte der Arberbergbahn-Chef. „Es läuft eigentlich alles bestens“, freute er sich gemeinsam mit den Wintersportlern und hoffte, dass die Sturmausläufer bis zum Wochenende vorbeigehen, damit Gondelbahn und Nordhangbahn wieder in Betrieb genommen werden können.

Entspannt beurteilte Kreisbrandrat Michael Stahl die Situation im Landkreis Cham insgesamt. Außer im Arbergebiet seien ihm keine Beeinträchtigungen bekannt, sagte er am Mittwoch. Beeinträchtigt wurde durch Wind und Schnee allerdings der Betrieb bei den Waldbahnen. Bereits am Dienstagabend stürzten mehrere Bäume auf die Strecke. Zwischen Zwiesel und Grafenau sowie Zwiesel und Bayerisch Eisenstein kollidierten zwei Züge mit umgestürzten Bäumen. Der Verkehr wurde daraufhin auf allen Waldbahn-Strecken aus Sicherheitsgründen sofort eingestellt, soll laut Pressemitteilung des Unternehmens am Donnerstag aber wieder anlaufen. (kfl)

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