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Kabarett

Auch der Holzweg kann der Richtige sein

Wolfgang Krebs schlüpfte im Further Tagungszentrum ATT in die Rollen von Stoiber, Seehofer, Söder und „Aiwonger“.
Johann Gruber

  • Der Unternehmer Schorsch Scheberl will die Landflucht bekämpfen und dabei noch ein Geschäft machen. Foto: fer
  • Wolfgang Krebs mit seinem neuen Haarschnitt, der sehr perückenkompatibel ist. Fotos: Johann Gruber
  • Zwei dicke Freunde sind Toni Lauerer und Wolfgang Krebs und sie haben jetzt sogar den gleichen Friseur.

Furth i Wald. Bayern ist 70 000 Quadratkilometer groß und besteht zum größten Teil aus Land. Die Speckgürtel um die großen bayerischen Städte werden immer größer, die Mieten immer höher, die Wege zur Arbeit immer länger. Damit wächst auch die Gefahr, dass Bayern immer mehr an Charakter verliert, an Gemütlichkeit und Tradition.

Dieser Entwicklung sagt Schorsch Scheberl alias Kabarettist Wolfgang Krebs, der am Samstagabend als erster die Bühne betrat, den Kampf an und organisiert den Widerstand in der Provinz. Genauer gesagt im Further Tagungszentrum ATT, wo prominente Politiker, Kulturschaffende, Einheimische und Zuagroaste zu Wort kamen. Das Motto war „Geh zu, bleib da!“

Den Reigen prominenter Politiker eröffnete der Vorvorvorgänger des aktuellen Ministerpräsidenten, Dr. Edmund Stoiber: „Ich freue mich, da zu sein, wo Bayern am schönsten ist“ – Beifall – „Ich sage das ganz bewusst, hier an der Grenze zum Dings, äh zu dem anderen Land. Hier so nahe an der Quelle, an der, äh an der billigeren Tankstelle, und an günstigen Zigaretten. Natürlich hat es viele Vorzüge und deswegen sind wir heute da, eben aufs Land zu ziehen oder weit weg von der Stadt München. Sehr viele Gründe hat‘s, ganz viele, und drum fällt mir halt auch grad keiner ein.“

Mauer hinter Aschaffenburg

Stoiber sprach die „Kopulation mit den freien Quälern“ an und kommentierte „Auch der Holzweg kann der richtige sein, … wenn du eine Termite bist.“ Er erinnerte daran, dass er zu seiner Zeit mit 60,7 Prozent das höchste Wahlergebnis außerhalb von Diktaturen eingefahren hatte. Der Putin habe ihn dann angerufen und gesagt: „Du auch!“ Dann nahm Stoiber die Armutszuwanderung aus Bremen und dem Ruhrgebiet aufs Korn. Natürlich müsse man Menschen in Not in Bayern aufnehmen aus Ländern, wo Bürgerkrieg herrscht und die staatliche Ordnung zusammengebrochen ist, zum Beispiel aus Chemnitz. Der Horst habe hier eine Analyse von Wahrheit und Klarheit abgegeben, die ergeben hat, dass wir nicht nur Grenzkontrollen brauchen in Kiefersfelden und Passau, sondern eine Mauer hinter Aschaffenburg, und die Hessen müssen sie bezahlen.

Nach Stoiber rockte die erfolglose Allgäuer Schlager-Kanone Meggy Montana mit ihrem neuesten Hit „Schalla la, schalla li“ die Bühne und spannte das Publikum für den Refrain ein: „ ... nicht mehr rank und schlank, doch heut hast ein festes Konto, auf der Bank.“ Nach dem Auftritt von Montana begrüßte Wolfgang Krebs sein treues Publikum und plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. Seine neue Frisur begründete er mit der Praktikabilität beim Perückenwechseln.

Dann trat Bundesinnenminister und bayerischer Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer ans Rednerpult. „Ich bin froh, hier zu sein im wunderschönen Cham, das weit weg ist von der Angela Merkel, öhöhöh.“ Über Flüchtlinge werde er keine Witze mehr machen wegen dem Schitstorm, weil an seinem 69 Geburtstag 69 Flüchtlinge abgeschoben wurden. Alle Ministerpräsidenten in Europa hätten das aber gut gefunden, die Kontingente bei Abschiebungen an das Lebensalter des Regierungschefs zu koppeln. Nur der Sebastian Kurz nicht, denn dann dürften in Österreich jeweils nur noch 13 abgelehnte Flüchtlinge abgeschoben werden, öhöhöh. Und den einen Fehler werde er am Computer nie machen, nämlich die Tasten „Steuerung“ und „alt“ gleichzeitig zu drücken.

Hubert „Aiwongers“ Strategie

Der neue stellvertretende bayerische Ministerpräsident und Freie-Wähler-Chef Hubert „Aiwonger“ plauderte aus dem Koalitionskästchen. Er habe immer gesagt, mit ihm gibt‘s keine Koolition um jeden Preis sondern eine ohne jeden Preis. „Unsere Koolitionsverhondlungen bestonden aus zwei Sätzen. Der Söder hat gesogt: I bin der Morkus und do bin ich dohoam. Und er habe gesogt: I bin da Hubert und do, do bin i dobai“. Dos ist eine knollhorte Verhondlungsstrotegie, denn wenn du bereits auf dem Schoß deines Gegenübers sitzt, konn mon dich nicht mehr über den Tisch ziehen.

Nach Aiwonger trat der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder ans Rednerpult. So wie er ausschaute und redete, war die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass sich der echte Söder als Söder ausgab, um das Ohr einmal am Furtherer Bürger haben zu können. In den Nachrichten gab es zumindest keinerlei Meldungen, dass der echte Ministerpräsident am Freitagabend irgendwo anders gesichtet worden ist. Horst, habe er gesagt, es gibt vier Phasen im Leben eines Mannes: 1. Du glaubst an den Nikolaus, 2. Du glaubst nimmer an den Nikloaus, 3. Du bist der Nikolaus, 4. Du schaust aus wie der Nikolaus.

Wolfgang Krebs stellte dann seine Vielseitigkeit noch weiter unter Beweis, indem er als König Ludwig II auftrat. Dieser beklagte sich u.a. darüber, dass seine Schlösser schwer zu heizen und schwer sauber zu halten seien. Eine weitere Rolle: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie meinte u. a. dass Intelligenz nicht ausreicht, um das Volk der Bayern zu verstehen.

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