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Demonstration

Atommüll hinter der Grenze

Bürgerinitiative Bayerischer Wald protestiert gegen ein mögliches Endlager in Manovice nahe Klattau

Mit dem Bus fuhren die Teilnehmer des Protests, mit Plakaten und Fahnen bewaffnet, ins Nachbarland. Foto: BI
Mit dem Bus fuhren die Teilnehmer des Protests, mit Plakaten und Fahnen bewaffnet, ins Nachbarland. Foto: BI

Cham.Die Bürgerinitiative Bayerischer Wald gegen Atomanlagen (BI) hat am Samstag eine Busfahrt nach Tschechien organisiert, um den Protest gegen den möglichen Bau eines atomaren Endlagers in Grenznähe zum Landkreis Cham zu unterstützen und sich über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren. 34 Personen nahmen an der Fahrt teil, darunter auch Vertreter der Organisation Zivilcourage, des Bündnisses für Atomausstieg Regensburg, der BI Weiden sowie Teilnehmer aus dem Landkreis Straubing-Bogen.

Hochradioaktiver Müll

Die Zwischenlager in den tschechischen Atomkraftwerken Temelin und Dukovany füllen sich mit hochradioaktivem, atomarem Müll. Tschechien ist auf der Suche nach einem atomaren Endlager. Das Areal bei dem kleinen Dorf Manovice, eine dünnbesiedelte Region 25 Kilometer südöstlich von Klattau und Luftlinie 70 Kilometer entfernt von Cham befindet sich in der engeren Standortauswahl.

Die Bürgerinitiative Bayerischer Wald beteiligte sich zum fünften Mal in Folge an dem Protestmarsch und an der anschließenden Kundgebung. Die tschechischen Atomkraftgegner freuten sich sehr über die erneute solidarische Unterstützung der Bürgerinitiative Bayerischer Wald. Treffpunkt für die Protestaktion war vor dem Kulturhaus am Bahnhof in Pacejov, wo um 15 Uhr die Auftaktkundgebung stattfand.

Josef Jirsa, Bürgermeister der Gemeinde Manovice, eröffnete nach dem Protestmarsch die Kundgebung in Manovice. Das eigens für die Protestaktion aufgestellte Zelt war bis auf den letzten Platz gefüllt. Jan Vavricka, Bürgermeister der Gemeinde Pacejov, brachte im Anschluss seine Kritik an dem Standortauswahlverfahren seitens des Ministeriums für Handel und Industrie zum Ausdruck. Die Vorgehensweise für die Standortwahl sei nicht transparent und die betroffenen Gemeinden werden in das Verfahren zu wenig eingebunden. Gut hingegen sei, dass sich alle Gemeinden zu einer Plattform zusammengeschlossen haben, um sich gegenseitig zu unterstützen. Er bedankte sich bei Edward Sequenz von der Umweltorganisation Calla, einer Antiatom- und Naturschutzinitiative, für dessen langjährige, wertvolle fachliche Unterstützung.

Edward Sequenz informierte dann über den aktuellen Stand des Auswahlverfahrens. Er wies darauf hin, dass die Anzahl von ursprünglich sieben Standorten seit dem letzten Jahr auf vier Standorte reduziert wurde. Manovice ist weiterhin als möglicher Standort in der Diskussion. Bis November 2018 soll die Standortauswahl auf zwei Orte reduziert werden. Die endgültige Entscheidung für einen Standort soll 2025 fallen. Die Inbetriebnahme des atomaren Endlagers sei für 2065 vorgesehen.

Erstmals nahm eine Abgeordnete des tschechischen Parlaments, Barbara Koranová, an der Veranstaltung teil. Sie betonte, dass ihr die Region wichtig sei und bot den Gemeindevertretern und Organisationen ihre Zusammenarbeit an, um im Ministerium Einfluss zu nehmen.

Isolde Mühlbauer verwies auf die Informationsarbeit der BI durch die Presseberichte in den Lokalzeitungen des Landkreises Cham. Als weiterer Redner aus dem Landkreis Cham sprach Marian Janka, Kreisvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Cham und Mitglied im DGB-Kreisvorstand Cham. Als Pädagoge mahnte er eine sichere Zukunft für die Kinder und Kindeskinder ohne Atomkraft an.

Film über Wackersdorf

Pavel Vltek von der Bürgerinitiative in Budweis beendete die Rednerliste. Er machte auf die generellen Gefahren jeglicher atomarer Energienutzung aufmerksam. Die katastrophalen atomaren Unfälle in Tschernobyl und Fukushima seien der eindeutige Beweis.

Die Veranstaltung wurde von der Band Melodion musikalisch umrahmt. Die Mitglieder der BI gaben das Versprechen 2019 wiederzukommen, falls Manovice weiterhin in der Standortauswahl für ein atomares Endlager in Tschechien bleiben würde.

Die BI weist zudem darauf hin, dass am 10. August um 21 Uhr der Spielfilm „Wackersdorf“ im Stadtpark in Schwandorf erstaufgeführt wird.

Pläne: Seit 15 Jahren existieren Pläne zum Bau eines atomaren Endlagers in dieser Gegend. Seit sieben Jahren ist Manovice in der Diskussion um die Endlagersuche. Drei Millionen Kubikmeter Gestein sollen aus dem Granitvorkommen gesprengt werden, um dort die hochradioaktiven, abgebrannten Kernbrennstäbe, die zurzeit in den Zwischenlagern der Atomkraftwerke Temelin und Dukovany aufbewahrt werden, einzulagern.

Das Endlager

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