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MZ-Serie

Auch Schwänzen will gelernt sein

Matthias Meier erklärt, warum wir Erwachsene uns beim Thema Umwelt verhalten wie betrunkene Hooligans mit Holzlöffeln.
Von Matthias Meier

Die Schulstreiks findet Matthias Meier richtig gut. Trauen hätte er sich das damals als Bub in Runding aber nicht dürfen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Die Schulstreiks findet Matthias Meier richtig gut. Trauen hätte er sich das damals als Bub in Runding aber nicht dürfen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Runding.Endlich kann man wieder mit dem T-Shirt raus in die Sonne. Gut, dass sie die Zeitumstellung noch nicht abgeschafft haben, sonst wäre es bestimmt noch saukalt.

Die Zeit, wenn das Wetter milder gestimmt ist und die ersten warmen Sonnenstrahlen unseren Vitamin-D-Speicher füllen, mochte ich schon als Schulkind. Da wurde schon ab und zu mal die Schule geschwänzt. Wir haben aber dann nicht gerastet, oder wie man heutzutage auf neubayerisch sagt „gechillt“, wir haben was zusammen draußen unternommen und die Zeit positiv genutzt.

Einmal haben wir dem alten Kuchler Franzerl am Waltinger Berg oben die Bremsseile von ihrem Fahrrad ausgehängt. Dann ist diese runtergerauscht in Richtung Dorfmitte, und zwar in gefühlter Lichtgeschwindigkeit. Aber wir waren immer sehr verantwortungsvoll. Das hätten wir nie gemacht, wenn wir nicht gewusst hätten, dass am Dorfplatz vom Hartlbauer ein großer Misthaufen sie sanft daherbremsen würde – in der Theorie.

Da hätte es Bockfotzn gehagelt

Matthias Meier
Matthias Meier

Aber leider hat in der Praxis der Hartlbauer eine Stunde zuvor mistbroit (dt. mistgebreitet). Aufgrund unseres schlechten Gewissens besuchten wir das geschundene Franzerl am nächsten Tag im Krankenhaus und brachten ihr Krapfen mit – mit Schnupftabak. Sie hat sich riesig gefreut: „Daaangsch hat schiiiii“. Aufgrund der endlosen Niesanfälle vom Franzerl war im Krankenhaus eine Feinstaubbelastung, dass die Menschen im benachbarten Lungenzentrum gemeint haben, der Zigarettenautomat sei gesprengt worden.

Aber auch Schulschwänzen will gelernt sein. Gott sei dank hatte ich als Kind bereits eine sehr tiefe Stimme, so dass ich selbst einmal in der Schule anrief, um mich krank zu melden: „Grüß Gott, der Matthias kann heute nicht in die Schule, weil er krank ist“. Als dann die Sekretärin der Schule fragte „Wer ist denn dran“, antwortete ich ganz selbstbewusst: „Mei Papa“. Aber ich habe bei meinen Eltern keine großen Probleme aufgrund des Fehlens in der Schule bekommen, da ich ja nicht sinnlos ferngesehen, sondern was draußen mit meinen Freunden unternommen habe.

Aber wehe, ich wäre freitags von der Schule ferngeblieben, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Das wäre früher undenkbar gewesen. Da hätten wir von der Lehrerin in der Rundinger Volksschule so eine Bockfotzn bekommen, dass ma 14 Tage mit dem D-Zug mitgelaufen wären.

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Unser Kolumnist Matthias Meier hat zum Aschermittwoch eine ganz besondere Idee: vierwöchiges Wortfasten für Politiker.

Aber eigentlich sind wir in unserer scheinbar hochentwickelten Gesellschaft schon so weit, dass uns die 16-jährige Greta sagen muss, dass es fünf vor zwölf ist und wir uns sofort ändern müssten, da sonst die weiteren Generationen, denen die Erde auch nur vertrauensvoll geliehen ist, extreme Schwierigkeiten bekämen, nur weil wir Erwachsene in unserem Trott unserer Leistungsgesellschaft schon so festgefahren sind, dass es uns schwer fällt, uns unbequem mit der Schädigung der Umwelt durch uns und den Folgen objektiv zu beschäftigen.

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Anscheinend sind die jungen Menschen noch nicht so systembesessen und kämpfen für eine bessere Zukunft und einen lebenswerten Lebensraum. Jedem Schüler, der aufrichtig für diese gute Sache kämpft, anstatt sich mit Lehrstoff vollzufressen, den er nach bestandener Prüfung sofort wieder auskotzt und vergisst, gilt meine Hochachtung und mein Respekt.

Zugleich verursacht es ein schlechtes Gewissen bei mir, weil wir mit unserem Planeten umgehen wie ein besoffener Hooligan am Strand von Mallorca, der vergeblich versucht, sich seine Flip-Flops mit dem Schuhlöffel anzuziehen.

Liebe Schüler, danke, macht weiter! Das ist eine der sinnvollsten Beschäftigungen, die ihr im Rahmen unseres jetzigen Bildungssystems machen könnt.

Bis bald, euer Meier

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