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Ehrung

Archäologin räumt hochdotierten Preis ab

Die gebürtige Rodingerin Dr. Natascha Mehler erhält Caroline-von-Humboldt-Preis. Viermal im Jahr besucht sie ihre Heimat.
Von Bastian Schreiner

Theorie und Praxis: Die Preisträgerin hält Lehrveranstaltungen und Vorträge, gräbt aber auch selbst – vor allem im nordatlantischen Raum. Foto: M. Gardiner
Theorie und Praxis: Die Preisträgerin hält Lehrveranstaltungen und Vorträge, gräbt aber auch selbst – vor allem im nordatlantischen Raum. Foto: M. Gardiner

Roding.In ihrer Freizeit war sie häufig auf der Kürnburg in Stamsried, später belegte sie am Gymnasium den Latein-Leistungskurs und interessierte sich für die alten Römer, bis sie schließlich in den 90er Jahren in Wien und Bergen Archäologie der Neuzeit und des Mittelalters studierte. Heute ist Natascha Mehler Doktorin und preisgekrönte Archäologin. Für ihre kreative und interdisziplinäre Forschung wurde die 47-Jährige mit dem Caroline-von-Humboldt-Preis geehrt. „Damit habe ich nicht gerechnet, ich war völlig überrascht“, erzählt die gebürtige Rodingerin.

Aufgewachsen ist Mehler in Stamsried, den Großteil ihrer Schulzeit absolvierte sie am Max-Reger-Gymnasium in Amberg. Nach dem Studium, das sie als Magister Artium abgeschlossen hat, blieb sie der Wissenschaft treu. Nach Stationen als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Isländischen Archäologischen Institut in Reykjavík sowie bei der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Ingolstadt promovierte sie 2008 zum Thema „Tonpfeifen in Bayern“ an der Universität in Kiel. 2014 habilitierte sie mit dem Thema „Perspektiven der Historischen Archäologie. Methoden – Themen – Theorien“ an der Universität Wien.

Dr. Natascha Mehler lebt seit ein paar Jahren im Chiemgau. Foto: N. Grunert
Dr. Natascha Mehler lebt seit ein paar Jahren im Chiemgau. Foto: N. Grunert

Aktuell arbeitet Dr. Natascha Mehler für das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig. Zuvor war sie beim Deutschen Schifffahrtmuseum in Bremerhaven beschäftigt. „Ich arbeite viel im Home-Office. Das passt mir ganz gut“, sagt Mehler im Gespräch mit unserem Medienhaus. Die zweifache Mutter wohnt mit ihrem Mann seit ein paar Jahren in Aschau im Chiemgau. Etwa viermal im Jahr besucht die Archäologin die Heimat. „Die beiden Kinder wollen die Oma sehen. Sie ist der Anker in der Oberpfalz“, berichtet sie.

„Oma ist Anker in der Oberpfalz“

Ihre Mutter, die in Haid bei Pitzling (Gemeinde Pemfling) wohnt, war auch bei der Preisverleihung Ende Februar in Berlin dabei. Nach dem Festakt im Plenarsaal der Humboldt-Universität, wo Mehler den mit 15 000 Euro dotierten Preis entgegengenommen hat, stand noch eine Sightseeingtour auf dem Programm. „Ich freue mich sehr über die Auszeichnung und bin unheimlich stolz“, bekräftigt die 47-Jährige. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Entscheidung meistens auf Mediziner, Mathematiker oder Physiker falle.

Karriere und Preis

  • Vita:

    Natascha Mehler studierte von 1991 bis 2001 Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, der Klassischen Archäologie und der Denkmalpflege an mehreren Universitäten. 2008 promovierte sie zum Thema „Tonpfeifen in Bayern“ in Kiel. 2014 folgte die Habilitation im Fach Urgeschichte und Historische Archäologie in Wien.

  • Auszeichnung:

    Der Caroline-von-Humboldt-Preis ist der erste Forschungspreis der Humboldt-Uni, der nur an Frauen verliehen wird und einer der höchstdotierten Preise ( 15 000 Euro) seiner Art in Deutschland ist. Ihn erhält eine exzellente Wissenschaftlerin und er dient der Unterstützung eines wissenschaftlichen Projektes. (bs)

Wie es in der Laudatio hieß, habe Dr. Mehler mit ihrer exzellenten wissenschaftlichen Arbeit die Ansätze und Methoden der Archäologie, Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte sowie Sozial- und Kulturanthropologie miteinander verknüpft und so neue Impulse gesetzt. Als historische Archäologin erforscht die gebürtige Rodingerin, die geschichtlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge im Mittelalter und in der Neuzeit. In ihrem Forschungsprojekt untersucht sie die ökonomischen und kulturellen Beziehungen zwischen Hamburg und Bremen sowie den nordatlantischen Inseln Island, Färöer und Shetland. Der Forschungszeitraum reicht hierbei vom 15. Jahrhundert bis zum späten 17. Jahrhundert.

Grabungsreisen und Vorträge

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen grundsätzlich im hohen Norden sowie im Süden Bayerns und in Österreich. Natascha Mehler ist für Grabungen viel im Ausland unterwegs – meistens im Zeitraum zwischen Juni und September. „Die Kinder sind öfters dabei auf Grabungsreise, die Oma konnte ich noch nicht überzeugen“, sagt sie und grinst. Gräbt die Preisträgerin nicht nach Überresten der Hanse, hält sie Lehrveranstaltungen an der Universität Wien, betreut Studenten bei ihren Abschlussarbeiten oder hält Vorträge. Des Weiteren hat sie schon dutzende Artikel verfasst und eine Handvoll Bücher auf den Markt gebracht. Das Publizieren bringe das Tagesgeschäft mit sich. „Aber ich mache das auch gerne“, versichert Mehler, die in ihrer Freizeit gerne in der Natur ist, laufen geht oder Rad fährt.

Schade findet sie, dass die Archäologie in Deutschland noch nicht den richtigen Durchbruch geschafft hat. „Mir blutet das Herz, wenn Baggerfahrer auf Baustellen einfach loslegen, oftmals werden wertvolle Dinge einfach platt gemacht“, sagt die 47-Jährige. Dabei ist es ihrer Meinung nach sehr wichtig, die eigene Geschichte zu erforschen. Auch im Landkreis Cham könnte man archäologisch viel mehr machen, doch einige Städte wollen sich keinen eigenen Archäologen leisten. „Vielleicht gelingt es mit der Auszeichnung ja, mehr Menschen für die Relevanz der Archäologie zu gewinnen“, hofft Mehler.

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