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Vorschlag

Audi-Strafgeld für Hötzing?

Dr. Thomas Klyscz und Max Schmaderer wollen eine Stiftung für Natur und Umwelt, Klimaschutz und Artenvielfalt in Bayern.
Von Alois Dachs

  • Das von Hans Stangl und seiner Familie teilsanierte Gut Hötzing steht zum Verkauf, 80 Hektar umliegender Grund sollen nach Vorschlag der Kreisräte Dr. Thomas Klyscz und Max Schmaderer für ein Umwelt- und Klimaprojekt genutzt werden. Fotos: Alois Dachs
  • Momentan präsentiert sich eine „Maiswüste“ rund um das Gut Hötzing.

Schorndorf.Eine verantwortungsvolle bayerische Umweltstiftung möchten die Kreisräte Dr. Thomas Klyscz und Max Schmaderer von den Freien Wählern in dem zum Verkauf stehenden Gut Hötzing errichten. Landrat Franz Löffler begrüßt die Initiative, sieht aber Bedarf für „ein schlüssiges und umsetzbares Konzept“, erklärte er auf Anfrage unseres Medienhauses.

Der Dermatologe und Umweltmediziner Dr. Thomas Klyscz, Stadtrat in Bad Kötzting und Kreisrat der Freien Wähler, rannte mit dem Vorschlag bei seinem Fraktionskollegen Max Schmaderer, in dessen Gemeindegebiet Schorndorf das Gut Hötzing liegt, offene Türen ein. Weil das von ihrem verstorbenen Fraktionskollegen, dem Unternehmer Hans Stangl, bereits teilsanierte Gut Hötzing nun zum Verkauf steht, möchte Dr. Klyscz die Gelegenheit nutzen, hier eine Landesstiftung zu etablieren.

80 Hektar Ackerland dabei

Immerhin gehören zu dem einsam gelegenen Gut neben zahlreichen, teilweise noch sanierungsbedürftigen Gebäuden auch rund 80 Hektar bester Ackerboden, die derzeit für Mais und Getreideanbau genutzt werden. „Mit der Gründung der Stiftung möchten die Freien Wähler deutlich machen, dass der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen, der Erhalt der Biodiversität und der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen Wasser, Luft und Energie zentrale Bestandteile einer verantwortungsvollen Landespolitik sind“, schreibt Dr. Thomas Klyscz in seinem Exposé. Der Mediziner und Kreisrat hat auch einen Vorschlag parat, wie diese Landesstiftung mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden könnte. Wegen „umweltschädlicher Vergehen“ soll bekanntlich der Autobauer Audi 800 Millionen Euro an den Freistaat Bayern zahlen.

Nach Ansicht der Freien Wähler im Landtag sollen diese Strafzahlungen „nicht sang- und klanglos im allgemeinen Haushalt des Freistaates verschwinden“, sondern zur Finanzierung konkreter Umweltmaßnahmen mit den Schwerpunkten Klimaschutz und Artenvielfalt verwendet werden.

Für die Freien Wähler, die mit Hubert Aiwanger den bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsminister und mit Thorsten Glauber den Umweltminister stellen, sei klar, dass neben der wirtschaftlichen Prosperität auch eine verantwortungsvolle und zugleich sachorientierte Umweltpolitik gleichberechtigt anzusiedeln ist, sagt Dr. Klyscz. Themen wie Regenerative Energie, Plastikvermeidung und Recycling, lokale Energienetze oder „Power-to-Gas“-Forschung sollten ebenso von der Stiftung gefördert werden, wie im Zuge einer regionalen Versorgung mit Nahrungsmitteln auch die landwirtschaftlichen Flächen sinnvoll genutzt werden könnten.

Umweltpaten schulen

„Es ist an der Zeit, mit einer Bayerischen Umweltstiftung die Tür für die nächste Generation aufzustoßen“, argumentiert der Kreisrat der Freien Wähler. Im Gut Hötzing könnten Umweltpaten aller Altersgruppen geschult und als Multiplikatoren in Schulen, Betrieben und Behörden eingesetzt werden.

Für Landrat Franz Löffler, dem Dr. Thomas Klyscz und Max Schmaderer die Idee vorstellten, ist allerdings die konkrete Vorbereitung einer solchen Umweltstiftung wichtig. In einer von uns erbetenen Stellungnahme schreibt der Landrat: „Herr Kreisrat Dr. Klyscz hat mir zusammen mit Herrn Bürgermeister Max Schmaderer bei einer Besprechung im Landratsamt seine Idee vorgetragen. Ich begrüße diesen Gedanken durchaus, weil gerade die Themen Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und Regionalität wichtige Zukunftsaufgaben sind.

Jetzt geht es aber darum, aus einer Idee ein schlüssiges und umsetzbares Konzept zu entwickeln. Erst wenn es gelingt, diese komplexe Aufgabe zusammen mit allen Beteiligten zu bewältigen, können wir auch an die Entscheidungsträger herantreten.“

Die Pressesprecherin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Dr. Ursula Schirmer, sieht in erweiterten oder neuen Nutzungsideen erhöhte Chancen zum Erhalt historischer Bausubstanz, die im Gut Hötzing bereits rund 1000 Jahre alt sei. Denkmalschutz sei auch „praktischer Umweltschutz“, sagt Dr. Schirmer, weil „erhalten und repariert statt weggeworfen und zerstört“ werde. Immerhin seien die Hälfte aller Abfälle in Deutschland Bauschutt. Deshalb diene Denkmalschutz auch der praktischen Abfallvermeidung.

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